
In den Ferien ist es ruhiger in der Stadt, die Politik macht Pause, Sauregurkenzeit eben. Eine Gelegenheit, Dortmund aus einer anderen Perspektive zu zeigen. Wir wollen Menschen treffen, bekannte und weniger bekannte, und uns von ihnen ihr Dortmund zeigen lassen. Welche Orte bedeuten dir etwas? Was verbindest du mit der Stadt und mit den Menschen, die hier leben? Heute: Jochen Tempel.
Der Mann, der Häuser rettet
Im März habe ich Jochen bei einem Pressetermin in der Kesselstraße kennengelernt. Als Bauunternehmer und Investor hat er dort ein Problemhaus in ein Modellprojekt verwandelt. Sein Mut, das Projekt anzugehen, die Liebe zum Detail, gepaart mit dem Wunsch, möglichst viel Originales zu erhalten – das sagt viel über ihn und sein Bild von Dortmund aus.
In dem Haus war früher eine Gaststätte, der Kesselflicker. Ich habe Jochen angerufen, ihn gefragt, ob er bei der Serie mitmacht, und er war sofort einverstanden. Jochen ist selbständig, mit etwa 40 Mitarbeitenden in seiner Firma liegt sein Schwerpunkt auf der Sanierung von Gebäuden. Seinen Lebensmittelpunkt hatte Jochen lange in der Nordstadt, bevor er nach Brechten zog.
Grinsend mit dem Fahrrad durch die Stadt

Jochen ist umtriebig, viel in der Stadt unterwegs. „Dortmund ist meine Heimat, auch wenn ich in Lünen geboren bin. Ich wohne gerne hier. Meine Termine – und ich habe viele Termine – nehme ich fast immer mit dem Fahrrad wahr“, sagt er.
Fast entschuldigend fügt er hinzu: „Ja, mit elektrischer Unterstützung, aber ich will nicht immer klatschnass bei den Kunden auftauchen. Das tut mir gut, es macht Spaß, und so fahre ich zwischen 40 und 70 km am Tag mit einem Grinsen im Gesicht durch die Stadt. Dadurch kenne ich die Stadt gut, ich kenne viele versteckte Ecken.“ Wenn ich sein Lächeln sehe, nehme ich ihm das sofort ab.
Die Everglades von Dortmund
Getroffen haben wir uns an der Straße „Auf dem Brink“. Ich bin etwas früh dran, warte einen Moment, lasse die Ruhe auf mich wirken. Hier liegt ein Naturschutzgebiet, ein Schild weist auf Greifvögel hin. Und da sieht man sie kreisen, hört ihr charakteristisches Kreischen.

Ich sehe einige Radfahrer, Fußgänger mit ihren Hunden. Eine Idylle. Mittlerweile ist Jochen angekommen, wir gehen in sein Revier. „Bei Google ist das Naturschutzgebiet unter dem Golf von Brechten eingetragen“, erklärt mir Jochen.
Das Wasser ist etwas versteckt, Bäume stehen darin, ich sehe Enten schwimmen, und wir erschrecken einen Fischreiher, der empört verschwindet. Wir biegen ab, gehen den Waldrand entlang. Überall wachsen Brombeeren, sie stehen in voller Reife.

Warum er mir unbedingt diesen Ort zeigen wollte, frage ich ihn. „Ich quatsche den ganzen Tag. Morgens fängt es mit den Besprechungen mit meinen Leuten an, dann Gespräche mit Kunden, mit der Verwaltung, mit anderen Firmen.“
Und er sagt den schönen Satz: „Mal Ruhe und Stille am Abend ist auch ein Wert für sich.“
Er erzählt weiter aus seinem Leben: „Ich habe das Leben in der Nordstadt genossen. Es sind aber nicht die Orte, sondern die besonderen Momente, die Begegnungen, die hängenbleiben und mir gut gefallen.“

„Ich finde schnell Kontakt, das ist in Dortmund einfach. In Kneipen, die nur einmal in der Woche aufhaben – eine Woche gibt es Frikadellen, nächste Woche Reibeplätzchen. Oder die Kohlenkirmes in Eving, das ist ein besonderes Erlebnis“, erklärt Tempel.
„Und hier, hier finde ich meine Ruhe, meine Auszeit. Wenn ich morgens mit dem Hund gehe, treffe ich meine Community, das ist schön. Hier kann ich ruhig sein, Natur erleben, meinem Sohn beim Fußball zusehen. Tagsüber brummt es, abends Ruhe, und wenn ich oder wir es wollen, sind wir mit dem Rad in 20 Minuten mitten im Leben. Einfach wunderbar.“
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!
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