Erstmals seit vier Jahren rückläufige Zahlen in Dortmund, doch „kein Grund, sich auszuruhen“

Polizeiliche Kriminalstatistik: Gewaltstraftaten sinken um 5,4 Prozent

Im Polizeipräsidium in Dortmund wurden am Montag, 2. März, die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2025 vorgestellt. Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Das erste Mal seit vier Jahren wurden in Dortmund laut der nun vorliegenden Kriminalstatistik weniger Straftaten begangen. Die polizeiliche Kriminalstatistik für 2025 zeigt einen Rückgang um 5,4 Prozent. Damit setzt sich der Trend steigender Fallzahlen aus den Jahren 2022 bis 2024 nicht fort. Die Aufklärungsquote liegt mit 54,7 Prozent weiterhin auf einem hohen Niveau, wie die Polizei Dortmund am Montag (2. März) mitteilte.

Gesamtkriminalität nimmt um 5,4 Prozent ab

Für Achim Stankowitz, stellvertretender Polizeipräsident, seien es „ganz gute Zahlen“. Mit einer Gesamtzahl von 69.256 Fällen zählt die Statistik knapp 4.000 Fälle weniger als im Jahr 2024. Rund 37 Prozent davon entfallen auf Diebstahlsdelikte. Vermögens- und Fälschungsdelikte machen 16 Prozent aus.

Stellvertretender Polizeipräsident Achim Stankowitz
Achim Stankowitz vertritt Polizeipräsidenten Gregor Lange, der zum 1. März als Regierungspräsident nach Köln gegangen ist. Foto: Fenja Horstmann für Nordstadtblogger.de

19 Prozent der Straftaten sind Rohheitsdelikte, die Körperverletzung, Bedrohung und Raub umfassen, und weitere 19 Prozent fallen in die Kategorie „Sonstige Straftaten“, die Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch bis Beleidigung beinhalten. 

Stankowitz hob besonders die rückläufigen Zahlen zur Kriminalität im öffentlichen Raum positiv hervor. Diese seien im Sicherheitsgefühl der Bürger:innen ein „besonderer Gradmesser“. Die Straßenkriminalität ist um etwa elf Prozent gesunken.

Darunter fallen Delikte wie Beschädigungen an und Diebstahl von Autos und Fahrrädern sowie Körperverletzung auf offener Straße und Raubüberfälle. Jörg Ziegler, Leiter der Direktion Kriminalität, sprach von einer „deutlichen Trendwende“, da in den letzten Jahren besonders in diesem Bereich ein starker Anstieg beobachtet wurde. ___STEADY_PAYWALL___

Der Rückgang der Straßenkriminalität sei im Vergleich mit NRW „außergewöhnlich“

Obwohl die Straßenkriminalität in ganz NRW zurückgeht, sei der Rückgang der Straftaten auf den Dortmunder Straßen „außergewöhnlich“, den Stankowitz auf die uniformierte Präsenz im öffentlichen Raum zurückführte. Darüber hinaus seien die Videobeobachtung an kritischen Orten sowie das Dortmunder „Alleinstellungsmerkmal“ – die Messertrageverbote – Gründe für den starken Rückgang der Delikte, die im öffentlichen Raum verübt werden, so Stankowitz. 2025 wurden 212 rechtskräftige Messetrageverbote ausgesprochen. Die Aufklärungsquote der Straftaten im öffentlichen Bereich liegt bei etwa 18 Prozent. 

Leiter Direktion Kriminalität Jörg Ziegler
Jörg Ziegler stellt die Dortmunder Ergebnisse der polizeilichen Statistik 2025 vor. Foto: Fenja Horstmann für Nordstadtblogger.de

Die rückläufigen Zahlen der Straßenkriminalität seien allerdings „kein Grund, sich auszuruhen“, betonte Jörg Ziegler. Denn nicht alle Kriminalitätsbereiche weisen weniger Fälle als 2024 auf. So verzeichnen die Wohnungseinbrüche einen zehnprozentigen Anstieg, 133 Einbrüche mehr als im Vorjahr wurden gezählt.

Verglichen mit dem Höchststand aus 2016 mit 2.844 Einbrüchen bleibt der Anstieg der Fälle auf 1.445 allerdings moderat. 42 Prozent der Einbrüche scheiterten beim Versuch. Mit einer Aufklärungsquote von 11 Prozent könne man jedoch nicht zufrieden sein, so Ziegler. Ein Rückgang der Einbrüche bliebe ein „Schwerpunktziel“ für alle Polizei-Direktionen.  

Gewaltkriminalität leicht rückläufig – seit 2021 trotzdem stark ansteigend

Die Gewaltkriminalität bleiben für die Dortmunder Polizei ein „Sorgenkind“, sagte Ziegler. So ist die Gewaltkriminalität in den letzten Jahren seit dem Tiefstand mit 2.200 Fällen im Jahr 2021 stark angestiegen. 2025 wurden 3.550 Fälle gezählt, ungefähr 100 Fälle weniger als 2024. Damit kann ein gering ausfallender Rückgang festgestellt werden.

Die Gewaltkriminalität umfasst in Dortmund zu 74 Prozent der Straftaten gefährliche und schwere Körperverletzung und zu 21 Prozent Raubdelikte. Die Aufklärungsquote ist um 4,65 Prozent gestiegen und liegt bei etwa 68 Prozent. 

Ziegler wies im Kontext dieser Zahlen auf den hohen Anteil von Jugendlichen und Heranwachsenden in der Tätergruppe hin. 16 Prozent der Gewalttäter seien demnach jugendlich, 11 Prozent heranwachsend. Als heranwachsend zählen Menschen zwischen 18 und 21. Die Polizei Dortmund versuche hier mit Maßnahmen an Schulen zur Suchtprävention und Deeskalationstrainings gegenzusteuern, so Ziegler.

Gründe für jugendliche Gewalt sind sehr komplex

Die Gründe für jugendliche Gewalt seien allerdings gesellschaftlich komplex, betonte der Leiter der Direktion Kriminalität. Hier würden gewaltakzeptierende Einstellungen und toxische Männlichkeitsbilder genauso wie fehlende Kritik- und Konfliktfähigkeit in der Gesellschaft sowie die vielen Krisen in der Welt zu der hohen Gewaltanwendung durch junge Menschen beitragen, so Ziegler. 

Logo der Polizei Dortmund
In ganz NRW kann ein Rücklauf der Straftaten beobachtet werden. Dortmund schneidet in vielen Bereichen besser als ganz NRW ab. Foto: Fenja Horstmann für Nordstadtblogger.de

Außerdem verzeichnet die Polizei Dortmund in ihrer Statistik im Gegensatz zum gesamten Land NRW einen Rückgang der Sexualdelikte. Die Anzahl der angezeigten Straftaten ist im Vergleich zum Vorjahr um 50 Fälle gesunken (insgesamt 996 Fälle). Im Zehnjahres-Vergleich bleibt das Niveau jedoch sehr hoch, was mit der erhöhten Sensibilisierung und Aufklärung für sexuelle Gewalt einhergeht. 

Die Aufklärungsquote bei Sexualdelikten liegt bei fast 80 Prozent auf einem hohen Niveau, wie den Daten der Polizei-Statistik zu entnehmen ist. Unter Sexualdelikte fallen sexuelle Belästigung (200 Taten), Vergewaltigungen (152), sexueller Missbrauch (293) und Kinderpornographie (136 Taten).  

Polizeidirektor besorgt Zunahme an Straftaten gegen Staatsgewalt

Im Jahr 2025 wurden lediglich sieben Straftaten im Bereich der Kinder- und Jugendpornografie weniger als im Vorjahr erfasst. Ziegler wies jedoch auf die gestiegene Aufklärungsquote von 82 auf 91 Prozent hin, was als Erfolg gesehen wird.  

Mit Sorge blickte Jörg Ziegler auf den deutlichen Anstieg von Fällen im Bereich Widerstand gegen und tätlicher Angriff auf die Staatsgewalt. Im Vergleich zu 2024 zählt die polizeiliche Statistik 245 Fälle mehr, was einen prozentualen Anstieg von fast 39 Prozent entspricht. Für Ziegler brachten die Zahlen „die steigende Respektlosigkeit“ gegenüber Beamten zum Ausdruck.  

Mit den vorgestellten Zahlen schneidet Dortmund etwas besser ab als das gesamte Land NRW, und auch im Vergleich mit weiteren Großstädten wie Köln, Düsseldorf, Essen und Duisburg.  


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