Der Wohlfahrtsverband und seine Mitglieder haben den Stadtteil geprägt

Die AWO-Begegnungsstätte in Scharnhorst besteht seit 50 Jahren – der Saalbau seit 1949

Ein Gebäude, das mit Scharnhorst eng verbunden ist: der Saalbau, einst das AWO-Heim, und der kleinere Anbau, seit 50 Jahren die AWO-Begegnungsstätte.
Ein Gebäude, das mit Scharnhorst eng verbunden ist: der Saalbau, einst das AWO-Heim, und der kleinere Anbau, seit 50 Jahren die AWO-Begegnungsstätte. Foto: Susanne Schulte für nordstadtblogger.de

Von Susanne Schulte

Die AWO-Begegnungsstätte in Scharnhorst mit der Adresse Gerader Weg 1 wird 50 Jahre alt. Obwohl der Wohlfahrtsverband mit dem Ortsteil schon jahrzehntelang eng verbunden war, eröffnete der eigene feste Treffpunkt, damals Altenstube genannt, erst am 1. September 1972 seine Tür für alle Gäste ab 60 Jahren. Dass dieses möglich war, lag an den AWO-Mitgliedern, die selbst anpackten, um die Kosten für die Renovierung der Räume so niedrig wie möglich zu halten. „Für den Umbau waren 20000 DM erforderlich. Das überstieg die Kasse der Scharnhorster AWO. So faßten rüstige Besucher, die früher selbst einmal in diesem Fach gearbeitet hatten, kräftig mit an“, heißt es dazu in dem Buch „Scharnhorst – Gestern und Heute“, das der Geschichtskreis Scharnhorst 1998 herausbrachte.

Dieter Reksztat leitete 30 Jahre den Ortsverein 

Als das Buch erschien, war Dieter Reksztat seit zehn Jahren der Ortsvereinsvorsitzende und sollte das für weitere 20 Jahre bleiben. Zusammen mit seiner Frau Bärbel Reksztat kümmerte er sich ums Programm.

Die Umbaugenehmigung kam im Mai 1972 und keine vier Monate später feierte der Ortsverein die Einweihung der Begegnungsstätte.
Die Umbaugenehmigung kam im Mai 1972 und keine vier Monate später feierte der Ortsverein die Einweihung der Begegnungsstätte. Foto: Susanne Schulte für nordstadtblogger.de

Fünf Mal in der Woche trafen sich die Besucher:innen zum Klönen beim Kaffee, hörten Vorträge, schwangen das Tanzbein zur Live-Musik, sangen gemeinsam und begeistert, freuten sich auf den nächsten Ausflug und das nächste Haxenessen. „Das war immer am beliebtesten“, sagt Bärbel Reksztat, die Begegnungsstätte leitete. „Da reden die heute noch drüber.“ 

Da die Räume in der Begegnungsstätte nicht sehr groß sind, wurde nach 50 Anmeldungen die Gästeliste geschlossen. Mehr passten beim besten Willen und Stühlerücken nicht an die Tische. Für die regelmäßigen Ausflüge konnte man das Sitzplatzangebot erweitern: Es wurden zwei Busse gebucht.

Für größere Veranstaltungen wie Jubiläumsfeiern und Musiknachmittage wich man in den Saalbau aus. Der grenzt an die Begegnungsstätte und wurde 1949 eingeweiht – dank des Einsatzes des AWO-Ortsvereins, der Falken und der SPD in Scharnhorst.

AWO, Falken und SPD sorgten für den Bau von Jugendheim und Kindergarten

Diese ganze Geschichte auf Papier – die der beiden Gebäude und die der AWO in Scharnhorst – lagert wohlgeordnet in Ordnern und Dokumentenkisten in Reksztats Keller. Bestellzettel und Lieferscheine zum Bau des AWO-Heims – so hieß der Saalbau damals, amtliche Schreiben und Rechnungen sind dort zu finden.

Mit diesem Geschenk gratulierte die SPD vor zehn Jahren dem Ortsverein zum 40jährigen Bestehen der Begegnungsstätte.
Mit diesem Geschenk gratulierte die SPD vor zehn Jahren dem Ortsverein zum 40jährigen Bestehen der Begegnungsstätte. Foto: Susanne Schulte für nordstadtblogger.de

So auch der Brief vom 31. Mai 1948, in dem die Scharnhorster AWO-Ortsgruppenleiterin Elli Kutz zusammen mit Jugendsekretär Wick von den Falken und Ortsgruppenleiter Polzin von der SPD „An den Bezirksvorstand der Arbeiter-Wohlfahrt Bezirk Westliches Westfalen“ schreibt, die drei Ortsgruppen „beabsichtigen den Bau eines Kindergartens, Jugendheims durchzuführen. Der Bau soll in Gemeinschaftshilfe fertiggestellt werden. Die Baustoffe sind zum größten Teil vorhanden, sodaß die Garantie zur Fertigstellung des Bauvorhabens gegeben ist.“

Das Grundstück war am Geraden Weg. Kutz, Wick und Polzin hatten bereits vorgearbeitet. „Das Bauvorhaben ist vom Sozialministerium Düsseldorf genehmigt. Der Förderungsbescheid ist aus den beiliegenden Anträgen ersichtlich“, erfuhr der Bezirksvorstand aus dem Brief. Vom AWO-Bezirk wollten die drei engagierten Scharnhorster:innen einen finanziellen Zuschuss, den es auch gab.

In Rekordzeit waren die Arbeiten beendet: 1949 war die Einweihung

Dieter und Bärbel Reksztat sind der AWO seit Jahrzehnten eng verbunden, leiteten Ortsverein und Begegnungsstätte und hüten heute das Archiv.
Dieter und Bärbel Reksztat sind der AWO seit Jahrzehnten eng verbunden, leiteten Ortsverein und Begegnungsstätte und hüten heute das Archiv. Foto: Susanne Schulte für nordstadtblogger.de

Die Arbeiten gingen in Rekordzeit vonstatten. Am 11. Dezember 1948 feierte man bereits das Richtfest, die erste gemeinsame Weihnachtsfeier der drei Ortsgruppen ein Jahr später, am 18. Dezember in dem Neubau. Einige Monate vorher hatte in diesem AWO-Heim der Kindergarten seinen Betrieb aufgenommen.

Die AWO eröffnete kurz darauf eine Nähstube in dem Haus, die bis 1972 bestand. Der erste AWO-Treffpunkt speziell für Senior:innen entstand jedoch viel später und war an anderer Adresse, an der Straße Am Bellwinkelhof im IGBE-Heim. Einmal in der Woche kamen dort die Männer und Frauen seit dem 5. Dezember 1969 zusammen.

Mittlerweile hatte das AWO-Heim, das später von der Stadt übernommen wurde und städtischer Saalbau hieß, einen kleinen Anbau erhalten. Darin waren diverse Ämter und Behörden untergebracht. Zuletzt die Polizei. Als diese dann, wie vorher schon die Verwaltung, an die Gleiwitzstraße umzog – die Siedlung Scharnhorst-Ost war im Werden – übernahm die AWO die Räume. Die Genehmigung für den Umbau erhielt der Ortsverein am 17. Mai 1972 vom Bauordnungsamt der Stadt Dortmund – dieses Schreiben findet sich ebenfalls in den Ordnern von Reksztats –, die Einweihung der renovierten Räume war am 1. September.

Bei der Einweihung der 15. Altenstube war Erna David der Ehrengast 

Festlich gekleidet zu diesem Anlass kamen die Gäste, unter ihnen auch Erna David, laut Zeitungsbericht damals beim AWO-Kreisverband Dortmund die Vorsitzende des Ausschusses für Altenhilfe. Davon zeugt ein Foto mit Bildtext, das ebenfalls in dem umfangreichen Archiv zu sehen ist, das Dieter Reksztat bewahrt.

Auch die Zeitung berichtete über die Einweihung der 15. AWO-Altenstube.
Auch die Zeitung berichtete über die Einweihung der 15. AWO-Altenstube. Foto: Susanne Schulte für nordstadtblogger.de

„AWO eröffnete 15. Altenstube“, so die Überschrift. Erna David habe betont, so steht in der Bildunterschrift, „dass es bei der Altenfürsorge nicht nur darauf ankomme, die alten Mitbürger zu beschäftigen.“ Und dann wird sie zitiert mit den Worten: „Der persönliche Kontakt, das Gespräch untereinander ist eine der wichtigsten Aufgaben der Altenbegegnungsstätten.“

Das gilt damals wie heute. Auch wenn die Altenstube aus dem Sprachgebrauch der AWO verschwunden ist, alle Generationen an den Angeboten teilnehmen können und sollen, nicht nur die jenseits der 60 Jahre.

In der Begegnungsstätte Gerader Weg treffen sich jeden Montag (außer feiertags) um 14 Uhr die Gäste zum Kaffeetrinken und zum Spielen – alle sind willkommen, jeden dritten Sonntag im Montag öffnet um 15 Uhr das Sonntagscafé, Vereine und Parteien diskutieren in den Räume während ihrer Vorstandssitzungen ein. Im Herbst und Winter des vergangenen Jahres malten dort die Frauen aus dem Hobbyclub Bildende Kunst ‘74, und der Schachklub fand hier ebenfalls eine vorübergehende Unterkunft, bis die städtische Begegnungsstätte wieder geöffnet war.

Beim nächsten Sonntagscafé am 16. Oktober, wird das Jubiläum das Thema sein. Die Besucher:innen können mit Überraschungen rechnen. Wie immer empfängt das Team der ehrenamtlich tätigen Frauen die Gäste um 15 Uhr. Eine Anmeldung ist – wie immer – nicht erforderlich. So sollen auch Kurzentschlossene einen angenehmen Nachmittag am Geraden Weg verbringen. Und wer weiß: Womöglich liegt das ein oder andere Album aus, in dem Fotos mehr über die 50jährige Geschichte der Begegnungsstätte erzählen als Worte.

Unterstütze uns auf Steady
Print Friendly, PDF & Email

Reaktionen

  1. Sonntagscafé zum Jubiläum der AWO-Begegnungsstätte (PM)

    Zum nächsten Sonntagscafé in der AWO-Begegnungsstätte Scharnhorst, Gerader Weg 1, wird für den 16. Oktober um 15 Uhr eingeladen. Da dieser Treffpunkt unter diesem Namen seit 50 Jahren besteht, soll dieses Jubiläum auch Gesprächsthema sein. Wie immer gibt es Kaffee und selbstgebackenen Kuchen, von dem Team der Ehrenamtlichen serviert. Die schenken an diesem Tag auch Sekt an die Gäste aus. Vormittags bereits wird während einer kleinen, internen Feierstunde an die Bedeutung der AWO für Scharnhorst erinnert.

  2. Sonntagscafé in der AWO-Begegnungsstätte (PM)

    Auf viele Gäste im nächsten Sonntagscafé am 20. November freut sich das ehrenamtliche Team, das in der AWO-Begegnungsstätte wieder alles bestens vorbereitet. Um 15 Uhr steht die Tür offen und die Besucher*innen sollen kommen. Wer wegen Veranstaltungen zum Totensonntag erst einiges später kommen kann, muss sich nicht sorgen: Kuchen ist genug da. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Adresse der Begegnungsstätte ist Gerader Weg 1.

Reaktion schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Google Analytics - Nein Danke! Wir verwenden keine „Datenkraken“! Weitere Infos

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen