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Bundesweite Proteste an Krankenhäusern: „Es wird bis zu 20 Prozent mehr Personal benötigt, als bisher vorhanden ist“

Eine symbolische Protestaktion fand am Klinikum Mitte statt. Fotos: Alex Völkel

Eine symbolische Protestaktion fand am Klinikum Mitte statt. Fotos: Alex Völkel

Von Hannes Czech

Bundesweite Protestaktionen der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di an Krankenhäusern am Montag (12. April 2021) für bedarfsgerechte Personalvorgaben: Auch am Städtischen Klinikum Dortmund-Mitte trafen sich Beschäftigte und Gewerkschafter*innen zu einer symbolischen und Corona-konformen Protestaktion. Anlass war die zeitgleich stattfindende Bundestagsanhörung zum „Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung“. Die Beschäftigten der Kliniken kritisieren, dass im aktuellen Gesetzesentwurf erneut keine bedarfsgerechte Personalbemessung auf den Weg gebracht wird.

Die deutschen Personalschlüssel sind schlechter als in den Nachbarländern

Seit Jahren mache man auf das Problem aufmerksam, aber bis auf leere Versprechungen komme in den Kliniken nichts an. Immer wieder habe Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zugesagt, für Entlastung zu sorgen. ___STEADY_PAYWALL___

„Unsere Kolleg*innen in den deutschen Krankenhäusern versorgen mehr Patient*innen als es in unseren Nachbarländern der Fall ist“, berichtet Matthäus Atzert, Gesundheits- und Krankenpfleger sowie Betriebsrat in Dortmund.

Im Rahmen der „Konzertierten Aktion Pflege“ wurden die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der deutsche Pflegerat und ver.di damit beauftragt, ein Instrument zur Personalbemessung zu erarbeiten. Seit über einem Jahr liege das so genannte „PPR 2.0“ vor. Doch passiert sei damit nichts.

Den Beschäftigten in der Pflege reißt der Geduldsfaden – sie fordern die Politik zum Handeln auf

„Die Geduld der Pflegekräfte ist längst aufgebraucht. Sie haben es satt, sich immer wieder vertrösten zu lassen“, betont ver.di-Gewerkschaftssekretär Marc Kappler. Man habe in den Krankenhäusern nicht nur das Problem, Fachkräfte zu finden, sondern auch damit zu kämpfen, dass sich diese nach der Ausbildung oder einigen Jahren im Beruf beruflich neu orientierten. Das sei dem enormen Druck geschuldet, betonen Beschäftigte wie Gewerkschafter*innen unisono.

Der Zeitdruck und die zu hohe Patient*innenanzahl pro Pflegekraft sorge dafür, dass das Personal den Beruf nicht sorgsam ausüben könne und die Angestellten ihren eigenen Ansprüchen nicht gerechnet werden könnten.

Die Lösung liegt auf dem Tisch: „Es wird bis zu 20 Prozent mehr Personal benötigt als jetzt vorhanden ist“, so Marc Kappler. Für das Klinikum Dortmund bedeutet das, dass sie bis zu 920 Mitarbeiter*innen mehr benötigen, um den Anforderungen gerecht zu werden.

Es fehlt nicht nur an Pflegekräften, sondern auch an Personal für die Infrastruktur

Krankenhäuser bestehen nicht nur aus Ärzt*innen und Pflegepersonal, sondern aus vielen weiteren Berufen, die für die Infrastruktur der Häuser wichtig sind. So nahm Marc Kappler als Beispiel die Wäscherei und fügt an: „Durch die Finanzierung über die Fallpauschalen ist die Gefahr da, dass Krankenhauspersonal gekürzt wird, was nicht zum Pflegepersonal gehört“.

Auch dieses Personal sei in Krankenhäusern an der Personaluntergrenze orientiert. Schon das sei ein Konstruktionsfehler, der schon vor Corona problematisch gewesen sei. Daher umfassen auch diese Bereiche die Forderung nach 20 Prozent mehr Gehalt. Insgesamt müsse die Regierung es sofort schaffen, die Jobs in Krankenhäusern attraktiver zu machen, damit das bestehende Personal nicht kündige und dadurch die Arbeitsbedingungen und damit auch die Attraktivität der Arbeit in der Pflege noch weiter sinke.

Das Klatschen von der Bevölkerung für die Pflegekräfte sei zwar positiv wahrgenommen worden – doch von den Politiker*innen erwarte man mehr als einfachen Beifall. Sie müssten handeln und ihren Beitrag dazu leisten, die Arbeit in Krankenhäusern wieder attraktiver zu machen. Dazu brauche es mehr Personal und nicht etwa Stellenstreichungen und Krankenhausschließungen.

 

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