92 Mülleimer mit Sensoren für rund 367.000 Euro: Das soll das Pilotprojekt in Parks und Zoo bringen

92 Mülltonnen mit Füllstandssensoren stehen in Parks und im Zoo:

Zwei Personen stehen am Müllcontainer
Stadt Dortmund / Roland Gorecki Sie Pressen nicht nur den Müll, sondern geben auch online eine Meldung über den Füllstand ab. Stadtdirektor Christian Uhr (re.) und Erfinder des Pottpickers Daniel Kozik (li.)

Die Stadt Dortmund hat 92 neue Abfallbehälter mit eingebauten Sensoren in 14 Grünanlagen und im Zoo aufgestellt. Die Behälter vom Typ „Big Belly“ pressen den Müll zusammen, messen ihren Füllstand automatisch und melden ihn per Mobilfunk an das Grünflächenamt. Dort sehen die Mitarbeitenden am Computer, welche Tonne voll ist, und können die Leerungsrouten danach planen. Bisher wurden die Tonnen nach festen Zeiten angefahren. Nach Angaben der Stadt fassen die neuen Modelle zudem mehr Müll als die Vorgänger. Es handelt sich um ein Pilotprojekt, weitere Behälter sind derzeit nicht geplant.

Rund 367.000 Euro netto: Was die Tonnen kosten und wer zahlt

Nach Angaben der Stadt kostet eine Tonne mit Verdichter rund 4.000 Euro netto, davon wurden 75 Stück angeschafft. Eine Tonne ohne Verdichter kostet rund 3.000 Euro netto, davon gibt es 17. Löschsystem und Füllstandscontrolling sind jeweils enthalten. Hinzu kommen Projektnebenkosten von rund 15.700 Euro für Anlieferung, Fundamente, Montage und Schulungen. Rechnerisch ergibt das rund 367.000 Euro netto.

Bezahlt wurde das Pilotprojekt über das Smart-City-Projekt der Stadt. Der Bund (Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen) übernimmt dabei 65 Prozent, die Stadt die restlichen 35 Prozent. Für die Stadt wären das rechnerisch rund 128.000 Euro.

Mehr Zeit für die Reinigung: Was sich die Stadt vom Füllstandsmelder verspricht

Das Grünflächenamt erwartet vor allem, dass die Mitarbeitenden mehr Zeit für die Reinigung der Flächen haben. Die Dienstleister können anhand der Füllstände vorab planen, welche Behälter geleert werden müssen, und müssen nicht mehr alle anfahren. „So können wir unnötige Fahrwege vermeiden, Abläufe wirtschaftlicher gestalten und gleichzeitig Ressourcen schonen“, sagt Amtsleiter Heiko Just.

Eine Gruppe Menschen steht um den Container
Stadt Dortmund / Roland Gorecki Im Park am Ostwall wurden die neuen Smarten Mülleimer vorgestellt.

Auf einen vollen Behälter lasse sich schneller reagieren, daher hoffe man auch auf weniger Abfall daneben. Die gewonnene Zeit soll unter anderem nach heißen Sommertagen für zusätzliche Reinigung genutzt werden, wenn in den Parks deutlich mehr Müll anfällt.

Eine weitere Hoffnung betrifft eine sogenannte Heat Map. Sie wertet in Statistiken aus, welche Standorte besonders stark und welche kaum genutzt werden. Wo viel Müll anfällt, kann die Stadt gezielt eingreifen und zum Beispiel einen weiteren Behälter aufstellen. Die geschlossenen Behälter sollen außerdem verhindern, dass Tiere den Abfall in den Parks verteilen.

Herstellerangabe: Bis zu 90 Prozent weniger Leerungen

Thomas Krüger von der Future Street GmbH, die die Behälter in Europa vertritt und den Auftrag erhalten hat, nennt eine deutlich größere Wirkung: „Smart Waste Systeme im öffentlichen Bereich reduzieren den Leerungsbetrieb der städtischen Reinigungsbetriebe bis zu 90 Prozent.“

Das gelinge durch eine solarbetriebene Müllpresse und das automatische Meldesystem. Es handelt sich um eine Herstellerangabe. Ob und in welchem Umfang sie in Dortmund erreicht wird, ist offen. Zahlen zu eingesparten Fahrten nennt die Stadt bislang nicht.

Schulung läuft, externe Dienstleister folgen

Die Vergabe ist nach Angaben der Stadt abgeschlossen, das Grünflächenamt und das Smart City Team haben sie gemeinsam durchgeführt. Die Mitarbeitenden wurden von der Future Street GmbH vor Ort geschult. Externe Dienstleister, die ebenfalls Tonnen leeren (AWO-Werkstätten, Christopherus Haus und DOLOG), sollen bald folgen.

Vor der Vergabe habe sich die Stadt nach eigenen Angaben mit mehreren Kommunen und Zoos ausgetauscht, die verschiedene smarte Abfallbehälter im Einsatz haben. Die Rückmeldungen zu den Big-Belly-Behältern und zur Wartung seien sehr positiv gewesen, der Hersteller reagiere zügig und zuverlässig. Die Behälter haben Solarpaneele, eine zusätzliche Stromquelle ist daher nicht nötig. Beim Thema Vandalismus will die Stadt abwarten, wie die Behälter an den einzelnen Standorten angenommen werden. Erweist sich ein Areal als ungeeignet, können sie an anderer Stelle aufgestellt werden.

Das Projekt gehört zur gemeinsamen Smart-City-Strategie der Städte Dortmund und Schwerte, die das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen als „Modellprojekt Smart Cities“ fördert. Dezernent Christian Uhr, zu dessen Bereich das Smart City Team gehört, spricht von „sauberen Parks“ und eingesparten CO2-Emissionen. Belege dafür liefert die Stadt bislang nicht.

Pottpicker: Müllgreifer zum Ausleihen im Zoo und im Westfalenpark

Neben der Sensortechnik setzt die Stadt auf ein mechanisches Angebot. An zunächst acht Stationen im Zoo und im Westfalenpark können Besuchende „Pottpicker“ ausleihen, also Müllgreifer. Der Pfand entspricht dem bei einem Einkaufswagen im Supermarkt: 50 Cent oder ein Chip. Die Firma heißt Pottpicker und kommt aus Dortmund. Die Stadt hat die Greifer zum Testen angekauft, 320 Euro pro Stück. Sie prüft nach eigenen Angaben weitere Standorte.

Stadt Dortmund / Roland Gorecki Daniel Kozik, Erfinder des Pottpickers

Erfunden hat den Greifer der Dortmunder Daniel Kozik. Die Idee kam ihm 2017 auf einer halbjährigen Europareise mit seiner Familie. „Überall flog Müll herum“, erzählt er. Seitdem habe die Familie immer eine Greifzange im Wohnmobil gehabt. Gerade in der Corona-Zeit sei das Müllaufkommen draußen enorm gewesen.

„Der Pottpicker ist ein einfaches Werkzeug, mit dem man das Litterig-Problem bequem selbst in die Hand nehmen kann“, sagt Kozik. Uhr sieht darin ein Beispiel dafür, „dass eine smarte Lösung nicht immer hochdigital sein muss“.

Hintergrund: Die Smart-City-Strategie

Die Smart-City-Strategie von Dortmund und Schwerte umfasst Projekte von digitaler Infrastruktur und Sensorik über Energie und Umwelt bis zu neuen Formen der Beteiligung. Weitere Informationen unter dortmund.de/smartcity

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