20 Jahre Türkisch-Deutsche Plattform: PLATTINO-Galaabend im Dortmunder Glashaus

200 Gäste im Glashaus – Wulff ehrt fünf Persönlichkeiten beim Jubiläum

Gruppenbild mit Bundespräsident a.D. Wulff und den Preisträger:innen
Foto: August Productions Gruppenbild mit Bundespräsident a.D. Wulff und den Preisträger:innen

Die Türkisch-Deutsche Plattform für Studierende und Akademiker e.V. (TD) hat ihr 20-jähriges Bestehen mit einem Galaabend im Dortmunder Glashaus gefeiert. Rund 200 Gäste kamen gemeinsam mit der IKUA zum PLATTINO-Galaabend nach Körne. Christian Wulff, Bundespräsident a.D., zeichnete fünf Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Medizin und sozialen Medien für ihr Engagement aus.

20 Jahre Engagement für Bildung und gesellschaftliche Teilhabe

Das Glashaus in Dortmund-Körne war am Abend gut gefüllt. Während eine Band für musikalische Begleitung sorgte, unterhielten sich die vielen Gäste an den Tischen miteinander. Besonders gefragt waren Fotos mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff, der als Laudator durch die Preisverleihung führte. Diese wurde sowohl auf Deutsch als auch auf Türkisch moderiert.

Selin Izel Günaydin
Foto: August Productions Selin Izel Günaydin, Präsidentin der TD-Plattform

Zu Beginn blickte Selin İzel Günaydın, Präsidentin der TD-Plattform, auf die Geschichte des Vereins zurück. Vor 20 Jahren sei es noch keine Selbstverständlichkeit gewesen, dass Menschen mit türkischen Wurzeln studierten und akademische Karrierewege einschlugen.

Mit Blick auf ihre eigene Familiengeschichte erinnerte sie an ihre Großeltern, die als sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland gekommen waren. „Was für meine Großeltern unvorstellbar war, ist heute Normalität geworden“, erklärte sie.

„Wir sind nicht hier, um uns einen Platz in der Gesellschaft zu erbitten, wir haben ihn schon“, stellte Günaydın klar. Dazu hätten auch gegenseitige Unterstützung und Organisationen wie die TD-Plattform beigetragen. Deutschland sei heute ein vielfältiges Einwanderungsland, in dem die Herkunft keine Rolle für den persönlichen Erfolg spielen dürfe.

Generalkonsulin würdigt deutsch-türkisches Unternehmertum

Zu den Ehrengästen gehörte auch die türkische Generalkonsulin aus Essen, Sevinç Dağkılıç. In ihrer Rede würdigte sie das Engagement der TD-Plattform und des Unternehmerverbands IKUA e.V., der den Galaabend mitveranstaltete und unterstützte. Organisationen wie diese trügen dazu bei, die Zukunft mitzugestalten, und seien wichtige Akteure für eine vielfältige und offene Gesellschaft.

Generalkonsulin Sevinç Dağkilic
Foto: August Productions Generalkonsulin Sevinç Dağkılıç

Darüber hinaus hob Dağkılıç die wirtschaftliche Bedeutung des deutsch-türkischen Unternehmertums hervor. Die engen wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Deutschland und der Türkei seien ein wichtiger Bestandteil der Beziehungen beider Länder.

Für Unterhaltung sorgte anschließend der Stand-up-Comedian Anil Kaya, der mit einem kurzen Auftritt das Publikum unterhielt. Danach übernahm Christian Wulff das Wort.

Bundespräsident a.D. Christian Wulff
Foto: August Productions Bundespräsident a.D. Christian Wulff

Der ehemalige Bundespräsident würdigte die Arbeit der TD-Plattform und der IKUA. Gleichzeitig bedauerte er, dass das Engagement solcher Organisationen in der Öffentlichkeit noch immer zu wenig wahrgenommen werde.

Besonders in Zeiten politischer Polarisierung seien positive Beispiele gesellschaftlichen Engagements wichtig, betonte Wulff. Die TD-Plattform und die IKUA bezeichnete er als Vorbilder und Brückenbauer, die in der heutigen Zeit dringend gebraucht würden. Anschließend führte er durch die Auszeichnung der fünf Persönlichkeiten.

Fatma Deniz: „Ermöglicht es, Türen zu öffnen“

Zuerst wurde Prof. Dr. Fatma Deniz, Präsidentin der Technischen Universität Berlin, ausgezeichnet. Wulff würdigte dabei ihre innovative Forschung im Bereich künstlicher Intelligenz. Ihre Arbeit helfe zu verstehen, wie Maschinen von menschlicher Intelligenz lernen könnten.

Fatma Deniz
Foto: August Productions Prof. Dr. Fatma Deniz

In ihrer Dankesrede erinnerte Deniz an die Gründung der TD-Plattform vor 20 Jahren. Damals sei es das Ziel gewesen, Studierende, Wissenschaftler und Unternehmen miteinander zu vernetzen.

Dass sie heute eine Technische Universität in Deutschland leite, sei zu dieser Zeit keineswegs selbstverständlich gewesen. Auch ihre eigene Lebensgeschichte sei sowohl von der deutschen als auch von der türkischen Kultur geprägt.

„Zwei Länder gehören zu meinem Leben“, erklärte sie. Zudem riet sie den Anwesenden, sich eigene Ziele zu setzen und anderen Menschen Türen zu öffnen.

Die Gesellschaft profitiert von der Förderung von Talenten

Als nächstes wird Cenk Özöztürk, Chief Operating Officer des Flughafens Köln/Bonn, von Wulff gewürdigt und ausgezeichnet. Der Flughafen schaffe Verbindungen zwischen Menschen und Kulturen, hebt Wulff hervor. Besonders zwischen Deutschland und der Türkei gebe es einen regen Austausch, zu dem auch der Flughafen beitrage.

Cenk Özötürk
Foto: August Productions Cenk Özötürk

In seiner Rede bedankt sich Özöztürk neben der TD-Plattform, seinen Freunden und seiner Familie auch ausdrücklich bei den rund 2.000 Beschäftigten des Flughafens. Die Auszeichnung verstehe er deshalb auch als Anerkennung für ihre Arbeit.

Gleichzeitig kritisierte Özöztürk eine in seinen Augen zunehmende Kultur des Zurückhaltens und der Vorsicht in Deutschland.

Ansprüche zu haben, sei kein Fehler, sondern müsse vielmehr ein Maßstab sein, betont er. Entscheidend sei, anderen Wege zu bereiten und Talente zu fördern, damit die gesamte Gesellschaft davon profitieren könne.

Migrationserfahrungen prägen die deutsche Gesellschaft

Mit Gülşah Wilke wurde eine Unternehmerin und Mitgründerin der Initiative „2hearts“ ausgezeichnet. In ihrer Rede stellte sie zunächst die Geschichte ihrer eigenen Familie in den Mittelpunkt. Ihre Großeltern seien vor rund 60 Jahren nach Deutschland gekommen. Ihr Großvater habe damals in einem Ford-Werk gearbeitet.

Gülşah Wilke
Foto: August Productions Gülşah Wilke

Mit Blick auf diese persönliche Erfahrung verwies Wilke auf die Bedeutung der Migration für die Entwicklung der deutschen Gesellschaft. Viele Kinder wüchsen heute mit unterschiedlichen kulturellen Erfahrungen auf.

Umso wichtiger seien Unterstützung und Mentoring, damit sie ihre Möglichkeiten nutzen und ihren eigenen Weg gehen könnten.

Anschließend ehrte Wulff den Content-Creator Hüseyin Ortaç. Mit seinen Beiträgen zu gesellschaftlichen Themen und dem Staatswesen erreiche dieser Hunderttausende Menschen in den sozialen Medien. Ortaç bedankte sich für die Auszeichnung und hielt ebenfalls eine Dankesrede.

Nationalität und Herkunft dürfen keinen Einfluss auf die Chancen haben

Als fünfter Preisträger wurde Prof. Dr. Ali Canbay ausgezeichnet, der als Direktor die Knappschaft Kliniken in Bochum leitet. Wulff würdigte dessen akademisches Engagement und bezeichnete ihn als Vorbild für viele Menschen.

Auch Canbay selbst betonte in seiner Rede, dass Menschen mit Wurzeln in der Türkei selbstverständlich Teil der deutschen Gesellschaft seien. Alle könnten diese gemeinsam stärken. Nationalität und Herkunft dürften keinen Einfluss auf die individuellen Chancen eines Menschen haben.

Junge Menschen gestalten die Zukunft der Plattform mit

Nach den Auszeichnungen und einem gemeinsamen Gruppenfoto mit Christian Wulff richtete sich der Blick noch einmal auf die jüngere Generation. Abschließend hielt Isra Deniz, die sich neben ihrem Studium bei der TD-Plattform engagiert und auch an der Organisation des Galaabends beteiligt war, eine kurze Rede.

Isra Deniz
Foto: August Productions Isra Deniz

Als junge Frau wolle sie noch Fragen stellen. Insbesondere Chancengleichheit, gesellschaftliche Teilhabe und Zusammenhalt müssten auch in Zukunft gestärkt werden. Junge Menschen müssten zudem die Möglichkeit erhalten, ihre Zukunft selbst zu bestimmen und ihren eigenen Weg zu gehen.

Die Beteiligung junger Mitglieder war dabei nicht nur auf die Redebeiträge beschränkt. Ein wesentlicher Teil der organisatorischen Verantwortung lag bei Studierenden. Für die TD-Plattform ist das ein wichtiger Teil ihres Selbstverständnisses: Die nächste Generation soll nicht erst in Zukunft Verantwortung übernehmen, sondern bereits heute die Arbeit des Vereins mitgestalten.


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