
Kurz vor dem Start der Fußball-Bundesliga setzt Dortmunds neuer Polizeipräsident Tim Frommeyer auf eine klare Aufgabenverteilung zwischen Vereinen und Polizei. Grundlage ist die neue Kooperationsvereinbarung zu den Stadionallianzen in Nordrhein-Westfalen. Sie soll die Sicherheit bei Fußballspielen erhöhen und zugleich die Polizei entlasten.
Vereine sollen im Stadion mehr Verantwortung übernehmen
„Gemeinsames Ziel von Vereinen und Polizei ist es, dass künftig nicht ein paar Chaoten dafür sorgen, dass Fußballspiele – die für hunderttausende Menschen Feste sind – immer mehr zu aufwändigen Hochsicherheitsangelegenheiten werden“, sagt Frommeyer. In der vergangenen Saison leistete die Polizei in Nordrhein-Westfalen nach eigenen Angaben rund 460.000 Arbeitsstunden bei Fußballeinsätzen. Das entspreche etwa 350 Polizist, die ein Jahr lang ausschließlich mit diesen Einsätzen beschäftigt seien.
Das nordrhein-westfälische Innenministerium, die Vereine der ersten drei Profiligen im Land und die Bundespolizeidirektion Sankt Augustin haben die neue Kooperationsvereinbarung in Düsseldorf unterzeichnet. Die Stadionallianzen gibt es in Nordrhein-Westfalen seit 2020. Sie regeln die Zusammenarbeit zwischen Vereinen und Polizei an den jeweiligen Spielorten.
Neu ist unter anderem, dass alle nordrhein-westfälischen Vereine der ersten drei Profiligen einbezogen werden. Auch die Bundespolizeidirektion Sankt Augustin gehört nun dazu, sodass die Reisewege der Fans stärker berücksichtigt werden können. Zudem bindet die Vereinbarung die Sicherheits- und Fanbeauftragten der Vereine ausdrücklich ein.
„Sicherheit rund um den Fußball gewinnt man nur als Mannschaft“
NRW-Innenminister Herbert Reul sieht Vereine, Landes- und Bundespolizei gemeinsam in der Verantwortung: „Sicherheit rund um den Fußball gewinnt man nur als Mannschaft. Vereine, die Polizei Nordrhein-Westfalen und Bundespolizei müssen geschlossen auftreten, mit klarer Aufstellung auf dem Platz und mit Verantwortung vom Anpfiff bis zur Nachspielzeit.“

Zugleich fordert Reul eine stärkere Verantwortung der Clubs und eine Entlastung der Polizei: „Die Vereine gehören in die Startelf, wenn es um Sicherheit im Stadion geht.“
Und weiter betont er: „Unser Ziel ist klar: Fußball soll in sicheren Stadien stattfinden und Freude machen, ohne Gewalt und ohne Pyrotechnik. Gleichzeitig müssen wir die Polizei spürbar entlasten, damit nicht jedes Spiel zum Dauereinsatz wird.“
Polizei soll nur noch im Ausnahmefall im Stadion eingreifen
Frommeyer bringt Erfahrungen aus Gelsenkirchen mit, wo er von Januar 2024 bis Juli 2026 Polizeipräsident war. Für ihn sei entscheidend, nicht zwischen Vereinsfarben, sondern zwischen friedlichem und strafbarem Verhalten zu unterscheiden. Wer Gewalt ausübe, dazu anstachle oder Straftaten begehe, müsse mit einem konsequenten Einschreiten rechnen.

Gleichzeitig sieht Frommeyer die Vereine als Veranstalter in der Verantwortung für die Sicherheit innerhalb der Stadien. „Sie kennen ihr Stadion, ihre Fans und ihre Abläufe am besten. Meine Kolleginnen und Kollegen werden deshalb grundsätzlich nicht mehr unmittelbar im Veranstaltungsbereich präsent sein, sondern nur noch im Ausnahmefall.“
Die Dortmunder Polizei will demnach im Stadion eingreifen, wenn Gefahren für Leib und Leben bestehen oder Straftaten ein sofortiges Handeln erfordern. Auch Fanmärsche soll sie im Normalfall nicht mehr begleiten. „Das ist kein Rückzug. Das ist ehrliche Aufgabenteilung“, betont Frommeyer.
Stadionverbote und Meldeauflagen gegen bekannte Störer
Auch der Leitende Polizeidirektor Achim Stankowitz unterstützt diesen Kurs. Er war unter anderem verantwortlicher Polizeiführer bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 am Spielort Dortmund. Frommeyer und Stankowitz setzen bei bekannten Störer auf eine „klare, repressive Linie“. Zu den Instrumenten gehören Stadionverbote, Platzverweise, Bereichsbetretungsverbote und Meldeauflagen.
Die neue Kooperationsvereinbarung hebt diese Maßnahmen ebenfalls hervor. Zugleich sollen die Einlasskontrollen stärker in den Fokus rücken, insbesondere um das Mitbringen von Pyrotechnik zu verhindern. „Hier sind die Veranstalter eindeutig in der Pflicht“, sagt Stankowitz.
Polizei und Vereine wollen Risiken frühzeitig erkennen
Neben repressiven Maßnahmen setzt die Stadionallianz auf Prävention und einen regelmäßigen Informationsaustausch. Vereine und Polizei sollen gemeinsam die Lage und mögliche Risiken einschätzen. Zeichnen sich vor einer Begegnung Störungen ab, sollen beide Seiten ihre Sicherheits- und Einsatzkonzepte frühzeitig anpassen.
Die Rollen bleiben dabei grundsätzlich getrennt: Die Vereine tragen die Verantwortung für die Veranstaltungssicherheit, während die Polizei für Gefahrenabwehr und Strafverfolgung zuständig ist. Auch die Qualifizierung der Sicherheits- und Ordnungsdienste erhält in der neuen Vereinbarung mehr Gewicht.
Mehr dazu auf Nordstadtblogger:

