Basteln, Bands, Botschaften: Demokratie-Festival in Dorstfeld setzt Zeichen für Vielfalt

Demokratie zum Anfassen auf dem Wilhelmplatz

Das Demokratiefest findet jährlich seit 2018 auf dem Wilhelmsplatz in Dorstfeld statt. Foto: Polina Zatulko für Nordstadtblogger

Strahlende Sonne, Planschbecken, Musik, Informationsstände und Mitmachaktionen füllen heute (26. Juni 2026) den Wilhelmplatz in Dortmund-Dorstfeld. Beim Demokratie-Festival „Vielfalt lieben, Dorstfeld leben“ sind mehr als 30 Vereine, Initiativen und Einrichtungen aus dem Stadtteil vertreten. Ziel ist es, demokratisches Engagement sichtbar zu machen und Menschen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe miteinander ins Gespräch zu bringen.

Festival entstand als Reaktion auf Neonazi-Aufmarsch

Dass das Festival heute fest in Dorstfeld verankert ist, hat einen konkreten Hintergrund. Vivianne Dörne aus dem Koordinationsteam der Quartiersdemokraten erinnert an den Ursprung 2018.

Vivianne Dörne aus dem Koordinationsteam der Quartiersdemokraten organisiert das Fest mit. Foto: Polina Zatulko für Nordstadtblogger

„Damals gab es den letzten größeren Neonazi-Aufmarsch in Dortmund. Es bestand die Befürchtung, dass Dorstfeld wieder als vermeintlicher Nazi-Kiez präsentiert wird“, sagt Dörne.

Das zivilgesellschaftliche Netzwerk Runder Tisch für Toleranz und Verständigung entschied sich daher, den Wilhelmplatz selbst zu besetzen und ein demokratisches Gegenprogramm zu organisieren.

„Wir wollten zeigen, dass Dorstfeld viel mehr ist als dieses Bild und dass es hier viele Vereine, Organisationen und Menschen gibt, die sich für ein demokratisches Miteinander einsetzen.“ Aus der einmaligen Aktion wurde eine jährliche Tradition. Seit 2018 beteiligen sich nach Angaben der Veranstalter:innen mehr als 30 Organisationen.

Schulen und Jugendliche gestalten das Programm mit

Ein zentraler Bestandteil ist die Beteiligung junger Menschen. Schulen, Kitas und Jugendeinrichtungen waren von Beginn an in die Planung eingebunden. Eröffnet wurde das Festival etwa durch den Kinderchor der Funke-Grundschule mit Liedern zu Kinderrechten.

Das Fest wurde vom Chor der Funke Grundschule in Dortmund eröffnet. Foto: Polina Zatulko für Nordstadtblogger

Die Quartiersdemokraten betonen die Bedeutung früher politischer Bildung. „Wenn wir über Demokratie sprechen, dann sprechen wir auch über Kinder und Jugendliche“, sagt Dörne. Es sei wichtig, ihnen Räume zu geben, in denen sie Vielfalt erleben können.

„Kinder wachsen häufig viel selbstverständlicher mit unterschiedlichen Lebensgeschichten und Herkünften auf. Vielfalt sollte als etwas Wertvolles wahrgenommen werden und nicht als Bedrohung.“

Die Schülervertretung des Reinoldus- und Schiller-Gymnasiums verkauft Kuchen und Crêpes für die Abikasse, die Wilhelm-Busch-Realschule bietet ein Dosenwerfen an, und Schulbands sorgen auf der Bühne für Musik.

Vereine, Aktionen und Kunst gegen Rechts

Parallel dazu gibt es zahlreiche Stände mit Mitmachaktionen von Basteln über Buttons gestalten bis hin zu spielerischen Demokratieformaten. Das Dortmunder Integrationsnetzwerk bietet eine Kinderwahl zu Werten wie Mut und Fairness an. Auch politische und zivilgesellschaftliche Gruppen sind vertreten.

Die Initiative Omas gegen Rechts ist seit drei Jahren Teil des Festes. Foto: Polina Zatulko für Nordstadtblogger

Die „Omas gegen Rechts“ betonen die Bedeutung von Vernetzung und Beteiligung: „Wir wollen zeigen, dass auch ältere Frauen eine politische Haltung haben und sich einbringen“, so Brigitte von den Omas gegen Rechts.

Das Multikulturelle Forum informiert über Präventions- und Demokratieprojekte an Schulen. Auch Parteien wie Volt und die CDU sind vor Ort.

Ein Termin mit bewusstem Zeichen für Weltoffenheit

Der Termin sei bewusst gewählt, erklärt Dörne, da parallel regelmäßig ein „Offener Abend“ der rechtsextremen Partei „Die Heimat“ stattfinde. Dörne betont, dass mit dem Festival und dem Konzert deutlich gemacht werden solle:

Etliche Besucher: innen wurden bereits am Vormittag zusammen kreativ. Foto: Polina Zatulko für Nordstadtblogger

„Dass man auf solche Entwicklungen keinen Bock habe.“ Gleichzeitig gehe es darum, jungen Menschen demokratische Alternativen zu bieten und zu zeigen, dass Dorstfeld von einer engagierten Zivilgesellschaft geprägt sei.

Das Festival wird durch das Landesprogramm NRWeltoffen, die Bezirksvertretung Innenstadt-West sowie die Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie der Stadt Dortmund gefördert. Bis in den Abend läuft das Programm. Es treten unter anderem SingBUNT! und Atemgold 09 auf. Der Eintritt ist frei.


Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

Unterstütze uns auf Steady

 Mehr dazu auf Nordstadtblogger:

„Vielfalt lieben, Dorstfeld leben“: Am 4. Juli 2025 findet das sechste Demokratie-Festival statt

Diskussion: Wie könnten soziale Netzwerke zu einer demokratischen Kraft werden?

Reaktion schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert