
Alles lebt – und alles, was lebt, ist miteinander verbunden und kommuniziert. Der Sprechkunst Dortmund e. V. hat genau hingehört und geht mit seinem diesjährigen Sommertheater erstaunlichen Phänomenen der Natur auf den Grund. An drei Abenden haben Theater- und Botanikfans die Gelegenheit den „Stoffwechselgesängen“ im Botanischen Garten Rombergpark zu lauschen.
Vernetzte Natur und die Vielfalt ihrer Stimmen
Wussten Sie, dass Najaden nicht nur mythologische Wassernymphen sind, sondern Süßwassermuscheln, die für die Reinheit unserer Gewässer sorgen? Dass Marienkäfer unter Fress- und Sexsucht leiden? Oder dass es einen Pilz namens Cordyceps gibt, der Ameisen in den Wahnsinn treibt?

Mit seinem diesjährigen Sommertheater „Stoffwechselgesänge“ widmet sich der Sprechkunst Dortmund e. V. erstaunlichen Phänomenen der Natur.
Für Text und Dramaturgie sind Regine Anacker, Ludwig Juhrich und Katrin Osbelt verantwortlich. Juhrich führt auch Regie – Anacker und Osbelt sind auch Teil des Sprechchors, der als Pilze, Flechten, Ameisen, Käfer, Tagfalter und Nymphen zu erleben ist.
„Wir haben das Thema gewählt, weil es das Verbindende in den Mittelpunkt stellt und wir erkunden wollen, wie Gemeinschaft funktioniert“, sagt Katrin Osbelt. Schaut man wie die Welt entstanden ist, entdeckt man viele Symbiosen und Abhängigkeiten, die wichtig für das Weiterleben sind. Große Pilzgeflechte durchziehen den Boden, Kommunikation funktioniert über Laute oder auch Düfte: „Das eröffnet andere Perspektiven, als die etablierte menschliche Betrachtungsweise.“
Fortschritt vom „Niederen“ zum vermeintlich Höheren, Differenzierteren hin und ein Höher-Schneller-Weiter, das ist „eine Logik, die uns an den Rand des Ruins führt“, denkt auch Anacker. Ihr gemeinsames Schreiben und die Vielfalt der Stimmen des Chors setzen dem eine vernetzte, sich in verschiedene Richtungen und Ebenen erstreckende Sprache und auch Aufführungsform entgegen.
Worüber sich die Alge freut und warum die Hummel die Welt nicht mehr versteht
Besucher:innen können das alles hautnah, mitten in der Natur des Rombergparks erleben. An den Teichen und hinter den Büschen erklingen Töne und Texte, die sich aus Wissenschaft und Literatur speisen – große Gedanke, auch mal humorvoll verpackt und präsentiert in fantasievollen Kostümen der Dortmunder Künstlerin Gudrun Kattke.

Da freut sich die Alge Trebouxia über ihre Auszeichung zur „Alge des Jahres 2026“, die Hummel versteht nicht, warum die Bienen einer Königin dienen und der Chor der Nymphen erzählt, wie alles im Meer begann.
Gestalten aus Shakespeares „Sommernnachtstraum“ führen das Publikum an drei Abenden (28., 29. und 30. August 2026) jeweils von 18.00 bis 19.30 Uhr durch den Park. Dank einer Förderung des Kulturbüros ist der Eintritt frei.
Treffpunkt ist der Kiosk CORRIDA am Hauptweg im Botanischen Garten Rombergpark. Spaziert wird über die Parkwege und man verweilt im Stehen bei den Stationen. Es empfiehlt sich festes Schuhwerk und bei Bedarf das Mitführen eines leichten Klappstuhls.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

