
Wer entscheidet darüber, welche Geschichten auf die Bühne kommen und welche Perspektiven in Kulturinstitutionen sichtbar werden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Projekt „Nordstadt Community Kuration 2026“ am Theater im Depot in Kooperation mit Train of Hope e.V. Bewohner:innen der Dortmunder Nordstadt erforschen dabei die Kulturlandschaft der Region und sollen selbst zu Kurator:innen eines zukünftigen Kulturprogramms werden. Die ersten Ergebnisse des Prozesses werden bereits im Juli öffentlich vorgestellt.
Forschungsgruppe untersucht kulturelle Teilhabe in der Nordstadt
Seit Anfang Juni erkunden Jugendliche, Mütter und weitere Bewohner:innen der Dortmunder Nordstadt gemeinsam mit der Dortmunder Autorin, Regisseurin und Prozesskuratorin Ayşe Kalmaz die Kulturlandschaft der Region. Das Modellprojekt „Nordstadt Community Kuration 2026“ wird vom Theater im Depot in Kooperation mit Train of Hope e.V. durchgeführt.
Ziel des Projekts ist es, Menschen, die bislang selten an Kulturprogrammen beteiligt werden, aktiv in die Gestaltung künftiger kultureller Angebote einzubeziehen. Sie sollen selbst die Rolle von Kurator:innen übernehmen und ihre Perspektiven in die Programmgestaltung einbringen.
Bereits in den ersten Projekttagen setzte sich die Forschungsgruppe intensiv mit ihrem Stadtteil auseinander. In Gruppenarbeiten, Gesprächen und Straßeninterviews befragten die Teilnehmenden Menschen unterschiedlichen Alters dazu, wie sie die Nordstadt wahrnehmen, welche Herausforderungen sie erleben und welche kulturellen Angebote sie sich wünschen.
Wünsche und Hürden wurden sichtbar
Eine erste Erkenntnis des Forschungsprozesses ist der Wunsch vieler Bewohner:innen nach Kulturangeboten, die stärker an ihren eigenen Lebensrealitäten anknüpfen. Gleichzeitig wurden verschiedene Hindernisse benannt, die den Zugang zu kulturellen Angeboten erschweren.

Zu den häufig genannten Hürden zählen Eintrittspreise, fehlende Informationen über Angebote sowie die Wahrnehmung, dass eigene Geschichten und Erfahrungen in Kulturinstitutionen kaum vorkommen. Diese Aspekte sollen im weiteren Verlauf des Projekts näher untersucht werden.
Anfang Juni besuchte die Gruppe das Familienfest des Kinder- und Jugendtheaters Dortmund. Dort sahen die Teilnehmenden die Tanztheaterproduktion „I Need A Hero“ von Camilla Pölzer und diskutierten anschließend unter anderem darüber, wie es sich anfühlt, Kulturinstitutionen zu besuchen, wenn man als migrantisch gelesene Person kaum Menschen mit ähnlichen Lebensrealitäten im Publikum wahrnimmt.
Begegnungen mit Kulturakteur:innen geplant
In den kommenden Wochen stehen zahlreiche Besuche bei Künstler:innen, Kulturinstitutionen und Kulturverantwortlichen auf dem Programm. Zunächst trifft sich die Gruppe im Kunstmuseum Bochum mit der Autorin und Künstlerin Lütfiye Güzel um sich mit ihrem künstlerischen Schaffen und ihrem Film „Pflanzliche Randale“ auseinanderzusetzen.

Weitere Stationen sind unter anderem die Produktion „MUTTER“ im Theater Oberhausen, inklusive einem Gespräch mit Chefdramaturgin Saskia Zinsser-Krys über Theaterarbeit, Publikum und Programmentwicklung, die Auseinandersetzung mit der Produktion „Herkules.EXE.“ sowie ein Arbeitstag mit Dr. Stefan Mühlhofer, Leiter der Kulturbetriebe Dortmund.
Außerdem besucht die Gruppe die Familienoper „Die Entführung aus dem Serail“ im Opernhaus Dortmund und nimmt an der Diskursreihe „Hot Topic“ im Foyer des Schauspiel Dortmund teil. Geplant ist zudem eine Begegnung mit dem Regisseur Tuğsal Moğul, der Einblicke in seine Arbeit zu migrantischen Lebensrealitäten auf deutschen Bühnen geben wird. Auch der Besuch des Afro Light Festival steht auf dem Programm.
Erste Ergebnisse werden im Juli vorgestellt
Die ersten Erkenntnisse des Forschungsprozesses wurden jetzt im Theater im Depot öffentlich präsentiert werden. Im Rahmen von „Nordstadt Together“ stellen die Teilnehmenden ihre Ergebnisse vor und diskutieren diese mit Besucher:innen.

Nach den Sommerferien setzt die Gruppe ihre Forschungsreise unter anderem bei der Ruhrtriennale 2026 fort. Ziel ist es, bis Herbst 2026 gemeinsam ein Programm für das Theater im Depot zu entwickeln, das 2027 präsentiert werden soll und als Modellprojekt für mehr kulturelle Teilhabe und Community-Kuration in der Nordstadt wirken kann.
Der gesamte Prozess wird dokumentiert. Reflexionen, Interviews und Ergebnisse werden fortlaufend als Podcast sowie über die Kanäle des Theater im Depot veröffentlicht. Ermöglicht wird das Projekt durch den Diversitätsfonds NRW des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen sowie durch die LAG Kunst und Medien NRW und das Kulturbüro Dortmund.

