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ADIRA – Handlungsfähigkeit gegen Antisemitismus erzeugen!

Neben Gemeindevorstand Zwi Rappoport (l.) das dreiköpfige Kompetenzteam von ADIRA (v.l.) : Anna Ben-Shlomo, Micha Neumann und Johanna Lauke. Foto (2): Thomas Engel

Beratung und Intervention bei antisemitischer und rassistischer Diskriminierung – in Dortmund und darüber hinaus. Für Betroffene, Angehörige, Zeug*innen. Seit dem vergangenen Oktober engagiert sich ADIRA. Damit niemand als vielleicht hilflos-passives Opfer allein gelassen wird. Sondern ein Kraftfeld entsteht, sich angemessen zu wehren. Und um zu sensibilisieren. Auch dafür, dass inmitten unserer Gesellschaft das Unheil von Unvernunft und Verblendung leider fortlebt.

Schande: Gewalt gegen jüdisches Leben – nicht nur in Dortmund, sondern weltweit

Die wohl bedrückendsten Worte beim Pressegespräch kamen eingangs von Zwi Hermann Rappoport, Vorstandsmitglied der Jüdischen Kultusgemeinde in Dortmund: „Die Tatsache, dass unter dem Dach der Jüdischen Gemeinde Dortmund eine Antidiskriminierungsstelle mit dem Schwerpunkt Antisemitismus eingerichtet worden ist, spiegelt die gesellschaftliche Realität in unserem Lande wider.“ ___STEADY_PAYWALL___

Beschämend, dass dies sein muss. Doch es muss sein, leider. „Antisemitische Anfeindungen, Bedrohungen, denen jüdische Menschen ausgesetzt sind, haben leider stark zugenommen“, stellt er fest.

Der jüngste Antisemitismus-Bericht der Tel Aviver Universität lässt ebenso nichts Besseres erahnen. Das Ergebnis des Monitoring: In der Coronakrise hätten antisemitische Gewalttaten wegen der Lockdowns weltweit zwar abgenommen, doch gäbe es gegen Juden und Jüdinnen einen vermehrten Hass im Internet. Gleichzeitig kam es zu mehr Schändungen von weniger bewachten Synagogen, Friedhöfen, Gedenkstätten. Das Unfassbare, gerade für Deutsche, es ist weiterhin unter uns.

Statt im Opferstatus zu verharren: Betroffene unterstützen, sich zu wehren!

Seit Oktober letzten Jahres gibt es ADIRA. Das zentrale Anliegen scheint in der Namensgebung des Projektes vor. Adira – das ist ein hebräischer Vorname, weiblich, übersetzbar aus dem männlichen Gegenüber: „adir“ mit „stark“. – Es geht in erster Linie um die Handlungsfähigkeit der Betroffenen. Darum, dass sie Diskriminierung nicht hinnehmen, sondern sich wehren können. Dass da keine passiven Opfer sind, sondern Menschen, die das nicht mit sich machen lassen, was eigentlich nie hätte geschehen dürfen.

Diskriminierung im Alltag, Vorurteile gegenüber Jüdinnen und Juden, bittere Erfahrungen, in einem Deutschland des 21. Jahrhunderts. Unbegreiflich, als hätte es nie eine, diese eine Geschichte gegeben. Insofern sei die Einrichtung einer solchen Beratungsstelle in der Gemeinde „eine folgerichtige Entscheidung“, konstatiert Gemeindevorstand Rappoport. Und hofft, „dass hierdurch die oft bei den Betroffenen vorhandene Hemmschwelle sinken wird, Hilfe und Unterstützung bei antisemitischen Vorfällen in Anspruch zu nehmen“.

Die nun der Öffentlichkeit vorgestellte Beratungsstelle soll auch Anlaufpunkt für Betroffene anderer jüdischer Gemeinden in ganz Westfalen-Lippe sein; aber auch eine Servicestelle von Antidiskriminierungsarbeit, die allen jederzeit offensteht. Zusammengeschlossen in einem vernetzten landesweiten Kompetenzverbund, mit weiteren Standorten in Düsseldorf (SABRA), Bochum-Herne-Hattingen (ZIVA) sowie der Integrationsagentur Köln.

Meldestelle antisemitischer Vorfälle in NRW befindet sich offenbar auf der Zielgeraden

Videobotschaft der Antisemitismus-Beauftragten des Landes NRW und ehemaligen Bundesministerin der Justiz, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP)

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), ehemalige Bundesministerin der Justiz und erste Antisemitismus-Beauftragte des Landes NRW, gibt in einer Videobotschaft bei der Pressekonferenz zu verstehen: „Wir brauchen viele Anlaufstellen für Betroffene von Antisemitismus.“ Auch deshalb spiele die Einrichtung eines landesweiten Kompetenzverbundes in NRW eine wichtige Rolle.

Der kein Selbstzweck ist: „Darauf kommt es an: auf die konkrete Hilfe vor Ort“, macht sie klar. Nicht ohne Grund: Allein in ihrem Büro, eben dem der Antisemitismus-Beauftragten, seien im letzten Jahr etwa 500 Anrufe, Briefe, sprich: Meldungen zu antisemitischen Vorfällen eingegangen. Die sollen demnächst systematischer erfasst werden. Die Einrichtung einer diesbezüglichen Meldestelle in NRW sei auf der Zielgeraden.

ADIRA führt bereits heute Statistik. Antisemitische Vorfälle werden dort registriert. Denn ein erklärtes Ziel des Projekts ist es, zu eruieren, wie viel Antisemitismus es überhaupt in unserer Gesellschaft gibt. Vor allem aber geht es den Akteuren darum, ihn sichtbarer, greifbarer zu machen, so Michael Neumann aus dem Kompetenzteam.

Zuhören, statt alltagsprägende Diskriminierungserfahrungen anzuzweifeln

Einerseits würde Antisemitismus nicht immer zwingend offen artikuliert, daher auch nicht unbedingt erkannt, andererseits sei er „für die Betroffenen ganz deutlich bemerkbar“ – in ihrem Leben, so Teamkollegin Johanna Lauke. Er ist „alltagsprägend“ – eine studiengestützte wie psychologisch nachvollziehbare Diagnose. Die etwaigen individuellen Folgen: Gefühle von Hilfslosigkeit und Ohnmacht könnten ausgelöst werden, macht ihr Kollege klar.

Gerade seine Bandbreite mache eine spezialisierte Beratungsstelle notwendig, „die für die Auswirkungen des Antisemitismus ganz konkret sensibilisiert ist“, bekräftigt Johanna Lauke. Von seinen Erscheinungsformen ist die Rede, um effektiver gegen ihn vorgehen zu können. Auch wenn es einer für die Einhaltung von Menschenrechten wachen Gesellschaft hier und da weh tun mag. Michael Neumann: Als Stelle, die auf antisemitische Vorfälle aufmerksam macht, legten sie eben „auch den Finger in die Wunde“.

„Betroffene haben bei uns einen geschützten Raum“, sagt er. Erst einmal zuzuhören, das sei wichtig. Darüber zu sprechen, „dass ihre Erfahrungen nicht angezweifelt, infrage gestellt werden. Und dass bestätigt wird, dass es sich um Diskriminierung, um Antisemitismus handelt.“ Denn oft erlebten sie, dass dessen Formen verharmlost, bagatellisiert, nicht anerkannt würden, gerade wenn es sich um subtilere handele – wie etwa den israelbezogenen.

Antisemitismus inmitten der Gesellschaft – Verschwörungsmythen von „Querdenkern“ als Beispiel

Israelbezogener Antisemitismus der Dortmunder Neonazis. Foto: Alex Völkel

Dass sich Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft befindet, sieht Johanna Lauke an breiteren Bündnissen – wie den Querdenker-Demos. Stichwort beispielsweise: urängstliche Verschwörungsmythen. Die verschiedenen Facetten des Antisemitismus wahrzunehmen, heißt für die junge Einrichtung vor allem, solche aufzuspüren, die eben keinen Straftatbestand erfüllen.

Quasi der tiefe Antisemitismus gegenüber dem offenen der Dortmunder Neonazis. Und dies in seinen lebensweltlichen Ausprägungen wie den Belastungen für die Betroffenen: Es könne sich um Anfeindungen im Alltag handeln, in der Schule, auf der Straße, in den sozialen Medien, so die ADIRA-Aktivistin. Straftaten am Ende nicht ausgeschlossen: 276 waren es 2020 in NRW, die offiziell mit antisemitischer Motivation verübt wurden. Und: „Das ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs“, befürchtet sie nicht von ungefähr.

Es braucht mithin effektive Unterstützungsstrukturen für die Betroffenen. „Schnelle Unterstützung vor Ort“, genau das böten sie an, so ADIRA-Kollege Michael Neumann. Selbstverständlich vertraulich, bei Bedarf auch anonym. Und unabhängig davon, ob eine Straftat vorliegt. Ebenso bei Diskriminierungen am Arbeitsplatz. „Unsere Beratung ist ein potentielles Unterstützungsangebot, das Betroffenen dabei hilft, mit Diskriminierungserfahrungen umzugehen und zu einer Lösung zu kommen.“

Bildungsmotiv des Projekts übersetzt sich in kostenfreie Workshops, Fortbildungen, etc.

Im Zentrum aller Aktivitäten stehen zuallererst jene Betroffene: Es ginge darum, deren Perspektive zu spiegeln und sie in den Fokus zu setzen, sagt Anna Ben-Shlomo, Dritte aus dem Team der Expert*innen. Die niederschwellige Beratung der Antidiskriminierungsstelle ist grundsätzlich kostenlos.

Neben individueller psychosozialer Unterstützung, Begleitung bei Interventionen, ggf. Kontaktvermittlung zu anderen kompetenten Stellen bieten die Spezialist*innen in Sachen Antisemitismus Workshops für Schulklassen oder Jugendgruppen an. Dazu Fortbildungen für pädagogisches Personal oder soziale Einrichtungen und Behörden zum Umgang mit Antisemitismus wie Rassismus und Diskriminierung überhaupt – angepasst an die jeweiligen Bedarfe, wie sie betont.

Was bleibt: Antisemitismus hat viele Gesichter. Ob als Verschwörungsmythos in „Querdenkerkreisen“, als Beleidigung von oder physische Angriffe auf Einzelpersonen wie Institutionen. Ob als Vorurteil/Stereotyp oder als dumpfe Parolenschmiererei. Und er ist nicht nur dem Rechtsextremismus zuzuordnen, sondern existiert in der Mitte unserer Gesellschaft.

Bei gruppenbezogenem Menschenhass hört die Meinungsfreiheit auf – denn da ist Hass, keine Meinung

Ein Jahr nach Halle, im letzten Oktober: Kundgebung gegen Antisemitismus in der Dortmunder Innenstadt. Foto: David Peters.

Ende März haben (bislang) rund 200, darunter viele jüdische Gelehrte, Antisemitismusforscher*innen und andere Intellektuelle den Versuch einer Redefinition des Antisemitismusbegriffs unterschrieben, die sich von der geläufigen Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) deutlich abgrenzt, da diese „weder klar noch kohärent“ sei.

Streitpunkt ist insbesondere die Frage, ob Kritik an „der israelischen Regierungspolitik“, „an Israel“ oder „dem Zionismus“ per se antisemitisch bzw. ab wann eine solche Prädikation sinnvoll ist oder gebraucht werden sollte. Doch die extrem komplexen Konflikte im Nahen Osten sind das eine; da mögen Meinungen trefflich auseinander gehen, bitte sehr.

Bei gruppenbezogenem Menschenhass, Diskriminierung, Beleidigung, Ausgrenzung vor unseren Augen, bis hin zu körperlichen Übergriffen und Terror gegen Juden und Jüdinnen – wie gegen jede andere Minderheit, sei es wegen Abstammung, Geschlecht, kultureller Identität etc. –, da allerdings hört jede Meinung definitiv auf. Da kann es nur klare Kante geben. Gegenüber Täter*innen und Solidarität mit Betroffenen.

Weitere Informationen:

  • Homepage ADIRA (einschließlich Kontakt); hier:
  • Newsletter Kompetenzverbund Antisemitismus NRW; hier:
  • Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA); hier:
  • Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus; (Englisch) hier: – in deutscher Übersetzung; hier:
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5 Gedanken über “ADIRA – Handlungsfähigkeit gegen Antisemitismus erzeugen!

  1. Oberbürgermeister Thomas Westphal in Sorge über die Eskalation im Nahen Osten (PM)

    Oberbürgermeister Thomas Westphal in Sorge über die Eskalation im Nahen Osten

    Vor dem Hintergrund der aktuellen Auseinandersetzung im Nahen Osten hat die Stadt Dortmund Kontakt zu ihrer israelischen Partnerstadt Netanya aufgenommen. Oberbürgermeister Thomas Westphal hat seine große Sorge über die Lage in Israel zum Ausdruck gebracht. „Wir verfolgen mit großer Bedrückung, wie die Situation erneut eskaliert und hoffen, dass in Netanya niemand leiden muss. Gerade in solchen schweren Stunden stehen wir an der Seite unserer Freunde in Israel und in Netanya“, so Thomas Westphal. „Wir hoffen, dass ein schnelles Ende der Eskalation und ein friedlicher Weg gefunden werden. Wachsendem Antisemitismus muss auch in unserem Land entschlossen entgegengetreten werden.“

    Die Partnerstadt Netanya bedankt sich in einer Mail für die Worte. „Es ist ein gutes Gefühl, von Freunden in diesen Zeiten zu hören.“

  2. Reul: Niemals werden wir Angriffe auf jüdisches Leben hinnehmen. Die umgehenden Festnahmen zeigen, dass wir vorbereitet und wachsam sind (PM)

    Reul: Niemals werden wir Angriffe auf jüdisches Leben hinnehmen.
    Die umgehenden Festnahmen zeigen, dass wir vorbereitet und wachsam sind

    Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse an Synagogen in Nordrhein-Westfalen hat Innenminister Herbert Reul angeordnet, die polizeilichen Maßnahmen zu verstärken. Zudem wurden die im Objektschutz eingesetzten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Kreispolizeibehörden nochmals sensibilisiert.

    Innenminister Herbert Reul: „Die Vorkommnisse machen mich wütend. Das hat auch nichts mit freier Meinungsäußerung oder Protest zu tun. Bei antisemitischen Straftaten, und um nichts anderes handelt es sich hier, schreiten wir konsequent ein. Niemals werden wir Angriffe auf jüdisches Leben hinnehmen. Zwar gibt es keine hundertprozentige Sicherheit; aber die umgehenden Festnahmen zeigen, dass wir vorbereitet und wachsam sind. Ich danke den Polizistinnen und Polizisten, die gestern so schnell vor Ort waren und die Verdächtigen dingfest machen konnten.“

    Mittlerweile ermittelt der Staatsschutz zu den Vorfällen an jüdischen Einrichtungen in Münster, Bonn und Düsseldorf. Die Polizei hat bislang 13 Tatverdächtige ermittelt und davon drei Personen festgenommen.

    Reul weiter: „Jüdisches Leben zu schützen ist vor dem Hintergrund unserer Geschichte ein besonderer Auftrag für uns. Die Sicherheitsbehörden kommen diesem Auftrag nach, indem sie Synagogen und jüdische Einrichtungen bewachen. Auch ihnen danke ich für ihre Ausdauer.“

  3. CDU Dortmund verurteilt Angriffe auf Israel (PM)

    CDU Dortmund verurteilt Angriffe auf Israel

    In der vergangenen Nacht wurden mehr als tausend Raketen durch die terroristische Hamas auf Israel geschossen. Der Konflikt spitzt sich weiter zu und die Spirale der Gewalt weitet sich aus. Mehrere Dutzend Menschen verloren ersten Berichten zur Folge allein in den letzten Stunden Ihr Leben. Ohne das Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ gäbe es noch viel mehr Opfer.

    Wir als CDU Kreisverband Dortmund verurteilen diese Angriffe auf den jüdischen Staat und setzen uns im Rahmen unserer Möglichkeiten für ein sofortiges Ende der Aggressionen ein.

    Der kommissarische Kreisvorsitzende der CDU Dortmund, Sascha Mader suchte heute das Gespräch mit dem Vorstand der jüdischen Kultusgemeinde unserer Stadt, um unser Beileid und unser Mitgefühl mit den Verletzten und den getöteten Opfern der Raketenangriffe der Hamas auszudrücken. Wir stehen ohne Einschränkung zum Existenzrecht des Staates Israel.

  4. Freie Wohlfahrtspflege warnt vor wachsendem Antisemitismus (PM)

    Freie Wohlfahrtspflege warnt vor wachsendem Antisemitismus

    Die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen zeigen sich erschüttert über die Angriffe auf Synagogen in Deutschland und die Verbrennung von israelischen Fahnen.

    „Es ist absolut unerträglich, dass Juden und Jüdinnen, Synagogen und jüdische Einrichtungen bedroht und angegriffen werden“, so Dr. Frank Johannes Hensel, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen. „Was da geschieht, ist menschenfeindlich und hat mit einem Kampf für Gerechtigkeit nichts zu tun.“

    Und weiter: „Die Wohlfahrtsverbände stemmen sich gegen jeden Versuch der Einschüchterung und Herabwürdigung – ganz gleich, ob es sich um Menschen jüdischen, muslimischen oder christlichen Glaubens handelt.“

    Die Freie Wohlfahrtspflege stehe, so Hensel, mit ihren Verbänden – Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonie, Paritätischer, Deutsches Rotes Kreuz und Jüdische Gemeinden – genau für das Gegenteil von Ausgrenzung, nämlich für Pluralität, Solidarität und Respekt. „Die Verbände setzen sich für den Zusammenhalt der Gemeinschaft, die Beteiligung von Betroffenen und die Stärkung von Hilfestrukturen für alle Menschen in Nordrhein-Westfalen ein. Dazu gehört vielerorts selbstverständlich und seit Jahren auch die Zusammenarbeit mit muslimischen und alevitischen Gemeinden.“

  5. Dortmunder Kirchen wenden sich an die Jüdische Kultusgemeinde: „Sie sind nicht allein“ (PM)

    Dortmunder Kirchen wenden sich an die Jüdische Kultusgemeinde: „Sie sind nicht allein“

    Mit einem gemeinsamen Schreiben haben sich die Katholische Stadtkirche und der Evangelische Kirchenkreis in Dortmund an die Mitglieder der Jüdischen Kultusgemeinde in der Stadt gewandt. Darin zeigten sie sich bestürzt über aktuelle Hetzparolen gegen Jüdische Gemeinden in Deutschland, die mit politischer Meinungsäußerung nichts zu tun hätten, sondern menschenverachtend und antisemitisch seien.

    „Angesichts Ihrer verständlichen Sorgen und Ängste versichern wir Ihnen im Namen der evangelischen und der katholischen Christ*innen in Dortmund unsere Unterstützung. Sie sind nicht allein“, heißt es in dem Brief, der vom katholischen Stadtdechanten Propst Andreas Coersmeier und der evangelischen Superintendentin Heike Proske unterschrieben ist.

    „Wir sind bestürzt über die Eskalation der Gewalt und trauern um die Toten“, schreiben Proske und Coersmeier über den Konflikt im Nahen Osten, der sich dramatisch zuspitze. „Mit großer Sorge sehen wir aber auch, was in unserem Land geschieht“, heißt es in dem Anschreiben weiter. Auch in einigen Städten im Ruhrgebiet sei der politische Protest, der sich auf die aktuelle Situation im Nahen Osten beziehe, zum Jüdischen Gemeindehaus getragen worden, „als seien die Jüdischen Gemeinden verantwortlich für die Lage dort.“ „Wir erleben hier eine neuerliche unerträgliche Zuspitzung, die wir nicht unwidersprochen hinnehmen wollen“, so die Superintendentin und der Propst. „Da sind Polizei und Justiz gefragt, aber auch die Zivilgesellschaft, und wir Christ*innen.“

    Heike Proske und Andreas Coersmeier verwiesen auf die „gute Kultur des Miteinanders“, die Christ*innen, Jüd*innen und Muslim*innen in Dortmund im Rahmen des Interreligiösen Dialogs entwickelt hätten. „Daran wollen wir festhalten“, versicherten die Geistlichen. Auch im Rahmen des diesjährigen Gedenkens zu 1700 Jahren jüdischen Lebens in Deutschland werde es weitere gemeinsame Aktivitäten geben, so etwa den ‚Weg der Verbundenheit“ am 5. September.

    „Wir verbinden das mit dem klaren Bekenntnis, solidarisch mit Ihren Gemeinden jedem Antisemitismus entgegenzutreten“, schreiben die Vertreter*innen der christlichen Kirchen. In den Kirchen werde man für das vertrauensvolle Miteinander, den Frieden im Nahen Osten und für die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde beten.

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