„Zu spät, zu niedrig, zu lang“: Die IG Metall ruft ab sofort in Dortmund zu Warnstreiks auf

Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie in NRW

Protestierende mit Bannern
Foto: Darya Moalim für Nordstadtblogger.de Die IG Metall reagiert auf das Angebot der Arbeitgeber mit Warnstreiks. (Archivbild)

In der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie in Nordrhein-Westfalen kommt es auch in Dortmund zu Warnstreiks. Beschäftigte aus 14 Dortmunder Betrieben wollen am Dienstag (3. November) die Arbeit niederlegen und sich auf dem Werksgelände von thyssenkrupp rothe erde versammeln. Am Montag (9. November) folgt die Belegschaft der Wilo SE. Die IG Metall reagiert damit auf das Angebot der Arbeitgeber in der zweiten Verhandlungsrunde. Sie hält es für völlig unzureichend.

Angebot: Nur Einmalzahlung 2027, Tabellenerhöhung erst 2028

Die Arbeitgeber bieten für Juli 2027 eine Einmalzahlung von einem Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttos in der Branche an. Die Tabellenentgelte sollen erst ab Juli 2028 steigen, und zwar um 1,3 Prozent. Der Tarifvertrag soll bis Ende 2028 laufen. Zugleich wollen die Arbeitgeber mehr Möglichkeiten zur Differenzierung und eine Debatte über Krankenstände.

Warnstreik der IG Metall. Demonstration zum Sitz des Unternehmensverband der Metallindustrie. Verhandlungsführer IG Metall Knut Giesler
Klaus Hartmann | Nordstadtblogger Verhandlungsführer der IG Metall in NRW, Knut Giesler.

Außerdem schlagen sie ein betriebliches Instrument vor, mit dem Investitionen, Innovationen, Standorte und Beschäftigung gesichert werden sollen. Nach Darstellung der Gewerkschaft ist es vor allem dazu gedacht, Kosten zu senken und vor allem die Betriebsräte vor Ort unter Druck zu setzen und gegeneinander auszuspielen.

„Dieses Angebot setzt zu spät ein, ist zu niedrig, die Laufzeit ist zu lang und es steckt wenig Zukunft drin“, sagt Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW und Verhandlungsführer.

Weil mit dem betrieblichen Instrument Personalkosten sinken sollten, müssten die Beschäftigten Investitionen in die Zukunft letztlich selbst bezahlen. „Wer Leistung, Wandel und Zukunft einfordert, muss jedoch bereit sein, in die Menschen zu investieren, die diesen Wandel Tag für Tag tragen und sollte sie nicht zu Sündenböcken der aktuellen wirtschaftlichen Situation machen.“

Gewerkschaft warnt vor Reallohnverlusten und einer geschwächten Konjunktur

Nach Einschätzung der IG Metall gleicht das Angebot nicht einmal ansatzweise die aktuelle Preissteigerung aus. Die Beschäftigten würden weiter an Kaufkraft verlieren. Das sei nicht nur unfair, sondern auch wirtschaftspolitisch falsch. „Die Wirtschaftsinstitute weisen seit Monaten darauf hin, dass eine Belebung der Konjunktur nur über einen stärkeren privaten Konsum gelingen kann. Das Arbeitgeberangebot ist faktisch eine Minus-Runde und schwächt die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich“, sagt Ulrike Hölter, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Ruhrgebiet Mitte.

Ulrike Hölter, 1. Bevollmächtigte der IG Metall
Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de Ulrike Hölter, 1. Bevollmächtigte der IG Metall in Dortmund,

Besonders kritisch sieht die Gewerkschaft, dass sich die Arbeitgeber nicht zu Investitionen und zur Zukunft der Standorte äußern. Unternehmen und Verbände verwiesen zwar regelmäßig auf die Herausforderungen der Transformation, das Angebot enthalte für die Beschäftigten aber kaum Perspektiven.

„Die Arbeitgeber fordern Vertrauen in den Industriestandort Deutschland, liefern aber weder bei den Einkommen noch bei Beschäftigungsperspektiven oder Investitionszusagen einen entsprechenden Beitrag“, kritisiert Hölter. Die eigentlichen Herausforderungen lägen bei Investitionen, Produktstrategien, Innovationen und der Sicherung von Wertschöpfung in Deutschland. Dazu finde sich im Angebot praktisch nichts.

Stattdessen redeten die Arbeitgeber vor allem über Kosten, Krankenstände und weitere Einsparmöglichkeiten. „Die Beschäftigten erwarten Antworten auf die Zukunft ihrer Arbeitsplätze und Standorte. Stattdessen konzentrieren sich die Arbeitgeber auf Differenzierung, Krankenstände und weitere Kostendebatten. Das geht an den tatsächlichen Sorgen der Menschen vorbei“, so Hölter. Auch die lange Laufzeit lehnt die IG Metall ab. Die Beschäftigten müssten damit dauerhaft die Kosten der aktuellen wirtschaftlichen Schwierigkeiten mittragen, ohne dass ihnen ein fairer Anteil an einer möglichen Erholung garantiert sei.

Demonstrationszug von Miebach und Kundgebung bei tk rothe erde

Die Tarifkommission der IG Metall NRW hat am Samstag über den Stand der Verhandlungen beraten und Warnstreiks beschlossen. Die Kolleginnen und Kollegen nähmen sehr genau wahr, wie mit ihnen umgegangen werde, erklärt die Gewerkschaft. Bewege sich die Arbeitgeberseite nicht deutlich, werde sie die Antwort der Beschäftigten auf den Straßen und vor den Werkstoren erleben.

In Dortmund beteiligen sich am Dienstag unter anderem Beschäftigte von thyssenkrupp rothe erde, Hugo Miebach, Still und Siemens Mobility. Die Belegschaft von Miebach startet um 9 Uhr mit einem Demonstrationszug am Dortmunder Feld 51 und zieht zu thyssenkrupp rothe erde. Dort, an der Tremoniastraße 5-11, beginnt gegen 9.30 Uhr die gemeinsame Kundgebung.

Bereits am heutigen Montag haben die Beschäftigten der Wilo SE die Arbeit niedergelegt. Sie haben sich um 9 Uhr auf dem Mitarbeiterparkplatz am Wilopark 1 in Hörde zu einer Kundgebung getroffen.

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