Aufruhr auf der Kokerei in Huckarde: Kareev inszeniert die „Heilige Johanna“ von Brecht

Für Tickets sollte man schnell sein:

Vera Kriebel | Nordstadtblogger Das Theater Dortmund spielt die „Johanna der Schlachthöfe“ von Brecht auf der Kokerei Hansa in Huckarde

Die Brechtsche „Heilige Johanna der Schlachthöfe“ kommt ja oft hölzern und bleischwer wie ein klassisches Schulstück daher. Nicht so in Dortmund. Die Inszenierung in der Kokerei Hansa war alles das, was Brecht im Original nicht unbedingt ist: spannend, dynamisch, fetzig, ja aufrührerisch. Ariane Kareev ist damit eine Meisterleistung gelungen!

Industrie-Kultur-Romantik?

Nicht unwesentlich tragen dazu die durch durch Lina Oanh Nguyễn gestalteten Spielorte bei: Ein „richtiges“ Theater gibt es in der Waschkaue, wo hauptsächlich die Szenen des klassischen Brecht-Stücks stattfinden. Die altmodische, sterile Fliesenoptik der Kantine und des Eingangsbereichs passt wunderbar zum Schlachthof des Stücks.

Der zweite Standort ist die Kompressorenhalle mit ihren gigantischen rostigbraunen Kompressoren, die über mehrere Bühnen bespielt wird: lauschige, sparsam ausgeleuchtete Zwischenräume und ein heller Platz am Eingang mit dem dunklen Hintergrund der Maschinen und blutig-rotem Deckengestänge wechseln sich ab.

Ein toller Abend für alle

Hier soll nicht zu viel verraten werden, denn die Spannung der Inszenierung wird gerade durch die verschiedenen Spielorte und Handlungsstränge erzeugt, denen das Publikum nichtsahnend zugeführt wird.

Vera Kriebel | Nordstadtblogger Die Kokerei Hansa wird zur Bühne für das Schauspiel Dortmund.

Genau diese Industriekultur und dieses Wandern haben dem Theater Dortmund sehr viel Sorgen bereitet. Vorbereitend wird auf dicke Zwiebelkleidung hingewiesen, die sich bei Temperaturen von null Grad in der Nacht auch als angemessen erweist. Fürsorglich werden Decken in der teilweise sogar beheizten Kompressorenhalle gereicht, die aber im deutschen Winter derzeit nicht nötig sind.

Zwar ist die Aufführung nicht barrierefrei, aber der Besuch keinesfalls anstrengend und damit selbst für Best Agers bestens geeignet.

Also: Ein spektakulärer Theater-Abend ist garantiert!

Wer „Die Heilige Johanna der Schlachthöfe“ in Dortmund sehen will, sollte sich beeilen: Trotz der mehr als 15 Termine allein im November und Dezember sind oft nur noch Restkarten oder Tickets über die Warteliste verfügbar.


  • Theater Dortmund
  • Am 10. und 12. November gibt es zusätzlich noch Proben, für die Testpublikum gesucht wird: Anmeldung. Der Eintritt ist frei.

Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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