
Der Bildungserfolg von Kindern in Deutschland hängt maßgeblich vom Einkommen und Bildungsstand des Elternhauses ab. Das belegen Studien regelmäßig. Das Diesterweg-Stipedium richtet sich deshalb nicht nur an einzelne Kinder, sondern auch an ihre Familien. Im Dortmunder Rathaus wurde die sechste Generation der Stipendiat:innen verabschiedet. 16 neue Schüler:innen wurden in das Programm aufgenommen.
Förderprogramm zeigt Wirkung: Eine Absolventin berichtet
In den vergangenen zwölf Jahren haben rund 500 Menschen am Dortmunder Diesterweg-Stipendium teilgenommen. Viele ehemalige Stipendiat:innen der ersten Generation studieren heute, sind in Ausbildung oder bereits im Berufsleben angekommen. Eine von ihnen ist Rüveyde Erdogan. Sie nahm am ersten Programm von 2014 bis 2016 teil.

Heute ist sie 21 Jahre alt und studiert Bauingenieurwesen an der TU Dortmund. „Ich sollte zur Realschule. Meine Eltern und ich haben damals entschieden, dass ich trotzdem aufs Gymnasium gehe“, erinnert sich die junge Frau, die in der Nordstadt aufgewachsen ist.
Ausschlaggebend für die Teilnahme am Stipendium seien weniger ihre Noten gewesen, sondern die Bereitschaft, auch außerhalb der Schule Neues zu lernen.
Das Diesterweg-Stipendium habe ihr sehr geholfen. In ihrer Familie ist sie die erste mit Abitur. Sie hat es geschafft, obwohl ihre Chancen laut Statistik gering waren. Im vergangenen Schuljahr erhielten 52 Prozent aller Hombrucher Grundschüler:innen eine uneingeschränkte Empfehlung für das Gymnasium – in der Nordstadt waren es 7,2 Prozent.
Das Diesterweg-Stipendium verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz
Seit 2014 wird das Stipendium auch in Dortmund vergeben. Mit einer Laufzeit von zwei Jahren soll es die teilnehmenden Kinder ab der dritten Klasse beim Übergang von der Grundschule an die weiterführende Schule unterstützen und Potentiale fördern. Wer Neugier und Freude am Lernen zeigt, kann durch seine Grundschullehrer:innen für das Stipendium vorgeschlagen werden.

In den zwei Jahren des Programms finden zahlreiche außerschulische Aktivitäten statt. Es gibt wöchentliche Sprachtrainings. Mit Workshops soll das Selbstbewusstsein der Kinder gestärkt und Lerntechniken vermitteln werden.
Gemeinsam mit ihren Eltern werden zahlreiche Bildungs- und Kulturstandorte in Dortmund besucht, um neue Kompetenzen zu entdecken und bestehendes Wissen zu vertiefen.
Getragen wird das Stipendium vom Regionalen Bildungsbüro der Stadt Dortmund, dem Verein schul.inn.do e.V., dem Land NRW, der Heinz-Nixdorf-Stiftung, der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main und seit 2024 auch von der Firma Dr. Ausbüttel & Co GmbH.

