Die Herausforderung: Wie Frauen nach Gewalt Anträge, Wohnung und Alltag stemmen müssen

600 Frauen suchten in einem Jahr Schutz in der Frauenübernachtungsstelle

Der Chor vor dem Goldenen Wunder in St. Petri
Für musikalische Begleitung der Veranstaltung sorgte der Migrantinnenverein Dortmund e. V..

Rund 130 Menschen haben sich bei einer Informations- und Gedenkveranstaltung der Dortmunder Frauenverbände mit Gewalt gegen Frauen, ihren Ursachen und Folgen befasst. Unter dem Motto „Dortmund sagt NEIN zu Gewalt gegen Frauen“ trafen sie sich in der St.-Petri-Kirche. Die Veranstaltung war auch der Auftakt der Dortmunder Aktivitäten rund um den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen im November.

Gewalt hat viele Gesichter: Keynote zu Mehrfachdiskriminierung

Die Berliner Volljuristin, Mediatorin und Antirassismus-Referentin Fabienne Mahwane eröffnete den inhaltlichen Teil mit einem Blick auf Gewalterfahrungen von Frauen im intersektionalen Zusammenhang. Frauen erlebten Gewalt nicht allein aufgrund ihres Geschlechts, zeigte sie. Weitere Merkmale wie Hautfarbe, sexuelle Identität, Herkunft oder soziale Zugehörigkeit könnten Diskriminierung und Gewalterfahrungen verstärken und verschränken. Kurze Unterbrechungen zum Ein- und Ausatmen gaben dem Publikum Raum zum Innehalten.

Ilda Kolenda leitet die Frauenübernachtungsstelle der Diakonie.

Ilda Kolenda, Leiterin der Frauenübernachtungsstelle der Diakonie Dortmund, schilderte die Lage wohnungsloser Frauen. Im vergangenen Jahr suchten nach ihren Angaben rund 600 Frauen mit etwa 100 Kindern Schutz in der Einrichtung. Mit einem sicheren Schlafplatz sei der Weg in ein selbstbestimmtes Leben aber nicht geschafft.

Danach müssten Anträge gestellt, eine dauerhafte Wohnung gefunden und oft ein Ortswechsel für die Frauen und ihre Kinder organisiert werden. Das geschehe unter schwierigen Bedingungen, denn viele der Frauen hätten massive Gewalt erlebt, seien traumatisiert und bräuchten Unterstützung.

Wie Gewalt nachwirkt: Vortrag zu Trauma und Posttraumatischer Belastungsstörung

Dr. Wibke Voigt, Leiterin der Tagesklinik der Diakonie Düsseldorf, erklärte in ihrem Vortrag, was eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ausmacht. Die Ursachen späterer Traumafolgen könnten häufig schon in belastenden Erfahrungen in der Kindheit liegen. Sie machte deutlich, wie lange Gewalt nachwirken kann und wie wichtig fachkundige Unterstützung ist, damit Betroffene Traumata überwinden können.

Eingerahmt wurde die Veranstaltung durch die Ausstellung von Bildern von Lavinia aus Rumänien.

Der Migrantinnenverein Dortmund e. V. gestaltete den Abschluss mit Trommeln und der Performance „Laut gegen das Schweigen – unsere Stimmen verbinden“. Die Veranstaltung wurde von einer Ausstellung der Bilder von Lavinia aus Rumänien begleitet.

Sie hat nach Angaben der Veranstalterinnen in der Malerei einen Weg gefunden, ihr Schweigen über erlittene Gewalt zu brechen. Die Ausstellung ist Ende November erneut in der Petrikirche zu sehen. Moderiert wurde der Abend von Barbara Wenzel, Maresa Feldmann und Christel Schürmann.

Veranstaltet haben den Abend die Dortmunder Frauenverbände gemeinsam mit der Petrikirche und dem Gleichstellungsbüro der Stadt Dortmund. Die Arbeitsgemeinschaft zog ein positives Fazit: Die Gäste hätten neue Perspektiven und Einblicke in die Lebensrealität gewaltbetroffener Frauen gewonnen. Ihr Appell: Gewalt dürfe nicht verschwiegen werden.

Wenn Sie Gewalt erleben: Hilfe gibt es rund um die Uhr

  • Frauen, die Gewalt erleben, finden Hilfe beim Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter der Nummer 116 016, kostenlos, anonym und rund um die Uhr.
  • In akuter Gefahr gilt der Notruf 110.
  • Mehr Informationen www. frauenverbaende-dortmund.de

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