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Das Ende der Heinrich-Feldhoff-Stiftung in der Nordstadt: Vor fünf Jahren endete der Niedergang eines Millionenerbes

Deutscher Hof, Ecke Arnold- MallinckrodtstraßeDer Deutscher Hof, Ecke Arnold- Mallinckrodtstraße, heute.

Der Deutscher Hof in der Nordstadt, Ecke Arnold- Mallinckrodtstraße, heute.

Helmut Lierhaus, der ehemalige Pressesprecher des Mietervereins Dortmund,  erinnert mit einem Beitrag im Online-Lexikon Wikipedia an die Bauherrenfamilie Feldhoff und die in der Nordstadt beheimateten Heinrich-Feldhoff-Stiftung. Auf den Tag genau heute vor fünf Jahren wurde die Stiftung formal abgewickelt. Lierhaus dokumentiert den langsamen Niedergang eines millionenschweren Erbes.

Stadtbildprägendes Bauensemble: Bauherrenfamilie Feldhoff errichtete 16 Mehrfamilienhäuser 

Die goldfarbenen Schriftzüge am ehemaligen Hotel und Restaurant „Deutscher Hof“ lassen sogar noch etwas vom Glanz der 1920er Jahre, in denen die meisten Häuser gebaut wurden, erahnen.

Die goldfarbenen Schriftzüge am  „Deutscher Hof“ lassen noch etwas vom Glanz der 1920er Jahre erahnen.

In drei Generationen errichtete die Bauherrenfamilie Feldhoff 16 Mehrfamilienhäuser mit bis zu drei Hauseingängen an und nahe der Mallinckrodtstraße im Hafenquartier.

Die hohen, markant gegliederten Eckhäuser an der Evert-, Arnold- und Schützenstraße prägen das Straßenbild. Zur architektonischen Handschrift gehören aus Steinquadern gemauerte Sockelgeschosse mit Rundbögen über den Fenstern.

Die goldfarbenen Schriftzüge am ehemaligen Hotel und Restaurant „Deutscher Hof“ lassen sogar noch etwas vom Glanz der 1920er Jahre, in denen die meisten Häuser gebaut wurden, erahnen.

Bescheidene Familie – letzter Nachkomme starb 1975

Die Familie selbst lebte bescheiden und zurückgezogen auch dann noch in ihrem Haus Mallinckrodtstr. 274, als durch Kriegseinwirkung nur noch das Erdgeschoss stand.

Der letzte Nachkomme, der Bauingenieur Heinrich Wilhelm Feldhoff, starb 1975 kinderlos und hatte in seinem Testament verfügt, dass das gesamte Familienvermögen in eine gemeinnützige Stiftung überführt wird. Als Ausdruck der engen Bindung der Familie an die katholische Kirchengemeinde St. Aposteln gehörte zur Verfügung auch, dass deren Pfarrer auch Vorsitzender des Stiftungskuratoriums war.

Stiftung baute in der Nordstadt Sozialwohnungen für Alte und Behinderte

Der Deutscher Hof in der Nordstadt war vor dem 2. Weltkrieg eine der führenden Adressen in Dortmund.

Der Deutscher Hof in der Nordstadt war vor dem 2. Weltkrieg eine der führenden Adressen in Dortmund.

Die Stiftung baute 1994 auf ihrem Grundstück Clemens-Veltum-Str. 75/77/79/81 Sozialwohnungen für Alte und Behinderte. Als 1996 auf dem zur Mallinckrodtstraße gelegenen Teil dieses Grundstücks eine Immobiliengesellschaft des damaligen CDU-Ratsherrn Hans Georg Hovermann in Erbpacht ebenfalls Sozialwohnungen errichtete, entstand ein wohnlicher Innenhof mit Tiefgarage.

Von 1976 bis 1999 schüttete die Stiftung aus ihren Mieteinnahmen über 1,5 Millionen DM an die Dortmunder Wohlfahrtsverbände und mehrere gemeinnützige Vereine aus, bevor die Zuwendungen versiegten.

Immobilien wurden heruntergewirtschaftet

Die Wohnhäuser waren mangels Investitionen heruntergewirtschaftet und standen weitgehend leer. Die Stiftung war verschuldet.

Die Gläubigerbanken setzten 2004 einen neuen Stiftungsvorstand durch und beauftragten eine Gesellschaft von Hans Georg Hovermann mit der Verwaltung, obwohl dieser 2003 selbst mit Immobilienunternehmen in Insolvenz gegangen war. In einer Artikelserie „Ein Erbe verfällt“ listete die die Westfälischen Rundschau 2007/2008 minutiös die Versäumnisse von Stiftungsvorstand, Kirchen- und Verbandsvorständen sowie der staatlichen Stiftungsaufsicht auf.

Feldhoff-Immobilien machten als Nazi-Treffpunkt und „Ekelhäuser“ negative Schlagzeilen

Eine Artikel-Serie der WR dokumentierte den Niedergang. (Repro)

Die Artikel-Serie „Ein Erbe verfällt“ der WR dokumentierte den Niedergang. (Repro)

Zuletzt machten Feldhoff-Immobilien als Nazi-Treffpunkt und „Ekelhäuser“ negative Schlagzeilen. In den Jahren 2007 und 2008 wurden alle Häuser verkauft. Am 21. Oktober 2009 stimmte die Stiftungsaufsicht bei der Bezirksregierung Arnsberg dem Auflösungsbeschluss des Stiftungskuratoriums zu.

Mit den Feldhoff-Mietern musste auch Helmut Lierhaus, bis zum Beginn der Ruhephase seiner Altersteilzeit 2011 Pressesprecher im Mieterverein Dortmund, erleben, dass der Niedergang der Stiftung, die sich sozialen Mieten verschrieben hatte, nicht aufzuhalten war.

Er setzte sich bei der Bezirksvertretung vergeblich für eine Feldhoff-Straße oder eine Gedenktafel ein.

Lierhaus erinnert auf Wikipedia an die Heinrich-Feldhoff-Stiftung

Nach seinem Umzug aus der Nordstadt in den Berliner Wedding entdeckte er die Internet-Enzyklopädie Wikipedia als Möglichkeit, die Erinnerung an die Heinrich-Feldhoff-Stiftung wach zu halten. Unter http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich-Feldhoff-Stiftung sind auch alle Häuser der Stiftung aufgelistet.

„Ich weiß, dass die neuen Eigentümer einen Teil der Häuser bereits aufwändig saniert haben“, kommentiert Helmut Lierhaus. „Eine Bindung an die Häuser, wie sie die Familie Feldhoff hatte, wird es aber wohl nicht mehr geben.“

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