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Die Schweinehunde können nicht anders: Das neue Pighounds-Album „Hilleboom“ ist auf dem Weg zu unseren Ohren

„The Pighounds“: Gitarrist und Sänger Peter Bering (l) und Schlagzeuger Alessandro De Lucca. Fotos: Noisolution

Von Jan Schebaum

In Dortmund spielen Schweinehunde Alternative-Rock. Diese „Pighounds“ sind Sandro am Schlagzeug und Peter an der Gitarre und dem Gesang. Im Jahr 2018 gründeten sie ihr Duo „The Pighounds“ und brachten zwei Jahre später ihre erste EP „A Few Seconds“ raus. Das war den beiden aber nicht genug und so schlossen sich die lange befreundeten Musiker in einer Scheune bei Freunden ein, um ein komplettes Album aufzunehmen. „Hilleboom“ haben sie es genannt. In einem Interview verraten Sandro und Peter, wie sie auf ihre Songs kommen und was daran gut ist, wenn sie bei Idioten anecken.

Besiege Deinen inneren Schweinehund oder wie es der Zufall so will

Nordstadtblogger: Pighound bedeutet, wörtlich aus dem Englischen übersetzt, Schweinehund. Fällt das in die Humor-Schublade „my English is one wall free?“ Oder steckt Gesellschaftskritik hinter Eurem Bandnamen?  ___STEADY_PAYWALL___

Peter: Das war eher Zufall. Damals gab es überall an den Bahnstationen diese Fitnessstudio-Werbung „besiege Deinen inneren Schweinehund“. Das ins Englische übersetzte „Pighound“ fand ich als Bandnamen einfach cool. Die Entstehung war ’ne Mischung aus Zufall und dem kleinen Peter, der am Bahnhof steht und nichts zu tun hat. 

Sandro: Außerdem finde ich es cool, wenn ein Bandname, ein Song oder ein Produkt generell etwas Originelles hat. Sowas wie „The Beatles“ geht auch, aber das finde ich persönlich immer langweilig.

„öhhhrrööhh“ und „bum chack bum chack“ – Songwriting der etwas anderen Art

Mit insgesamt 10 Songs plus Bonustrack, kommt das Album „Hilleboom“ von „The Pighounds“ raus.

Nordstadtblogger: In Bands funktioniert das Songwriting ja meistens wie folgt: Der Gitarrist tobt sich mit seinem gestern noch geschraubten Sound aus, der Drummer haut ’nen Beat drunter und man guckt was rauskommt. Wie war das Songwriting zu zweit? Und wie hat das Euer Album beeinflusst? 

Sandro: Tatsächlich ist es genau so. Zu zweit müssen wir allerdings wenig Kompromisse eingehen, was das Songwriting vereinfacht. Oftmals sind es so zwei bis drei Gitarrenriffs, die einer von uns im Kopf hat und dann bauen sich die Songs so auf. 

Peter: Eine andere Variante, die bei uns auch vorkommt ist, wenn Sandro ein Gitarrenriff von zu Hause mitbringt und sagt: „Peter, kannst Du das spielen und dazu „öhhhrrööhh“ singen? (Lacht) Das versuche ich dann umzusetzen.

Genauso komme ich mit ’nem Riff zu Sandro und sage: Kannst du da mal bum chack bum chack machen? Viele unserer Songs sind tatsächlich auf der Akustikgitarre entstanden. Dann schauen wir, ob die Idee für einen Song funktioniert oder nicht.

„Ey Peter, wir müssen unbedingt ’ne zwei-Mann-Band machen!“

Nordstadtblogger: Wie kam es, dass Ihr aus „The Fitches“ heraus dann doch noch mal ein Duo gegründet habt? Liegt es an der Flexibilität als Band?

Peter: Mit meiner ursprünglichen Band ging es 2014 auseinander. Daher habe ich dann mit dem Sänger zusammen einen Auftritt zu zweit gemacht, der ganz gut funktionierte. Quasi zeitgleich kam Sandro um die Ecke und meinte: „Ey Peter, wir müssen unbedingt ’ne zwei-Mann-Band machen!“

Zu dem Zeitpunkt war ich dazu aber noch nicht bereit für so eine Besetzung. Also haben wir „The Fitches“ gegründet, bis auch das Projekt auseinander ging. Danach war ich mir auf der Gitarre so sicher, dass ich mir ein Duo zugetraut hab. Also Sandro hat am Ende bekommen, was er wollte (lacht).

Konzertfreie Pandemiezeiten werden mit Videodrehs überbrückt – Livestreams sollen folgen

Nordstadtblogger: Aber wer spielt denn bei Euch den Bass, wenn ihr Konzerte gebt?

Peter: Da haue ich ’nen Oktaver Effekt rein und spiele einfach öfters die Bassseite auf der Gitarre.

Nordstadtblogger: Wie habt Ihr Euer Release und vor allem die Promo für Euer Album geplant? Aktuell fallen ja Konzerte weg, sodass Ihr gar nicht wirklich präsent sein könnt.

Sandro: Die meisten Songs waren schon geschrieben und wir haben das Album im Sommer 2020 aufgenommen. Als es fertig war und wir Ende des Jahres unsere EP rausgebracht haben wurden wir im Dezember zu Arne, dem Betreiber des Labels Noisolution, vermittelt.

Da ging alles Schlag auf Schlag und obwohl es ruhig ist, wollten wir ein Album raushauen. Wir warten einfach darauf, dass wir vielleicht im Sommer wieder Konzerte geben können. Bis dahin produzieren wir schon mal Videos. Livestreams sind auch schon in Planung.

Facebook Dislikes: „Wenn Idioten Dich scheiße finden, ist das immer gut.“

Nordstadtblogger: Ihr thematisiert in Euren Songs viele zwischenmenschliche Situationen wie bspw. in Eurem Song „Old Love“ oder „Worn-Out“: Wer in Eurem neuen Album „Hilleboom“ ist der Impulsgeber der Texte und wie entstehen die Themen in Euren Songs?

Screenshot aus dem „Youme“-Video.

Sandro: Die Themen, die passieren einfach. Wir künsteln auch nicht, was die Lyrics angeht. Entweder bringt Peter oder ich einen fertigen Text mit. Manchmal hat Peter eine Melodie oder Textzeile um die wir drumherum bauen. 

Peter: Außerdem kennen wir uns seit 20 Jahren und haben fast alle Erfahrungen im Leben zusammen gemacht. Wir sprechen offen über unsere Gefühle und jeder kann den anderen sehr schnell nachempfinden. Da wird aus den Erfahrungen unserer zwei Leben ein einzelner Text.

Sandro: Auf Teufel komm raus cool sein, das möchte ich ab und zu, aber das gelingt uns einfach nicht (lacht). Ich glaube, das merkt man in unseren Texten, dass es uns nicht darum geht, ein cooler Rockstar zu sein. Wir mögen es, zu provozieren wie in unserem Video von „Youme“ (siehe Anhang des Artikels), wo wir in Unterhose und Shirt wie Kinder spielen und einfach Spaß miteinander haben. Da ist das Geschlecht ja völlig egal. 

Peter: Lustig ist, dass wir aus Ländern wie Russland und Polen sehr viele Dislikes bekommen haben (Lacht). Wenn Idioten Dich scheiße finden, ist das immer gut. 

Zukunftsmusik: So geht es weiter mit dem Grunge-Duett aus Dortmund

Nordstadtblogger: Wo soll es mit „The Pighound“ hingehen?

Sandro: Na ja, alles kann, nichts muss. Wenn wir unsere Konzerte spielen können und nebenbei nur ein bisschen arbeiten müssen, um unser Leben zu finanzieren, dann reicht uns das schon. 

Peter: Wir haben uns nie gesagt, dass wir aufhören, sollten wir in fünf Jahren nicht die fetten Rockstars sein. 

Sandro: Die Betonung liegt auf fett (lacht). 

Peter: Genau! (Lacht). Wir machen den Scheiß, weil wir einfach Bock drauf haben. Und ehrlich gesagt, können wir auch gar nicht anders. Genau so war das mit dem Album. Wir mussten das Ding einfach auf die Beine stellen, trotz Corona.

Zwei Songs des neuen Albums sind bereits auf allen Musikstreaminganbietern zu finden. Wer einen guten Mix aus crunchiger Vintage Gitarre und Melancholie mag, wird den neuen Song „Milk and Honey“ mögen. „Love Yourself“ geht dagegen gut ins Knie und groovt wie Sau. Mit insgesamt 10 Songs plus Bonustrack kommt das Album „Hilleboom“ von „The Pighounds“ raus. Release ist am 23. April 2021 und man darf gespannt sein, denn die Musik, die man von den Schweinehunden kennt, macht Lust auf mehr.

 

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Weitere Informationen:

Wer mal in den Sound von „The Pighounds“ reinhören möchte, kann sich das Video zu „Youme“ vom Album „Hilleboom“anschauen. Sollte dieses an dieser Stelle nicht erscheinen, bitte einmal den Browser aktualisieren.

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