„nachtfrequenz“: Zum 22. Mal fand die NRW-weite Veranstaltung statt

Das war die Nacht der Jugendkultur in Dortmund

Teilnehmer:innen bei „Nordi by Night III“ – einem von vielen Angeboten der Nacht der Jugendkulturen. Foto von Daniel Ganzert

Fifa zocken, Graffiti sprühen oder lernen wie man rappt – All das konnten Kinder und Jugendliche an der „Nacht der Jugendkultur“, auch genannt „nachtfrequenz22“ ausprobieren. An verschiedenen Orten in Dortmund – und über 100 weiteren Städten – verteilt kostenlose Workshops statt, an denen sich junge Leute austoben konnten. Nordstadtblogger hat drei dieser Dortmunder Veranstaltungen besucht.

Die große Workshop Ansammlung am Dortmunder U – N8FRQNZ

Mirjam Gaffran Foto: Stadt Dortmund

Einige der Workshops gab sich am Dortmunder U. „N8FRQNZ“ (ausgesprochen nightfrequenz) heißt das Event. Von Illustration, Fotografie, Skaten und Upcycling bis zu Gaming gab es eine große Bandbreite an verschiedenen kulturellen Feldern, in den sich Jugendliche ausprobieren konnten.

Neben den Workshops fand auch noch ein Konzert mit verschiedenen Bands, Einzelkünstler:innen und Theater- als auch Impro-Performances statt. Eingeladen waren alle Jugendlichen ab 13 Jahren.

Das Projekt wurde von Mirjam Gaffran organisiert. Sie ist die Leiterin von „Uzwei“. So nennt sich die zweite Etage des Dortmunder U. Normalerweise veranstalten sie hier regelmäßig interaktive Ausstellungen, welche sich an Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 25 Jahren richten.

Christopher Bonk und Kimberly Tadday bei einer Verschnaufpause. ein Jahr lang wurde der Event vorbereitet. Foto: Oleg Goldshteyn für nordstadtblogger.de

Diese Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Dietrich-Keuning-Haus und dem Schauspielhaus Dortmund statt. Größtenteils arbeiteten an der Realisierung Jugendliche mit, die ihr freiwilliges soziales Jahr gemacht haben bzw. noch machen. Das Projekt von Jugendlichen für Jugendliche wurde seit einem Jahr geplant.

Eine ehemalige FSJlerin ist Kimberly Tadday. Sie hat letztes Jahr sie ihr freiwilliges soziales Jahr am Dietrich-Keuning-Haus abgeschlossen. Dieses Jahr arbeitet sie dort als Honorarkraft. Ihr und ihren Mitstreiter:innen war es wichtig. ein möglichst vielfältiges Angebot bieten zu können. „Kultur ist sehr weit gefächert. Ich finde es gut, dass man hier neben Kunst und Musik Skaten ausprobieren kann.“

Ein vielseitiges Programm bei der größten Veranstaltung in Dortmund

Ossein Oesterwind (Fotograph) und Leonardo Schimanski (Besucher) Oleg Goldshteyn | Nordstadtblogger

Einer der Stände beschäftigte sich mit Illustration. Er wurde geleitet von Christopher Bonk. Er befasst sich mit Comics und Illustration unterschiedlicher Art. „Die Leute können hier eigene Comics und kleine Büchlein machen.“ Dazu stellte er alle notwendigen Materialien zur Verfügung.

Neben den Comics war auch noch eine Button-Maschine vorhanden, mit der sich kleine Bilder in Anstecker verwandeln ließen. Bonk macht bereits seit einigen Monaten immer wieder Workshops: „Es macht mir einfach Spaß, mit Jugendlichen zu arbeiten.“

Ein weiteres Angebot am Dortmunder U war die Fotobox. Dort konnten sich Jugendliche unter der Anleitung des Photografen Ossein Oesterwind austoben. „Es geht vor allem darum Momente festzuhalten“, meint er. Er unterstützt die Leute und gibt ihnen Ratschläge für Posen, wenn sie diese brauchen. Am Ende des Workshops konnten die Besucher:innen ihre Fotos ausdrucken und mitnehmen. Vor allem an diesem Stand bildete sich schnell eine Schlange.

Dirk Mempel Foto: Oleg Goldshteyn von nordstadtblogger.de

„Zur Jugendkultur gehört auch geflegtes Gaming“, erzählt Dirk Mempel. Er kümmerte sich um das „Public Gaming“ Schließlich ginge es ja um die Jugendkultur und da gehört Gaming auf jeden Fall dazu. Zwar zocken die meisten alleine zu Hause.

Doch da fehlt Mempel die  soziale Komponente. Das rege Treiben an dem Stand sieht er als Erfolg an. Um das zu erreichen, war eine große Bandbreite von Games wichtig: „Wir wollten möglichst viele damit ansprechen.“ Vor allem ein interaktives Tanzspiel erweckte großes Interesse unter den Besucher:innen.

Eine Möglichkeit für lokale Künstler:innen ein Plattform zu erhalten

Neben den ganzen Workshops gab es auch noch eine Bühne mit unterschiedlichen Musiker:innenn, Schauspieler:innen und Improvisations-Künstler:innen. Während einige Künstler:innen, wie „die Ape“ oder „Finn & Jonas“ bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt haben, waren auch viele weniger bekannte Acts dabei. Dadurch wurde den lokalen Künstler:innen aus Dortmund eine Chance gegeben, sich einem größeren Publikum zu präsentieren

Joel-Joao, Nguele Jordan Nguele, Joie (Künstlername) & Maria Dinh Foto: Oleg Goldshteyn für nordstadtblogger.de

Drei davon sind zusammen auf die Veranstaltung gekommen. Joel-Joao spielt Gitarre und singt. Außerdem setzt einer eine Loopstation ein. Damit lassen sich Musikpartien aufnehmen und wiederholt abspielen, so dass eine Person mit der Zeit live einen vollen Song kreieren kann.

Er hatte seinen Bruder Jordan und auch zwei weitere Künstlerinnen mitgebracht. Joie (Künstlername) ist eine Sängerin, die ihre Musik den Genres RnB und Neosoul zuordnet. Sie macht schon länger Musik, nimmt aber erst sei rund einem Jahr professionell in einem Studio auf. Vierte im Bunde ist Maria Dinh – eine Cover-Sängerin und Gitarristin. Sie spielt bekannte Songs aus dem Pop-Bereich.

Auch die Besucher:innen scheinen zufrieden zu sein. Matti Stahlbaum, selbst ein FSJler, hat noch Freunde mitgebracht. Alle sind zufrieden: „Die Live-Musik ist super und die Leute sind sympathisch.“ Ihnen gefiel das sehr abwechslungsreiche Angebot – vor allem die Foto-Box hätten sie gerne in Anspruch genommen.

Zwei HipHop-Workshops zusammen: „Nachtfrequenz meets Kess“

Jennifer Hänke & Susanne Fifowski Foto: Oleg Goldshteyn für nordstadtblogger.de

Eine weitere Veranstaltung mit zwei Workshops fand in der Jugendfreizeitstätte Westerfilde statt. Das ist eine Jugendfreizeitstätte mit einem Programm für Menschen zwischen sechs bis 27 Jahren, erzählt Susanne Fifowski. Sie ist die stellvertretende Leitung in der Einrichtung.

„Wir machen jetzt zum dritten Mal bei der Nacht der Jugendkultur mit.“ Vor drei Jahren war die JFS vom Kulturbüro Dortmund angefragt worden – seit dem sind sie dabei. Abgesehen von den beiden HipHop-Workshops herrschte „normaler“ Betrieb zu späterer Stunde. Es wurde Tischtennis, Kicker und Fifa gespielt. Laut Fifowski kamen zwischen 30 bis 50 Kindern und Jugendlichen.

Abbas Erol, Maho, Anil Ucar & Thomas Bogott Foto: Oleg Goldshteyn für nordstadtblogger.de

Oben, auf der ersten Etage hat das JFS ein kleines Musikstudio. Neben dem Hauptraum, in welchem sich mit einem PC, Bildschirmen, Musikboxen und einem Tonsystem ausgestattet ist, gibt es noch einen kleinen Aufnahmeraum.

Er ist schalldicht und mit einem Mikrofon und Kopfhörern ausgestattet. Dort hatten Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, sich unter professioneller Aufsicht auszutoben. Thomas Bogott saß dabei am PC und sorgte dafür, dass die Technik lief. Er selbst sei ein Sozialarbeiter, der bereits seit 25 Jahren Musik machen würde: „Früher hatte ich selber gerappt und später produziert.“ Jetzt hilft er den Jugendlichen beim aufnehmen.

Susan Holland & Juri Schäffer Foto: Oleg Goldshteyn für nordstadtblogger.de

Der andere Workshop war ein Graffiti-Kurs. Dabei konnten die Beteiligten die Inneneinrichtung der Jugendfreizeitstätte bemalen und sprayen. Die Einrichtung statte sie dabei alle nötigen Materialien zur Verfügung.

Dabei schaute ihnen der Sozialarbeiter Juri Schäffer über die Schulter und machte auch selber mit. Genauso malte die Auszubildende Susan Holland an den Wändenund gaben Tipps für Gestaltung und Technik.

Mit Graffiti in der Nordstadt unterwegs – Nordi by Nightv III

Rilo (Künstlername) von Aufsuchende Arbeit Nordstadt Foto: Oleg Goldshteyn für nordstadtblogger.de

Das Angebot „Aufsuchende Arbeit Nordstadt“ unterscheidet sich vom Graffiti-Workshop in Westerfilde in der Hinsicht, dass es sich dabei um keine Einrichtung mit festem Sitz handelt, sondern um ein Team an Straßen-Sozialarbeiter:innen, erzählt Daniel Ganzert.

Das Team besteht aus zwei Hauptarbeiter:innen und zwei studentischen Hilfskräften. Um Kinder und Jugendliche zu erreichen, machen sie sie meist keine großen Veranstaltungen, sondern gehen auf die Straße und machen dort ihre Angebote. Meistens würde das die Leute von selbst anlocken – die Gruppe ist überall in der Nordstadt unterwegs. Sie wollen die Jugendlichen erreichen, die nicht in Jugendtreffs oder andere Beratungsangebote gehen.

Teilnehmer:innen bei „Nordi by Night III“. Foto von Daniel Ganzert

In der Nacht der Jugendkultur sind sie an drei Orten mit Graffiti-Angeboten dabei. Der Sinn sei es, sich sich mit den Kindern und Jugendlichen auszutauschen, während diese am Malen und Sprayen sind.

„Das ist der Beginn eines Vertrauensaufbaus, so dass man dann regelmäßiger was macht.“ Die Straßen-Sozialarbeiter:innen gehen vorurteilsfrei auf Kinder und Jugendliche zu und sind für sie da. Die jungen Leute würden sich meist darüber freuen, dass ihnen jemand zuhört.

„Graffiti ist ein Angebot, dass sehr sehr gut ankommt – von den kleinsten Kindern bis zu fast erwachsenen Jugendlichen.“ Allgemein sei die Besucher:innenschaft sehr gemischt. Es wären auch nicht nur Jungs, auch viele Mädchen kämen.

„Manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass es mehr Mädchen gibt, die interessiert sind als Jungs. Das Team der aufsuchenden Arbeit muss aber nicht immer Angebote wie Graffiti oder Fußball machen. Oft reicht es schon, wenn sie auf die Straße gehen und die Jugendlichen einfach so ansprechen. Auch das funktioniert.

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