
Das denkmalgeschützte ehemalige Film Casino am Ostenhellweg lässt sich zu einem Proben- und Konzerthaus für „Dortmund Musik“ (früher Musikschule Dortmund) umbauen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Machbarkeitsstudie, die die Stadt nun vorgelegt hat. Der Umbau würde 23,4 bis 25 Millionen Euro kosten. Die extrem angespannte Haushaltslage verhindert vorerst den Planungsstart, der Rat soll die Studie lediglich zur Kenntnis nehmen. Die Pressemitteilung der Stadt spricht von „grünem Licht“, die Studie selbst zeichnet ein nüchterneres Bild.
Asbestdach, Wasserschäden und lose Decken im Kinodenkmal
Der Rat hatte im Dezember 2023 beschlossen, das Gebäude zu kaufen, 2024 ging es an die Stadt. Der Dortmunder Architekt August Wittmann hatte das Kino entworfen, das 1956 mit rund 630 Plätzen eröffnete.

Die Kinoräume stehen seit der Schließung im Jahr 2000 leer. Zwei Bekleidungsgeschäfte und eine Gastronomie nutzen weiterhin die Ladenlokale im Erd- und Untergeschoss.
Die städtische Pressemitteilung – eine Vorstellung der Pläne gab es nicht – umschreibt den Zustand des Hauses knapp: Die Immobilie habe lange leer gestanden und sei nicht instandgehalten worden.
Die Studie des Lüdinghausener Büros Spital-Frenking + Schwarz wird deutlicher. Der bauliche Zustand habe sich durch den langen Leerstand erheblich verschlechtert, die negativen Folgen für die Umgebung nähmen stetig zu.
Das Dach aus Wellasbestzementplatten sei marode und müsse in kurzen Abständen instandgehalten werden. Wassereintritte haben laut Studie den großen Saal und den ehemaligen Schaltraum beschädigt. Die abgehängten Rabitzdecken in Passage und Keller seien nicht fachgerecht befestigt und müssten entfernt werden.

Zwischen den Wänden der Passage und der Betondecke klafft ein Spalt, bei einem Umbau muss daher die Rauchdichtigkeit hergestellt werden.
Die Gutachter weisen zudem auf frühere Verstöße gegen den Denkmalschutz hin: Der charakteristische Leuchtschriftzug verschwand 2012 ohne denkmalrechtliche Erlaubnis, die rote Bestuhlung ohne Zustimmung der Denkmalbehörde.
Die Studie betont aber auch: Viele Mängel beträfen Einbauten, nicht die tragende Substanz, und der Kinosaal sei noch vollständig erhalten.
Offen bleibt, was mit dem schadhaften Dach geschieht, solange die Planung ruht. Dazu äußert sich die Stadt in ihrer Mitteilung nicht.
Konzertsaal für ein 80-köpfiges Orchester im früheren Kinosaal
Dortmund Musik, die frühere Musikschule, verfügt derzeit über keinen eigenen, angemessen ausgestatteten Ort für Proben und Konzerte. Sie braucht Platz für mehr als 500 Musikerinnen und Musiker.
Die Planer wollen den Kinosaal zum Konzertsaal mit Bühne für ein Sinfonieorchester umbauen, im Untergeschoss sind Proberäume vorgesehen.
Das Erdgeschoss soll ein Foyer, eine neue Gastronomie und Läden mit Bezug zu Musik, Film oder Kultur aufnehmen.
Die Passage ins Rosental bleibt, ihr Eingang am Ostenhellweg soll sich trichterförmig öffnen. Restaurierte Mosaikfassaden, ein neuer Leuchtschriftzug und der Rückbau der Vordächer sollen an die 1950er-Jahre anknüpfen.
Ein Nutzungsrecht im Grundbuch, das die Pressemitteilung verschweigt
Ideen für weitere Nutzungen sammelte im Juni 2025 ein Workshop, an dem ausschließlich städtische Stellen teilnahmen.
Die Pressemitteilung spricht von zwei Varianten, die Studie unterscheidet genau genommen drei. Variante 1 kommt ohne größere Erweiterung aus, erfüllt laut Stadt aber nur einen Teil der Bedarfe. Den Grund nennt die Mitteilung nicht.
Auf den Räumen der Gastronomie im Osten des Hauses liegt ein im Grundbuch eingetragenes Dauernutzungsrecht. Die Flächen stehen der Stadt Dortmund laut Studie auf unabsehbare Zeit nicht zur Verfügung.
Variante 1 ist deshalb als zweistufiges Bauvorhaben angelegt. Erst nach einem Kauf des Nutzungsrechts kämen in einer zweiten Bauphase ein vierter Proberaum und ein kleiner Saal hinzu.
Ob und zu welchem Preis die Stadt das Recht erwerben könnte, lässt die Studie offen. In der ersten Stufe fehlt der gewünschte kleine Saal für etwa 150 Quadratmeter ganz.
Variante 2 setzt auf eine Aufstockung mit kupferverkleideter Fassade zum Rosental und zwei kleineren Sälen. Sie käme laut Studie mit einem Bauabschnitt aus, das Nutzungsrecht wäre dafür nicht nötig.
Bemerkenswert: Sie ist laut Kostenrahmen mit 23,4 Millionen Euro die günstigere Lösung, die zweistufige Variante 1 schlägt mit 25 Millionen Euro zu Buche. Das geht aus der Pressemitteilung nicht hervor.
Die künftigen Proberäume würden kleiner als gefordert
Die Stadt schreibt, Variante 2 würde alle offenen Raumbedarfe von Dortmund Musik erfüllen. Die Studie nennt als Bedarf drei bis vier Proberäume mit jeweils 80 Quadratmetern.

Variante 2 sieht drei Räume mit 56, 74 und 84 Quadratmetern vor, zwei davon bleiben also unter dem Bedarf. Ob der Altbau die Aufstockung statisch trägt, lässt sich der veröffentlichten Fassung nicht entnehmen.
Die Stadt betont, Fachleute hätten Statik, Bauphysik und Schadstoffe geprüft. Die Ergebnisse dieser Gutachten enthält die als Kurzfassung veröffentlichte Studie jedoch kaum.
Die Studie kündigt ein Sanierungskonzept mit Ablaufplan, ein Konzept zur Schadstoffentsorgung und eine Übersicht über Fördermöglichkeiten an. Im Dokument finden sich diese Teile nicht.
Kostenschätzung mit Fragezeichen, Fördermittel ohne Zahl
Die Fachleute bezeichnen ihre Zahlen selbst als überschlägige Schätzung auf Preisbasis Ende 2025. Sie gehen von einer Bauzeit zwischen 2030 und 2032 und einer Kostensteigerung von 3,79 Prozent pro Jahr aus.
Für Preissteigerungen setzen sie aber nur 350.000 bis 400.000 Euro an. Der Ansatz für Preissteigerungen erscheint angesichts der selbst genannten Teuerungsrate niedrig.
Die Kosten für die Schadstoffsanierung fasst die Studie pauschal unter „Sonstiges“ mit 800.000 bis 850.000 Euro. Einen Kauf des Nutzungsrechts, die späteren Betriebskosten und den Umgang mit den heutigen Mietern während der Bauzeit berücksichtigt der Kostenrahmen nicht.
Die Stadt hofft, die Last für den Haushalt mit Fördermitteln erheblich zu senken. Konkrete Programme, Förderquoten oder Summen nennt sie nicht.
Die Studie steht unter dortmund.de/film-casino zum Download bereit. Das Land Nordrhein-Westfalen hat sie teilweise über das Förderprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Ortszentren“ finanziert.

















Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!




