
Die Dortmunder Linke bringt sich für die Landtagswahl 2027 in Stellung. Mit Johanna Robakowski, Fatma Karacakurtoğlu, Jonah Blank und Pauline Krause hat die Partei ihre vier Direktkandidierenden für die Dortmunder Wahlkreise nominiert. Inhaltlich setzt das Quartett vor allem auf soziale Gerechtigkeit, Bildung und Klimaschutz und will sich gegen Sozialabbau und für eine starke öffentliche Daseinsvorsorge einsetzen. Hinter den Kulissen gab es aber Turbulenzen – denn die deutlich gewachsene und verjüngte Partei verpasste ihrer Fraktionsdoppelspitze – bewusst oder unbewusst – einen Denkzettel. Utz Kowalewski fiel sogar ganz durch und hofft auf eine Extrarunde.
Utz Kowalewski hofft nun auf einen guten Platz auf der Landesliste
Fatma Karacakurtoğlu und Utz Kowalewski sind die bekanntesten Gesichter der Partei und bilden das Führungsduo der Ratsfraktion. Doch an der Basis haben sie keinen leichten Stand. Das wurde bei der Aufstellung der Kandidierenden deutlich. Obwohl Fatma Karacakurtoğlu in ihrem Wahlkreis konkurrenzlos war, erhielt sie nur 61 Prozent der Stimmen.
Noch dicker kam es für Utz Kowalewski. Er fiel krachend durch – Jonah Blank vereinte 89 Prozent der Stimmen auf sich. An der Basis gab es im Vorfeld viele Diskussionen – vor allem über die innerparteiliche Präsenz des Spitzenpersonals in den vergangenen Monaten und Jahren. Kowalewski war bei der Vorstellung der Bewerber:innen zudem nicht anwesend. Allerdings aus gutem Grund: Seine Tochter lag im Krankenhaus und wurde zeitgleich operiert. Doch das schützte nicht vor der deutlichen Klatsche.

Dass dieses indirekte Votum gegen die Doppelspitze auf die Öffentlichkeit befremdlich wirken oder deren Ruf schädigen könnte, war der Parteiführung offenbar bewusst. Denn all dies wurde in der Kommunikation nicht erwähnt und erst auf mehrfache Nachfrage von Nordstadtblogger bestätigt.
Dies wollte die ebenfalls für einen Wahlkreis nominierte Kreissprecherin aber nicht überbewertet wissen: „In unserer gewachsenen und lebendigen Partei zeigt das vor allem, dass wir inzwischen viele starke Persönlichkeiten haben. Dabei geht es nicht gegen einzelne Personen, sondern um strategische Aufstellungen für die kommende Landtagswahl“, betonte Kreissprecherin Johanna Robakowski.
„Dafür bleibt die Kommunalpolitik ein zentraler Posten. Als Fraktionsvorsitzender wird Utz Kowalewski im Rat weiterhin unsere starke Stimme vor Ort sein und die gewählten Direktkandidat*innen mit all seiner langjährigen Erfahrung im Wahlkampf unterstützen. Gemeinsam bereiten wir uns geschlossen auf einen starken Wahlkampf für die Landtagswahl 2027 vor“, so Johanna Robakowski.
Utz Kowalewski nahm es sportlich und hofft auf eine zweite und vielleicht sogar bessere Chance: Als Mitglied des Landesvorstands von „Die Linke“ hofft er auf eine Platzierung unter den ersten zehn auf der Landesliste zur Landtagswahl. Das könnte aussichtsreicher sein als ein Direktmandat. Darüber wird in rund drei Wochen entschieden.
Bildung ist für alle
Für den Wahlkreis 111 (Dortmund I) kandidiert die 34-jährige Johanna Robakowski. Die Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin ist Kreissprecherin der Dortmunder Linken und will sich insbesondere für mehr Chancengleichheit im Bildungssystem einsetzen.

Aus ihrer Sicht hängt der Bildungserfolg noch immer zu stark vom Elternhaus ab.
„Es kann nicht sein, dass die Bildung immer weiter vom Elternhaus abhängt und der Landtag nichts dagegen unternimmt“, sagt Robakowski.
Als Gegenmodell nennt sie das Konzept einer „Schule für alle“, das sie im Landtag umsetzen möchte.
Junge Perspektive und mehr Schutz vor Gewalt
Im Wahlkreis 114 (Dortmund IV) tritt die 23-jährige Jura-Studentin Pauline Krause an. Sie will unter anderem die Situation von Kindern und Jugendlichen mit Blick auf Inklusion verbessern. „Wir haben keine inklusive Gesellschaft“, sagt Krause.

Ihrer Ansicht nach führt das derzeitige Schulsystem dazu, dass Kinder früh aussortiert werden: „Man muss sich irgendwie im Schulsystem bewähren, sonst kommt man auf die Förderschule und wird für sein Leben abgestempelt.“
Ein weiterer Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit soll der Schutz von Betroffenen häuslicher Gewalt sein. Krause fordert unter anderem einen besseren Zugang zu Frauenhäusern. „Eine Übernachtung in einem Frauenhaus muss kostenlos sein. Es ist ein Schutzraum und kein Hotel“, sagt sie.
Warnung vor sozialem Kahlschlag
Für den Wahlkreis 112 (Dortmund II) schickt Die Linke Fatma Karacakurtoğlu ins Rennen. Die 50-Jährige verfügt nach Angaben der Partei über mehr als 15 Jahre kommunalpolitische Erfahrung und kandidierte bei der vergangenen Kommunalwahl als Oberbürgermeisterkandidatin der Linken in Dortmund.

Sie sieht den zunehmenden Sozialabbau als eines der größten politischen Probleme der kommenden Jahre. „Im Moment ist der soziale Kahlschlag eines der größten Probleme, deren Folgen wir in den nächsten Jahren immer stärker sehen und spüren werden“, sagt sie.
Besonders gefährdet sieht sie Menschen, die bereits auf Unterstützung angewiesen sind. „Gerade Alleinerziehende, pflegende Angehörige, Rentner:innen sowie physisch und psychisch erkrankte Menschen werden massive Not erleiden, wenn sich die politischen Verhältnisse nicht ändern.“
„Die Klimakrise fragt nicht, ob wir an sie glauben“
Für den Wahlkreis 113 (Dortmund III) geht der 27-jährige Physik-Doktorand Jonah Blank ins Rennen. Er will wissenschaftliche Erkenntnisse stärker in politische Entscheidungen einfließen lassen und Klimaschutz mit sozialen Fragen verbinden.

„Die Physik interessiert sich nicht für Meinungen und Gefühle“, sagt Blank. Die Folgen des Klimawandels seien unabhängig davon, wie Menschen dazu stünden. „Wie man in diesem Sommer gesehen hat, fragt die Klimakrise nicht, ob wir an sie glauben.“
Mit ihren vier Kandidierenden will die Dortmunder Linke im kommenden Landtagswahlkampf vor allem soziale und ökologische Themen setzen. Bezahlbares Wohnen, Bildung, gute und sichere Arbeit, Klimaschutz und eine funktionierende öffentliche Daseinsvorsorge gehören zu den zentralen Forderungen.
Das gemeinsame Ziel: Sozialabbau verhindern, Klimaschutz sozial gerecht gestalten und insbesondere Menschen mit wenig Einkommen und besonders gefährdete Gruppen stärker unterstützen.
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