Knapp 5,5 Milliarden Euro in 30 Jahren investiert: Die Emscher ist jetzt komplett abwasserfrei!

Letzter Meilenstein des Emscher-Umbaus zum Jahresende erreicht

Ein Bild als Zusammenfassung des Emscher-Umbaus und als Versprechen für die Zukunft: Dies eröffnet Chancen für neues blau-grünes Leben im Revier – für Natur und Menschen. Im Gewässer leben wieder Fische, die hier von Dr. Emanuel Grün (Technischer Vorstand, vorne links) und Prof. Dr. Uli Paetzel (Vorstandsvorsitzender, vorne rechts) präsentiert werden. Foto: Henning Maier-Jantzen/EGLV

Eine gute Nachricht zum Jahresanfang: Nach knapp 30 Jahren Emscher-Umbau ist der zentrale Fluss des Ruhrgebiets komplett abwasserfrei! Bis zum letzten Tag im vergangenen Jahr – und unter enormen Hochdruck – hat die Emschergenossenschaft die letzten Nebenläufe an den unterirdischen Abwasserkanal Emscher (AKE) angeschlossen. Mit großem Erfolg: Ab sofort fließt kein Tropfen klärpflichtiges Abwasser mehr in die Emscher – zum ersten Mal seit rund 170 Jahren ist der Fluss wieder sauber!

Die Zeiten des übel riechenden Flusses nun endgültig Vergangenheit

„Vermutlich konnten es sich einige Menschen bis zuletzt nicht wirklich vorstellen: Die Emscher ist endlich abwasserfrei. Wer im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, kennt die Emscher nur als Abwasser führendes, schmutziges Gewässer. Sie hat uns in dieser Form ein Leben lang begleitet, von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Dass die Zeiten des stark riechenden Flusses nun endgültig der Vergangenheit angehören, bedeutet für uns alle ein riesiger Schritt in die neue blau-grüne Zukunft der Region“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft.

Am „Blauen Klassenzimmer“ direkt an der Emscher in Dortmund können Kinder das Gewässer genau unter die Lupe nehmen.
Am „Blauen Klassenzimmer“ direkt an der Emscher in Dortmund können Kinder das Gewässer genau unter die Lupe nehmen. Foto: Rupert Oberhäuser für die Emschergenossenschaft

„Die jetzt erreichte Abwasserfreiheit kommt der Artenvielfalt im Emscher-Gebiet zu Gute und natürlich auch den Menschen in unserer Region. Die Erstellung der Abwasserinfrastruktur war eine große ingenieurtechnische Herausforderung. Die hierbei gemachten Erfahrungen werden EGLV dabei helfen, die Klimafolgenanpassung und die Verbesserung des Hochwasserschutzes auch zukünftig weiter auszubauen“, sagt Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand der Emschergenossenschaft.

Bis auf die Berne in Essen sind zudem auch alle Zuflüsse der Emscher ebenfalls von ihrer Schmutzwasserfracht befreit – das Abwasser aus der Berne fließt nun über ein Provisorium direkt in den unterirdischen Abwasserkanal Emscher (AKE), so dass die Emscher wirklich komplett abwasserfrei ist! Zu den Verzögerungen an der Berne hatte in den vergangenen Jahren am Berne-Zufluss Borbecker Mühlenbach ein seltener Vogel, die Wasserralle, gesorgt. Damals kam es sogar zu einem um fünf Jahre verzögerten Baustart.

Knapp 5,5 Milliarden Euro für die Aufwertung der Lebens- und Aufenthaltsqualität

Blick in den 51 Kilometer langen Abwasserkanal Emscher (AKE). Foto: Rupert Oberhäuser / EGLV

Vor genau 30 Jahren hat das mutige Vorhaben begonnen, einem biologisch toten Fluss inmitten des größten Ballungsraums Deutschlands neues Leben einzuhauchen. Knapp 5,5 Milliarden Euro hat die Emschergenossenschaft in die Aufwertung der Lebens- und Aufenthaltsqualität im Emscher-Gebiet investiert.

Entstanden sind vier Großkläranlagen, die heute zu den modernsten des Landes zählen. Mehr als 430 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen sind verlegt worden – das entspricht der Distanz zwischen Essen und Paris!

Parallel zum Kanalbau sind zudem bereits rund 150 Kilometer an Gewässern renaturiert worden und bieten heute ein neues Zuhause für Eisvögel, Libellen, Stelzen und Groppen. Die Artenvielfalt an der Emscher hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten durch den Emscher-Umbau verdreifacht!

Phase der naturnahen Umgestaltung: Das Leben kehrt an die Emscher zurück

Der vom Abwasser und von den Betonsohlschalen befreite Roßbach im Mai 2019: Deutlich zu erkennen ist der neue, geschwungenere Lauf des Gewässers. Foto: Markus Greulich/EGLV

Die Köttelbecke ist endgültig Geschichte, die neue Emscher dagegen eröffnet neue Chancen für blau-grünes Leben inmitten einer der spannendsten Regionen des Landes. Die Abwasserfreiheit ist erreicht, die Emscher-Geschichte aber noch lange nicht fertig geschrieben: Mit dem neuen Kapitel beginnt die Emschergenossenschaft gemeinsam mit ihren Mitgliedern und Partnern gerade erst.

Nun geht es in die Phase der naturnahen Umgestaltung: Die Betonsohlschalen werden entfernt, die Böschungen flacher und vielseitiger gestaltet. Dort, wo der Platz es zulässt, erhalten die einst technisch begradigten Flüsse wieder einen kurvenreicheren Verlauf.

Das Leben kehrt an die Emscher zurück, die sauberen Gewässer werden den Menschen zurückgegeben. Auch wenn die Emscher aufgrund ihrer besonderen Charakteristik niemals ein Badegewässer sein und größtenteils immer noch eingezäunt bleiben wird, will die Emschergenossenschaft in den kommenden Jahren viele Mitmachprojekte an den Gewässern ermöglichen. Rund 130 Kilometer durch den Emscher-Umbau entstandene neue Radwege lassen die sauberen Emscher-Gewässer bereits heute erlebbar und erfahrbar werden.

Rückblick: Wie die Emscher zur „Köttelbecke“ wurde

Grafik des Abwasserkanals Emscher und seiner Pumpwerke. Quelle: EGLV
Jahrzehntelange Planung und Bau: Grafik des Abwasserkanals Emscher und seiner Pumpwerke. Quelle: EGLV

Wegen der durch den Bergbau verursachten Bergsenkungen im Ruhrgebiet sind unterirdische Kanäle früher nicht möglich gewesen, da sie beschädigt worden wären. Daher wurden die Emscher als zentraler Fluss des Ruhrgebiets und ihre Nebenbäche als offene Schmutzwasserläufe verwendet.

Seit Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre hat sich die Lage jedoch geändert. Nach der Nordwanderung des Bergbaus sind auch keine Bergsenkungen mehr zu befürchten, so dass nun auch unterirdische Abwasserkanäle gebaut werden können.

Seit 1992 plante und setzte die Emschergenossenschaft den Emscher-Umbau in enger Abstimmung mit dem Land NRW, den Kommunen und den Genehmigungsbehörden um. Jedes Gewässer erhielt ein unterirdisches Pendant, durch das die Abwässer zu den Kläranlagen abgeleitet werden. Die oberirdischen Bäche sind nun abwasserfrei und können naturnah umgebaut werden.

HINTERGRUND

  • Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt.
  • Sie wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet und kümmert sich seitdem unter anderem um die Unterhaltung der Emscher, um die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie um den Hochwasserschutz. 
  • Mehr Informationen: www.eglv.de

Reaktionen

  1. Bilanz: Emscher-Umbau in Dortmund – Abwasserfreiheit erreicht – Emschergenossenschaft investierte in Dortmund insgesamt 865 Millionen Euro (PM)

    Mit dem Erreichen der Abwasserfreiheit in der Emscher ist das Generationenprojekt Emscher-Umbau nach 30 Jahren abgeschlossen. Auch für die Menschen in Dortmund ist das ein historischer Moment. Besonders die direkt Anwohnenden freuen sich über die Abwasserfreiheit der Emscher. Die Emschergenossenschaft liefert nun Zahlen rund um das Generationenprojekt für die Stadt Dortmund.

    Zum Emscher-System gehören neben der Emscher selbst auf Dortmunder Stadtgebiet zusätzlich noch unter anderem der Bodelschwingher Bach, der Dellwiger Bach, der Evinger Bach, der Groppenbach, der Grotenbach, der Hörder Bach, der Kirchhörder Bach, der Nettebach, der Oespeler Bach, der Roßbach, der Rüpingsbach und der Schmechtingsbach. Für die Abwasserfreiheit wurde in Dortmund ein völlig neues unterirdisches Kanalsystem angelegt: 95 Kilometer lang, 467 Millionen Euro hat die Emschergenossenschaft allein in den Kanalbau investiert.

    Zusätzlich zum Kanalsystem wurden bereits auch Wasserläufe auf einer Länge von insgesamt 45 Kilometern umgestaltet. Dafür investierte die Emschergenossenschaft 259 Millionen Euro. Insgesamt flossen in Dortmund rund 865 Millionen Euro in die Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität durch den Emscher-Umbau.

    Die Emscher ist abwasserfrei

    Pünktlich zum Jahresende 2021 erreichte die Emschergenossenschaft die Abwasserfreiheit in der gesamten Emscher. Zum ersten Mal seit rund 170 Jahren fließt durch die Emscher kein Schmutzwasser mehr. Auch für die vielen Nebenläufe wurde das ambitionierte Ziel erreicht: Auch in ihnen fließt seit dem 31. Dezember 2021 kein Abwasser mehr. Über unterirdische Sammler wird die Schmutzfracht aus der Region nun direkt in den Abwasserkanal Emscher (AKE) eingeleitet. Das Berne-System in Essen wird im Laufe dieses Jahres nachziehen. Dort wurden die Bauarbeiten durch die Umsiedlung eines seltenen Vogels – der Wasserralle – um fünf Jahre verzögert.

    Die Abwasserfreiheit ist ein wichtiger Schritt in Richtung ökologischer Umgestaltung. Nun kann die Emschergenossenschaft die sauberen Gewässer naturnah modellieren: Die Betonsohlschalen werden entfernt, die Böschungen flacher und vielseitiger gestaltet. Dort, wo der Platz es zulässt, erhalten die einst technisch begradigten Flüsse wieder einen kurvenreicheren Verlauf. Das Ziel ist die ökologische Verbesserung des Flusses und die damit einhergehende Neu- oder Wiederansiedlung von Tier- und Pflanzenarten in den kommenden Monaten und Jahren.

    Die Emschergenossenschaft

    Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Sie wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet und kümmert sich seitdem unter anderem um die Unterhaltung der Emscher, um die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie um den Hochwasserschutz. http://www.eglv.de

  2. Wanderausstellung „Faszination.Transformation.“ kommt in die Kokerei Hansa – Ab sofort gibt es die Ausstellung kostenlos zu sehen (PM)

    Die Wanderausstellung „Faszination.Transformation.“ der Emschergenossenschaft ist ab Dienstag (18.01.) in der Kompressorenhalle der Kokerei Hansa zu sehen. Der Eintritt der Ausstellung ist kostenlos. Interessierte haben bis zum 7. Februar Zeit, sich die Ausstellung auf Hansa anzuschauen.

    Der zu Ende des vergangenen Jahres abgeschlossene Emscher-Umbau ist ein wichtiger Bauteil für die blau-grüne Zukunft des Ruhrgebiets gewesen. Zur positiven Gestaltung des Strukturwandels zählen auch viele weitere Projekte links und rechts der Emscher. Unter dem Motto „Faszination.Transformation.“ blickt die Emschergenossenschaft auf 55 Leuchtturmprojekte, welche die Emscher-Region in den vergangenen 30 Jahren nachhaltig geprägt haben.

    Den Auftakt der dazugehörigen Wanderausstellung bildete die Eröffnung am 8. Juni 2021 im Landtag NRW. Aktuell geht die Ausstellung „auf Tour“ durch die Emscher-Kommunen. Zusätzlich wird sie als Dauerausstellung auf den vier Emscher-Höfen – dem Emscher-Quellhof in Holzwickede, dem Hof Emscher-Auen in Castrop-Rauxel/Dortmund, im BernePark in Bottrop und an der Emscher-Mündung in Dinslaken – für alle zugänglich gemacht.

    Faszination.Transformation.

    Faszination.Transformation. ist ein Bestandteil der Kooperation „Gemeinsam für das Neue Emschertal“ zwischen der Emschergenossenschaft, dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung NRW, den 15 Emscher-Kommunen und den drei beteiligten Landkreisen.

    Industriedenkmal Kokerei Hansa

    Die Kokerei Hansa entstand in den Jahren 1927/28 und war eine von 17 Großkokereien im Ruhrgebiet. Nach einer 64-jährigen Betriebszeit erfolgte 1992 die Stilllegung der Anlage. Seit 1997 ist die Kokerei ein Standort der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur. Erhalten geblieben sind im Wesentlichen die sachlich-funktional gestalteten Bauten sowie die technischen Anlagen der 1920er Jahre; sie ermöglichen Einblicke in den Ablauf der Produktion und in die Arbeitsbedingungen jener Zeit.

    Weitere Informationen unter http://www.industriedenkmal-stiftung.de

    Kokerei Hansa
    Emscherallee 11
    44369 Dortmund

    Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 16 Uhr

    Die Emschergenossenschaft

    Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Sie wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet und kümmert sich seitdem unter anderem um die Unterhaltung der Emscher, um die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie um den Hochwasserschutz. http://www.eglv.de

  3. Faszination.Transformation – Wanderausstellung zur Abwasserfreiheit der Emscher in der Berswordthalle (PM)

    Seit Ende des Jahres 2021 ist die Emscher vom Abwasser befreit. Eine Wanderausstellung der Emschergenossenschaft, die vom 7. Februar bis zum 25. Februar 2022 in der Berswordthalle zu sehen ist, veranschaulicht den Transformationsprozess in unterschiedlichen Themengruppen, wie Quartiere im Wandel, Industriekultur oder Grün in den Städten. 55 Leuchtturmprojekte, sieben davon in Dortmund, vom PHOENIX See über den Deusenberg bis zum Hochwasserrückhaltebecken in Mengede, machen Lust, die Region zu erkunden und ihren Wandel hautnah zu erleben.

    Parallel mit dem Emscher-Umbau sind in über 40 Städtebaufördergebieten zahlreiche Projekte, teils unter aktiver Beteiligung der dort lebenden Menschen, erfolgreich umgesetzt worden. Diese haben die Wohnquartiere erheblich aufgewertet. Der Emscher-Umbau dient dabei als verbindendes Element und ist Impulsgeber für die Transformation der Region. An dieser Vision vom Neuen Emschertal arbeiten die Kommunen des Emscher-Raumes seit 15 Jahren zusammen mit dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen (MHKBG NRW) als Fördergeber und der Emschergenossenschaft. Und dieses ist Grund genug, dass die gesamte Emscher-Region, 15 Kommunen und 3 Landkreise, zusammen mit der Emschergenossenschaft und dem MHKBG NRW, gemeinsam feiern!

    Die Ausstellung in der Berswordthalle ist frei zugänglich, der Eintritt ist kostenlos. Pandemiebedingt kann es in den Abendstunden zu Einschränkungen der Hallenöffnungszeiten kommen.

  4. Die neue Emscher kommt – für die Menschen! Illuminationsaktion der Emschergenossenschaft am 18.3. in der Dortmunder Innenstadt – Bürgerinnen und Bürger können sich beteiligen und Teil der Emscher-Feierlichkeiten werden (PM)

    Die Emscher ist erstmals nach rund 170 Jahren komplett vom Abwasser befreit – ein Meilenstein für die gesamte Region, den die Emschergenossenschaft nun mit den Bürgerinnen und Bürgern feiern möchte. Diese können sich am 18. März (ab 18 Uhr) an einer besonderen Illuminationsaktion in der Dortmunder Innenstadt beteiligen.

    Die neue Emscher kommt – auch für die Menschen in der Region. Und alle, die sich mit der Emscher und dem Emscher-Umbau identifizieren, können das auch deutlich sichtbar zeigen. Die Illumination „Die neue Emscher kommt“ zeigt die Emschergenossenschaft am 18. März ab 18 Uhr (bzw. mit Einbruch der Dämmerung) in der Dortmunder Innenstadt (Ostenhellweg/Ecke Brückstraße). Der zukunftsweisende Slogan „Die neue Emscher kommt“ kann dabei um Namen von Bürgerinnen und Bürgern ergänzt werden.

    Die Menschen aus der Region können damit Teil des „Festjahres Neue Emscher“ zum Abschluss des Emscher-Umbaus werden. Vor Ort können sie am Stand der Emschergenossenschaft kostenlos (!) ein Zeitfenster mit ihrem Namen buchen – in diesem Slot erscheint dann der Schriftzug „Die neue Emscher kommt – für XY“. Die Illumination dürfte somit ein beliebtes Selfie-Motiv werden…

    Die neue Emscher

    Die Abwasserfreiheit in der Emscher bedeutet den Abschluss des Generationenprojektes Emscher-Umbau und steht gleichzeitig für einen Neubeginn. Sie ist die Voraussetzung für die ökologische Umgestaltung der nun sauberen Gewässer. Blaugrünes Leben entsteht nun dort, wo einst ein graues Betonkorsett die Natur verdrängte. Diesen für die sozial-ökologische Transformation des Ruhrgebietes immens wichtigen Moment will die Emschergenossenschaft feiern – und zwar gemeinsam mit der Region. Die Illuminationsaktion wird dabei bis Ende März durch mehrere Städte der Emscher-Region ziehen.

    Die Emschergenossenschaft

    Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Sie wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet und kümmert sich seitdem unter anderem um die Unterhaltung der Emscher, um die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie um den Hochwasserschutz. http://www.eglv.de

  5. Mit Regenwasser gegen die Folgen des Klimawandels immun werden Zukunftsinitiative Klima.Werk betreibt blau-grünen Umbau. Dortmund ist Teil des Netzwerks von Kommunen und Emschergenossenschaft (PM)

    Regenwasser als wichtige Ressource zu begreifen, daran erinnert der diesjährige Weltwassertag am 22. März. Für Städte eine wichtige Strategie, um die Folgen des Klimawandels wie zunehmende Extremwetter-Ereignisse abzumildern. Dortmund arbeitet gemeinsam mit der Emschergenossenschaft und 15 weiteren Emscher-Kommunen in der Zukunftsinitiative Klima.Werk daran, den natürlichen Wasserkreislauf zu stärken und damit die Wohnquartiere klimafest zu machen.

    Die Stadt Dortmund ist Teil der Zukunftsinitiative Klima.Werk, die 2014 als Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ gegründet wurde. Das gemeinsame Ziel des Netzwerks der 16 Emscher-Kommunen und der Emschergenossenschaft: Die städtischen Infrastrukturen klimarobust umzubauen, für mehr Grün zu sorgen und Wasser mehr Raum zu geben. Das ist eine Antwort auf Folgen des Klimawandels, die sich in Form von Hitze- und Dürreperioden oder Starkregen bemerkbar machen und die die Lebensqualität von Bürger:innen im dicht besiedelten Ruhrgebiet beeinträchtigen.

    Wie wichtig Vorsorge ist, hat nicht zuletzt das verheerende Hochwasser im Juli 2021 in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gezeigt. Das Klima.Werk treibt den blau-grünen Umbau mit Maßnahmen voran, die dem Prinzip der Schwammstadt und einer wasserbewussten Stadtentwicklung folgen: Regenwasser soll zurückgehalten und gespeichert werden, versickern, verdunsten und nicht in der Kanalisation landen. Das entlastet das Abwassersystem und hat gleichzeitig positive Effekte auf das Mikroklima in Stadtvierteln.

    Wenn sauberes Regenwasser nicht durch den Gully und die Kanalisation in die Kläranlage abfließt, sondern vor Ort gespeichert wird, kann es den natürlichen Wasserkreislauf stärken, kann der Bewässerung von Pflanzen und Straßenbäumen dienen, Gewässerflächen speisen, so über Verdunstung für Kühlung sorgen oder ins Grundwasser gehen.

    Um diese positiven Effekte zu erreichen, steht der Zukunftsinitiative Klima.Werk ein Bündel an Maßnahmen zur Verfügung: Dächer und Fassaden begrünen, Flächen entsiegeln (zum Beispiel Parkplätze), Versickerungs- und Rückhalteflächen für Regenwasser schaffen, unterirdische Speicher bauen (Rigolen), Gebäudeentwässerung (z.B. Dachflächen) von der Kanalisation abkoppeln, Gewässerläufe renaturieren.

    Klima.Werk-Projekte in Dortmund

    Ein aktuelles Beispiel der nachhaltigen Wasserwirtschaft in Dortmund ist die derzeit laufende naturnahe Umgestaltung des Heisterbachs südlich von Dortmund-Hörde. Ein ehemals begradigtes und technisch ausgebautes Gewässer wird jetzt naturnah. Auf einer Länge von rd. 1600 Metern mit Baukosten von etwa 1,5 Millionen Euro wird ein mäanderndes Gewässer geschaffen, das durch ein breiteres Profil und kaskadenartige Sohlsprünge den Abfluss vergleichmäßigt und Hochwasserabflussspitzen reduziert. Der natürliche Wasserkreislauf wird signifikant gestärkt.

    Ein anderes Beispiel ist die Abkopplung der Topasstraße: Das auf der Straßenfläche anfallende Niederschlagswasser wird über oberirdisch im Straßenraum geführte Rinnen in ein Regenrückhaltebecken geleitet, bevor es in den angrenzenden Lohbach eingeleitet wird. Damit gelangt das saubere Regenwasser nicht mehr in die Mischwasserkanalisation.

    Die Zukunftsinitiative Klima.Werk

    Insgesamt 16 Emscher-Kommunen sowie die Emschergenossenschaft engagieren sich seit 2014 in der Zukunftsinitiative für einen bewussten Umgang mit der wichtigen Ressource Regenwasser. In den Verwaltungen der jeweiligen Städte gibt es Stadtkoordinator:innen, die intern und extern als Ansprechpartner:innen für die Themen der Zukunftsinitiative fungieren und zusammen mit ihren Dezernent:innen auch Multiplikator:innen für Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung in ihren Rathäusern sind.

    Der Erfolg des Netzwerks basiert auf langjähriger Kooperation, dem Wissensaustausch und der gemeinsamen Umsetzung vielfältiger Projekte und Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung. Im Zentrum stehen die Entwicklung nachhaltiger Zukunftsstrategien für klimaresiliente Städte, die Umsetzung von konkreten Baumaßnahmen, die Entwicklung und Anwendung von Arbeitsweisen für ein vernetztes und kooperatives Verwaltungshandeln in der Region sowie die Gestaltung von Plattformen für den Wissens- und Erfahrungsaustausch. So wird gemeinsam an einer klimaresilienten Region gearbeitet.

    Mehr Informationen auf http://www.klima-werk.de

  6. Redefluss – erste neue Folge des EGLV-Podcasts nach der Sommerpause: Zu Gast ist diesmal Kabarettist, Satiriker und Blogger Martin Kaysh (PM)

    In der neuen Folge des Podcasts „Redefluss“ von Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV), ist ein Mann zu Gast, der im Ruhrgebiet vor allem als „Alternativ-Karnevalist“ aus dem Format Geierabend bekannt ist: Kabarettist und Satiriker Martin Kaysh. In dem neuen Podcast-Format spricht Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender von EGLV, mit dem gebürtigen Marler über das Aufwachsen mit der Emscher, das Image des Ruhrgebiets und welche Rolle die Satire dabei spielt. Verfügbar ist der Podcast ab dem 25. August auf allen gängigen Plattformen sowie auf http://www.eglv.de/podcast.

    Im Ruhrgebiet gibt es viele Klischees. Vor allem der Mythos Bergbau ist noch eng mit dem Ruhrgebiet verbunden. Auch das Kabarett und die Satire spielen noch immer mit den üblichen Klischees und setzen auch den Bergbau als Stilmittel ein. Ob die Region wirklich gut daran tut, diese Klischees zu pflegen oder ob so der Blick in die Zukunft gehemmt wird, diskutieren Prof. Dr. Uli Paetzel und Martin Kaysh in der aktuellen Ausgabe des Podcasts.

    Außerdem geht es um Fragen wie: Hilft Humor Umbrüche wie den Strukturwandel im Ruhrgebiet besser zu verstehen und die sichtbaren Spuren der Probleme im Revier zu verarbeiten? Wie weit ist der Strukturwandel in der Region wirklich und welche Themen muss das Revier am dringendsten aufgreifen, um als Metropole voranzukommen? Weiterhin wird die Frage diskutiert, was passieren muss, damit das Ruhrgebiet zur „grünsten Industrieregion der Welt“ werden kann?

    Den Podcast „Redefluss“ gibt es auf allen gängigen Plattformen, über die Suchfunktion in den jeweiligen Podcast-Apps sowie auf http://www.eglv.de/podcast. Die zweite Episode wird am Weltgesundheitstag (Donnerstag, 25. August) veröffentlicht.

    Emschergenossenschaft und Lippeverband

    Emschergenossenschaft und Lippeverband sind öffentlich-rechtliche Wasserwirtschaftsunternehmen, die als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip leben. Die Aufgaben der 1899 gegründeten Emschergenossenschaft sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz. Der 1926 gegründete Lippeverband bewirtschaftet das Flusseinzugsgebiet der Lippe im nördlichen Ruhrgebiet und baute unter anderem den Lippe-Zufluss Seseke naturnah um. Gemeinsam haben Emschergenossenschaft und Lippeverband rund 1700 Mitarbeiter und sind Deutschlands größter Abwasserentsorger sowie Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken.

  7. Die Emscher ist sauber – nun ist die Energieautarkie an der Reihe (PM)

    Ein ereignisreiches Jahr an der Emscher neigt sich seinem Ende zu: Die erreichte Abwasserfreiheit im zentralen Fluss der Region sowie die offiziellen Feierlichkeiten zum Abschluss des Generationenprojektes Emscher-Umbau im Beisein von Bundeskanzler Olaf Scholz im September standen am heutigen Freitag (11.11.) auch im Vordergrund des Jahresrückblicks im Rahmen der Hauptversammlung der Emschergenossenschaft in Castrop-Rauxel. Herausfordernder fällt dagegen der Ausblick auf die Zukunft aus, denn die aktuelle Energiekrise tangiert auch die Wasserwirtschaft. Dennoch gibt es eine gute Nachricht: Die Beitragssteigerungen bleiben im kommenden Jahr stabil! Für Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand des Wasserwirtschaftsverbandes, war es derweil die letzte Genossenschaftsversammlung – er geht Ende des Monats in den Ruhestand.

    „Die Wasserwirtschaft ist eine sehr energieintensive Branche. Auf Basis langfristiger und nachhaltiger Planungen haben wir unseren Energiebedarf bereits frühzeitig gesichert, sodass wir im Interesse unserer Mitglieder unsere Beitragssteigerungen im kommenden Jahr stabil halten können“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft. Mit Blick auf die nur schwer zu prognostizierende Energiepreisentwicklung über das Jahr 2023 hinaus sei die vollständige Energieautarkie, so Paetzel, eine der größten zu bewältigenden Herausforderungen. „Die Wasserwirtschaft als wichtiger Akteur der Kritischen Infrastruktur und der öffentlichen Daseinsvorsorge muss noch in diesem Jahrzehnt energieautark werden.“

    Die Eigenenergieerzeugung spielt bei der Emschergenossenschaft bereits seit mehr als zehn Jahren eine große und immer wichtiger werdende Rolle. Mehr als 70 Prozent der auf den großen Kläranlagen benötigten Energie werden mittlerweile bereits vor Ort im Zuge der Klärschlammverwertung sowie weiterer erneuerbarer Energieträger wie u.a. Sonnenkraft und Windenergie gewonnen. Das Klärwerk der Emschergenossenschaft in Bottrop ist zudem Deutschlands erste völlig energieautarke Großkläranlage – sie verfügt u.a. über eine eigene Windenergieanlage, eine Dampfturbine und Blockheizkraftwerke.

    „Mit der Steigerung der Energieeffizienz und dem Ausbau der Eigenenergieerzeugung kommen wir unserem genossenschaftlichen Prinzip nach, zum Wohle unserer Mitglieder zu agieren. Für die Emschergenossenschaft, die 1899 aus einer Abwasserkrise heraus gegründet wurde, liegt das in ihrer DNA“, sagt Dr. Frank Dudda, Vorsitzender des Genossenschaftsrates der Emschergenossenschaft und Oberbürgermeister der Stadt Herne.

    Zahlreiche Herausforderungen

    Eine Herausforderung stellt nicht nur die Energiekrise dar, sondern nach wir vor auch der Klimawandel. Die Anpassung an die Folgen der immer schneller fortschreitenden Klimaveränderung haben für die Wasserwirtschaft oberste Priorität – für die Emschergenossenschaft ist der Hochwasserschutz sogar eine ihrer gesetzlichen Kernaufgaben. Das vermutlich größte Hochwasserschutzprojekt ist bereits seit vielen Jahren im Gange: die naturnahe Umgestaltung der Emscher. Nachdem die Abwasserfreiheit der Emscher Ende 2021 vollständig erreicht wurde, steht aktuell die ökologische Revitalisierung des Flusses im Vordergrund. Damit einher geht eine stetige Verbesserung des Hochwasserschutzes.

    So begann die Emschergenossenschaft im August dieses Jahres mit dem Ausbau der neuen Emscher-Auen im Holtener Bruch in Oberhausen. Dort entsteht in den kommenden zwei Jahren ein 1,6 Millionen Kubikmeter großer Retentionsraum mit Platz für den Inhalt von zehn Millionen (!) Badewannen. Erst in dieser Woche wurde zudem im Beisein von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst an der Mündung der Emscher in den Rhein bei Dinslaken die neue Mündungsaue mit 1,3 Millionen Kubikmetern Fassungsvolumen eingeweiht. Und im Dezember dieses Jahres wird der Ausbau des Hochwasserrückhaltebeckens Emscher-Auen in Dortmund-Mengede und Castrop-Rauxel-Ickern beginnen: Es wird mit 1,1 Millionen Kubikmetern den Inhalt von sieben Millionen Badewannen speichern können.

    Dr. Emanuel Grün: Ruhestand nach 17 Jahren als Technik-Vorstand

    Verantwortlich für die Planung dieser für die Region und ihren Hochwasserschutz immens wichtigen Baumaßnahmen zeichnete Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand der Emschergenossenschaft. Er geht Ende des Monats nach fast 17 Jahren im Amt in den Ruhestand. Auf die Frage, was ihm von der Zeit bei der Emschergenossenschaft in Erinnerung bleiben wird, antwortete Dr. Grün jüngst: „Das Großartigste war während des gesamten Emscher-Umbaus sicherlich die Innovationsfähigkeit unseres Hauses. Unsere Ingenieurinnen und Ingenieure haben nicht einfach stur eine bestehende Planung umgesetzt, sondern immer wieder auch nach Optimierungsmöglichkeiten gesucht und technische Innovationen mitberücksichtigt. Wir können mit Stolz sagen, dass wir immer den Mut hatten, bei den großen Projekten innezuhalten, sie zu überprüfen und uns zu fragen, ob es nicht bereits bessere technische Lösungen gibt. Dank der Entwicklung eines ferngesteuerten Schadenserkennungssystems konnten wir so z.B. die Anzahl der Schächte beim Abwasserkanal Emscher (AKE) deutlich reduzieren und einen dreistelligen Millionenbetrag an Investitionskosten einsparen. Durch die Umplanung und Verlegung des westlichsten AKE-Pumpwerks von Dinslaken nach Oberhausen haben wir eine dauerhafte Einsparung an Betriebs- und Energiekosten erzielen können. Auch bei den Abluftbehandlungen für den AKE haben wir alle Optionen und Verfahren eingehend überprüft, bis wir uns für die Photooxidationsanlagen entschieden haben. Neben dem Meilenstein der Abwasserfreiheit der Emscher und ihrer Nebenläufe sollten wir nicht den Umbau der Seseke, die ersten 4. Reinigungsstufen und die solarthermische Trocknung in Bottrop vergessen.“

    Die Emschergenossenschaft

    Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Sie wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet und kümmert sich seitdem unter anderem um die Unterhaltung der Emscher, um die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie um den Hochwasserschutz. http://www.eglv.de

  8. Messwerte zeigen: „Schwarze Emscher“ ist Geschichte – Vier Jahre nach Erreichen der Abwasserfreiheit gesundet der zentrale Fluss der Region wieder (PM)

    Emscher-Gebiet. Einer der größten Meilensteine in der Geschichte des Strukturwandels im Ruhrgebiet vollzog sich vor genau vier Jahren: Anfang 2022 konnte die Emschergenossenschaft nach 30 Jahren Bauzeit die vollständige Abwasserfreiheit in der Emscher verkünden. Mehr als 430 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen, vier moderne Großkläranlagen und drei gigantische Schmutzwasserpumpwerke waren in den drei Jahrzehnten zuvor gebaut worden, um das Abwasser nun endlich unterirdisch abführen zu können.

    Die Emscher, 170 Jahre lang ein offener Schmutzwasserlauf und zeitweise sogar der am stärksten verschmutzte Fluss Europas, führt mittlerweile wieder klares Wasser. Die Ergebnisse der seit 2022 erfolgten Gewässerüberwachung belegen, dass sich die frühere „Köttelbecke“ allmählich von den Folgen der Industrialisierung erholt. Erste positive Entwicklungen zeigen einen Rückgang von Schadstoffen und einen gleichzeitigen Anstieg des Sauerstoffgehalts auf – auch wächst die Artenvielfalt in dem geschundenen Fluss wieder an. Bis zur vollständigen Revitalisierung hat die Emscher aber noch einen langen Weg vor sich.

    Das Monitoring zeigt eindrucksvoll den Wandel von der „schwarzen Emscher“ zu einem durch Grund- und Regenwasser sowie gereinigtem Abwasser geprägten Flusslauf. Die Konzentration von Ammonium, Phosphat und organischem Kohlenstoff hat sich seit der vollständigen Inbetriebnahme des unterirdischen Abwasserkanals Emscher (AKE) deutlich verringert. Der AKE führt über 51 Kilometer lang von Dortmund bis Dinslaken. Der Sammler nimmt all die Schmutzfracht auf, die zuvor über 170 Jahre lang wegen des bergbaubedingten Fehlens von Abwasserkanälen direkt in den Emscher-Fluss eingeleitet wurde. Apropos Bergbau: Der Entfall des Grubenwassers seit März 2023 hat ebenfalls zu einem drastischen Rückgang der Salzbelastung in der Emscher geführt – ein weiterer enorm wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer blaugrünen Emscher.

    Der für die biologische Entwicklung wichtigste Parameter in einem Gewässer ist Sauerstoff: Die Sauerstoffgehalte in der Emscher entsprechen bisher allerdings nur oberhalb der Kläranlage Dortmund-Deusen im Raum Dortmund ganzjährig den Anforderungen. Im weiteren Verlauf erreicht die Emscher diesen Zielwert überwiegend noch nicht. 2024 lagen die Sauerstoffkonzentrationen im Mittel zwar etwas höher als in den ersten Jahren nach der Abwasserfreiheit Ende 2021. Sie reichten aber für eine gute ökologische Besiedlung noch nicht aus. Aus diesem Grund ist die im April 2025 in Betrieb genommene vierte Reinigungsstufe auf der Kläranlage der Emschergenossenschaft in Dortmund-Deusen mit einer zusätzlichen Sauerstoffanreicherung ausgestattet, sodass im Zuge der Abwasserreinigung sauerstoffreiches Wasser in die Emscher eingeleitet wird.

    Guter chemischer Zustand ist noch nicht erreicht

    Bei den Spurenstoffen weist die Emscher – wie viele andere Flüsse auch – Grenzwertüberschreitungen auf. Aufgrund der Bergbau- und Industriegeschichte des Ruhrgebiets wirken sich vielerorts Altlasten über das dem Gewässer zuströmende Grundwasser negativ auf die Emscher und ihre Nebenläufe aus. Das zeigt sich in erhöhten Konzentrationen von Kohlenwasserstoffen und Metallen. Das Gewässermonitoring hilft, diese Altlasten-Einflüsse zu identifizieren und gegebenenfalls zu sanieren.

    Insgesamt ist der gute chemische Zustand nach EU-Wasserrahmenrichtlinie in weiten Teilen der Emscher demnach noch nicht erreicht – was angesichts des jahrzehntelangen Schicksals der Emscher als offener Schmutzwasserlauf auch keine wirkliche Überraschung darstellt. Vielmehr war sogar damit zu rechnen.

    Die Natur kehrt dennoch bereits in die Emscher zurück

    Die biologische Besiedlung der Emscher hat dennoch bereits mit der vor vier Jahren erreichten Abwasserfreiheit und insbesondere mit der daraufhin erfolgten Öffnung der neuen Emscher -Mündung in den Rhein bei Dinslaken und Voerde eingesetzt.

    „Seitdem hat die Zahl aquatischer Arten im gesamten Emscher-Einzugsgebiet kontinuierlich zugenommen. Mittlerweile haben aquatische Wirbellose, Fische, Wasserpflanzen und Kieselalgen mit insgesamt 336 Arten den neuen Fluss für sich erobert. Zum Teil sind dies noch weniger anspruchsvolle Organismen – aber auch die Anzahl der empfindlicheren Arten, die die Naturnähe der renaturierten Gewässer anzeigen, ist auf 72 Arten gestiegen. Im Vergleich zu den Vorjahren konnte im Jahr 2024 entlang des gesamten Hauptlaufs der Emscher eine Zunahme der Arten festgestellt werden“, sagt Dr. Nadine Gerner, bei der Emschergenossenschaft Leiterin der Abteilung „Fluss und Landschaft“.

    Neben den klassischen biologischen Probenahmen kommen in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen eDNA-Untersuchungen zum Einsatz, bei denen DNA-Fragmente in einer einfachen Wasser-Schöpfprobe identifiziert und einzelnen Arten zugewiesen werden. Auch bei der Erfassung des Vorkommens von Wasserpflanzen setzt die Emschergenossenschaft innovative Technologien ein: Mithilfe von Luftbildern und Drohnenbefliegungen können Dichte und Verteilung von Wasserpflanzen im Gewässer erfasst werden.

    Erfolg braucht Zeit – Oberlauf der Emscher ist bereits länger revitalisiert

    Im Oberlauf der Emscher, der seit mehr als zehn Jahren abwasserfrei ist und ökologisch umgestaltet wurde, werden die Anforderungen an die Gewässerchemie bereits weitgehend eingehalten. Die Fauna weist hier Arten mit hohen Ansprüchen an Sauerstoff und Strukturvielfalt des Lebensraums auf – ein wichtiges Wiederbesiedlungspotenzial für die neue Emscher.

    „Der Oberlauf beweist: Bis zur Ausbildung einer gewässertypischen Lebensgemeinschaft und Erreichung der Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, dem guten chemischen und ökologischen Zustand, benötigt es Zeit, in der Regel mindestens zehn Jahre. Die Emscher selbst befindet sich noch in einer Phase der Neuentwicklung, aber es sind bereits deutliche Fortschritte bei der Gewässergüte und damit auch der biologischen Qualität erkennbar und weiter zu erwarten“, sagt Nadine Gerner.

    Das Emscher-Monitoring

    Nach der EU-weit geltenden Wasserrahmenrichtlinie sollen Oberflächengewässer und Grundwasser bis 2027 in einem guten ökologischen und chemischen Zustand sein. Für die Emscher mit ihrer über 100-jährigen Vergangenheit als offener Abwasserkanal ist dieses Ziel eine besondere Herausforderung – aber auch ein einzigartiges und spannendes Projekt.

    Der Fluss erwacht zu neuem Leben und die Emschergenossenschaft begleitet diese Entwicklung mit einem umfangreichen Monitoring. Dabei setzt der Wasserwirtschaftsverband neben bewährten Probenahmen auch auf innovative Methoden wie Online-Monitoring. Um den Fluss rund um die Uhr zu beobachten, übermitteln Online-Messstationen entlang der Emscher im Fünf-Minuten-Takt Informationen zu „Vitalwerten“ wie Sauerstoff, Temperatur und Nährstoffen. Dazu fördert eine Pumpe, die im Fluss platziert ist, kontinuierlich Wasser in einen Messcontainer.

    In diesem Messcontainer befinden sich verschiedene Sonden, die die eigentlichen Messungen vornehmen. Die Daten können online von den Fachexpert*innen der Emschergenossenschaft eingesehen und abgerufen werden. Seit 2024 sind zwei weitere Online-Messstationen hinzugekommen. „Damit ist die geplante Dichte von acht Messstationen entlang der Emscher erreicht. Auffällige Veränderungen der Werte können so geprüft und die Ursachen angegangen werden. Zusätzlich werden regelmäßig Wasserproben entnommen und diese chemisch und biologisch untersucht. Zusammen mit den vorhandenen Abflussmessungen ergibt sich so ein umfassendes Bild des neuen Flusses“, sagt Nadine Gerner.

    Die Messcontainer befinden sich in den Städten Dortmund (oberhalb und unterhalb der Kläranlage Dortmund-Deusen), Castrop-Rauxel, Recklinghausen, Bottrop (oberhalb und unterhalb der Kläranlage Bottrop), an der Stadtgrenze Oberhausen/Dinslaken sowie in Dinslaken zwischen der Kläranlage der Emschergenossenschaft an der Turmstraße sowie der Emscher-Mündung in den Rhein.

    Emschergenossenschaft

    Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Klimafolgenanpassung. Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden in enger Kooperation mit den kommunalen Partnern über 360 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen. http://www.eglv.de

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