Zehn Talentscouts strecken an 44 Schulen ihre Fühler aus

Bildungsgerechtigkeit durch Talentscouting: Erfolgsgeschichten der Dortmunder Hochschulen

Nozhdar Ali Hasan, Talent der Fachhochschule Dortmund, mit Talentscout Eva Wieber. Hasan kam erst vor sieben Jahren aus dem Irak nach Deutschland und studiert bereits im vierten Semester Architektur. Foto: Mike Henning für die FH Dortmund

Seit rund sieben Jahren sind die Talentscouts der Technischen Universität (TU) Dortmund und der Fachhochschule (FH) Dortmund im Einsatz: Sie finden junge Talente in den Schulen, betreuen und begleiten sie auf dem Weg ins Studium oder in eine Berufsausbildung und darüber hinaus. Eine aktuelle Studie bescheinigt dem Talentscouting nun den Erfolg: Die Bildungsgerechtigkeit im Hochschulzugang konnte durch das Programm um bis zu 70 Prozent verbessert werden, der Aufstieg durch Bildung wurde deutlich erleichtert.

Bisher konnten rund 4.500 Schüler:innen vom Scouting profitieren

Die zehn Talentscouts der TU und FH Dortmund sind aktuell an insgesamt 44 weiterführenden Schulen unterwegs, vorwiegend in Dortmund und im Kreis Unna. Derzeit begleiten sie rund 1.500 Talente auf ihrem Weg in die Zukunft.

In den vergangenen Jahren haben fast 4.500 Schüler:innen von der Unterstützung profitiert. Die Scouts beraten ihre Talente individuell und ergebnisoffen, wie die Zeit nach dem Schulabschluss gestaltet werden kann. Das Programm richtet sich vor allem an Jugendliche, die aus einem Umfeld kommen, das bei der Studien- und Berufswahl nicht immer optimal unterstützen kann.

Das Talentscouting endet jedoch nicht mit dem Schulabschluss. Wenn sich Talente für ein Studium entschieden haben, helfen die Scouts auch beim Start ins Studium und beraten zu Stipendien. Inzwischen konnten schon knapp 150 Talente Stipendien erhalten.

Talente starten im Studium erfolgreich durch

Eines dieser Talente ist Sophia Strobel (23): Sie studiert mittlerweile im fünften Semester Rehabilitationspädagogik an der TU Dortmund und wird mit einem Deutschlandstipendium gefördert. Seit der elften Klasse begleitet das TU-Talentscouting sie auf ihrem Weg – auch beim Start ins Studium, der mitunter holprig sein kann.

„Mein Talentscout war in dieser Zeit wie ein Anker, der mir Sicherheit gegeben hat. Diese Unterstützung hat eine wichtige Rolle gespielt, dass ich mein Studium erfolgreich starten und fortsetzen konnte“, sagt Sophia Strobel.

„Wenn ich Fragen im Studium habe, ist es super zu wissen, dass die Scouts immer ansprechbar sind. Außerdem kann ich an zahlreichen Workshops oder Netzwerktreffen teilnehmen.“ Inzwischen engagiert sich die Studentin selbst als TU-Guide für Schüler:innen, während der Dortmunder Hochschultage hat sie zuletzt eine Campusführung angeboten.

Nozhdar Ali Hasan (24) kam erst vor sieben Jahren aus dem Irak nach Deutschland

Ein weiteres tolles Beispiel ist Nozhdar Ali Hasan (24). Er studiert im vierten Semester Architektur an der Fachhochschule Dortmund. Ein weiter Weg liegt hinter ihm, vor sieben Jahren kam er als junger Mann aus seiner Heimat Irak nach Deutschland.

„Mein Ziel war von Anfang an, Architektur zu studieren. Am Fritz-Henßler-Berufskolleg bin ich auf das Talentscouting aufmerksam geworden. Ich hatte keine Vorstellung davon, wie ein Studium aufgebaut ist, wie der Studienalltag abläuft – alles das hat mir mein Talentscout nähergebracht“, blickt Nozhdar Ali Hasan zurück.

Sehr hilfreich und inspirierend war für ihn auch ein Schnuppertag am Fachbereich Architektur, ebenfalls von den Talentscouts der Fachhochschule vermittelt: „Wir haben praktische Aufgaben bearbeitet. Tatsächlich ist mir alles davon in meinem Studium erneut begegnet, natürlich im größeren Maßstab“, berichtet er. Nozhdar Ali Hasan fühlt sich angekommen und möchte seinen Weg an der Fachhochschule im Masterstudiengang weitergehen.

Studie belegt: Talentscouting schafft mehr Bildungsgerechtigkeit

Das Talentscouting wird in NRW an 17 Hochschulstandorten umgesetzt. Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft fördert das Programm mit rund 6,4 Millionen Euro pro Jahr. Kürzlich wurde seine Wirkung mit der Studie „Zukunfts- und Berufspläne nach dem Abitur“ vom Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin und der Universität zu Köln untersucht.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Studienaufnahmequote von Schüler:innen ohne akademischen Hintergrund durch das Programm im Vergleich zur Kontrollgruppe um bis zu 70 Prozent erhöht wurde. Demnach leistet das Talentscouting einen wichtigen Beitrag dazu, Ungleichheiten im Bildungsverlauf abzubauen.

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Reaktionen

  1. Talk über Bildungsgerechtigkeit: FH Dortmund begrüßt den Soziologen Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani (PM)

    Wer: Fachhochschule Dortmund
    Was: Vortrag mit Podiumsdiskussion
    Wann: Montag, 25. April 2022, 15.30 bis etwa 17 Uhr
    Wo: Hörsaal A101, Sonnenstraße 96, 44139 Dortmund

    In der Vortragsreihe „Talk im U“ der Fachhochschule Dortmund geht es am Montag, 25. April 2022, um Klassismus und die Bildungsgerechtigkeit in Deutschland. Zu Besuch ist der Soziologe und Bestseller-Autor Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani.

    Von 100 Grundschulkindern, deren Eltern beide studiert haben, besuchen 74 eine Hochschule. Bei 100 Kindern aus nicht-akademischen Haushalten gelangen nur 21 an die Hochschulen. Woran das liegt und wie sich das ändern lassen könnte, erläutert Aladin El-Mafaalani zunächst in einem Vortrag. Direkt danach folgt eine Podiumsdiskussion mit weiteren Gästen. Die Moderation übernimmt Erkan Arikan, Leiter der Türkisch-Redaktion der Deutschen Welle.

    Der Talk ist aus organisatorischen Gründen dieses Mal nicht im Dortmunder U, sondern im geräumigen Hörsaal A101 an der Sonnenstraße. Das Programm beginnt um 15.30 Uhr und endet gegen 17 Uhr. Im gesamten FH-Gebäude sowie während der Veranstaltung gilt die Maskenpflicht (OP- oder FFP2-Maske).

    Wer beim „Talk im U“ nicht dabei sein kann, bekommt in den Tagen danach noch Gelegenheit, auf der Website der FH Dortmund einen Mitschnitt abzurufen.

    Weitere Informationen:
    http://www.fh-dortmund.de/talk-im-u

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