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Alleinerziehende Mutter macht das Abi nach: „Machbar ist alles, aber für vieles braucht man Unterstützung“ 

Lilith Beckmann - zusammen mit Tochter Lea (m.) und Sohn Illja (l.) - hat unter besonderen Bedingungen ihr Abitur am Westfalen-Kolleg Dortmund nachgeholt. Foto: Jens Lübbehusen

Lilith Beckmann – zusammen mit Tochter Lea (m.) und Sohn Illja (l.). Foto: Jens Lübbehusen

„Machbar ist alles, aber für vieles braucht man Unterstützung“, sagt Lilith Beckmann. Stolz blickt sie auf ihre Kinder und das Abiturzeugnis. Auf dem zweiten Bildungsweg im Westfalenkolleg hat sie das Abitur nachgeholt, um Medizin studieren zu können.

Ausbildung statt Abitur – daher nun der zweite Bildungsweg

Während ihrer Schulzeit war ein Studium – noch dazu ein so anspruchsvolles – nie ein Thema. Sie ging nach der 12. Klasse mit dem schulischen Teil der Fachhochschulreife („Fachabi“) ab, um eine Ausbildung zu machen.

Sie absolvierte sie zunächst eine Ausbildung als Krankenpflegerin und arbeitete daraufhin in der Schwerstbehindertenbetreuung. Die Arbeit erfüllte sie, jedoch merkte sie auch, dass dies noch nicht das Ende ihrer beruflichen Laufbahn sein kann.

Auch das Selbstverständnis und Verhalten einiger ihr übergeordneter Personen in ihrem damaligen Arbeitsumfeld ließen in ihr noch mehr den Wunsch reifen, selbst im Pflegebereich Führung und eine größere Verantwortung übernehmen zu wollen. So entschloss sie sich, das Abitur nachzuholen, mit dem Ziel, Medizin zu studieren.

Die Frage „Wo das Abi nachholen?“ war für sie relativ schnell beantwortet. Ihr Vater hatte bereits 1986 das Abitur am Westfalen-Kolleg Dortmund nachgeholt, ebenso einige Bekannte der Familie Beckmann aus der direkten Nachbarschaft.

Wenngleich das Westfalen-Kolleg zur damaligen Zeit anders war, so Lilith aus den Erzählungen ihres Vaters, haben sich wohl einige Dinge rückblickend nicht verändert: Toleranz, Offenheit und Hilfsbereitschaft als leitende Prinzipien, die den „Geist des Kollegs“ ausmachen.

„Ich wollte so wenig wie möglich auffallen“

Überzeugt, die richtige Schule des Zweiten Bildungsweges gewählt zu haben, erfuhr Lilith auch mehrmals selbst diese gelebten Prinzipien im Umgang miteinander.

Nach der Geburt ihres zweiten Kindes (Tochter Lea, mittlerweile acht Monate; Sohn Illja, sechs Jahre) begegnete die Schulgemeinschaft der alleinerziehenden Mutter durchweg positiv, als sie ihr Baby aufgrund fehlender Betreuungsmöglichkeiten zur Schule bzw. in den Unterricht mitnahm.

Für Lilith war dies zunächst eine unangenehme Situation; sie wollte eigentlich so wenig wie möglich auffallen und ihre Mitstudierenden, die Lehrer bzw. allgemein den Unterricht in keinster Weise stören. Doch jeder hatte Verständnis für ihre Situation und der Unterricht lief letztlich mit der kleinen Lea genauso zielgerichtet und erfolgreich wie zuvor ab.

Genauso problemlos verhielt es sich, als infolge von Kita-Streik und fehlendem OGS-Platz Sohn Illja einige Male zur Schule mitkam.

Pausieren kam für die zweifache Mutter nicht in Frage

Die ihr entgegengebrachte Hilfsbereitschaft nahm ihr insbesondere die Angst vor der enormen Doppelbelastung: alleinerziehende Mutter zweier Kinder einerseits und andererseits Schülerin, die Hausaufgaben, Klausuren, Referate und sonstige Leistungen zu absolvieren hatte. Zeit für sich selbst? Keine. Schlaf? Zu wenig.

Pausieren war für sie jedoch zu keinem Zeitpunkt eine Option. Je näher das Abitur rückte, desto entschlossener arbeitete Sie auf dieses Ziel hin, und das ging erstaunlich gut, so Lilith. Für die langen Leistungskursklausuren half dann Liliths Mutter bei der Betreuung der kleinen Lea. Auch Sie ist mit dem Westfalen-Kolleg eng verbunden.

Als Mitglied des Quartiersmanagements des Unionviertels, in dem sich das Kolleg befindet, entstanden im Laufe der Jahre gemeinsame Projekte, die der Entfaltung des Unionviertels als lebenswerter Stadtraum dienen.

Für die erfahrene Unterstützung ist Lilith ihrer Familie, ihren Studienleitern und Fachlehrern am Kolleg sowie ihren Mitstudierenden, die mittlerweile echte Freunde geworden sind, ganz besonders dankbar.

Zwei mal im Jahr kann man sich für das Abitur anmelden

Das Abitur kann man übrigens am Westfalen-Kolleg zwei Mal im Jahr nachholen, zum Sommertermin (gemeinsam mit den Gymnasien) und zum Wintertermin, zu dem nur die Kollegs das Abitur abnehmen.

Zum neuen Semesterbeginn am 24. August 2016 sind sowohl in den Bildungsgängen „Kolleg“ und „Abendgymnasium“ als auch in „Abitur-online“ noch Plätze frei.

Informationen gibt es unter: www.westfalenkolleg-dortmund.de oder 0231/13 90 50.

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