Das blaugrüne Leben am längsten Fluss des Landes kehrt nach der Epoche der Kohle zurück

Festveranstaltung zum 100-jährigen Bestehen des Lippeverbandes

Bild zeigt: Impressionen aus dem Saal
In einer Festveranstaltung wurden nun das langjährige Engagement und die erreichten Ziele gewürdigt. Foto: H. Sommer

Vor einhundert Jahren, am 19. Januar 1926, wurde der Lippeverband als öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband gegründet. Ihm obliegt seither die Gewässerunterhaltung in einem Einzugsgebiet mit rund 1,4 Millionen Einwohner:innen. In einer Festveranstaltung wurden nun das langjährige Engagement und die erreichten Ziele gewürdigt.

An der Lippe entsteht wieder ein blaugrünes Leben

Dass die Lippe, ein 220 km langer rechter Nebenfluss des Rheins, im Jahr 2018 die Auszeichnung „Flusslandschaft des Jahres“ erhielt, ist ein deutliches Zeichen für gelungenen Umweltschutz. Schließlich war das Gewässer durch die Industrialisierung großen Belastungen ausgesetzt. Besonders die Abwassereinleitungen durch die Kokereien und andere Industriebetriebe verschmutzten das Gewässer und seine Uferzonen.

Bild zeigt: Der Saal ist gut gefüllt
Der Saal ist gut gefüllt. Foto: H. Sommer

Heutzutage stehen einige der Auen unter Naturschutz und die Maßnahmen der Renaturierung führten zur sichtbaren Erholung der Fauna und Flora. 1998 wurde sogar wieder ein Lachs im Fluss gesichtet!

Dabei ist das Unterfangen der Gewässerunterhaltung ausgesprochen anspruchsvoll. Zum einen aufgrund der Vielfalt der Aufgaben, zum anderen wegen der vielen beteiligten Akteur:innen.

Es geht um Wasserläufe mit einer Gesamtlänge von 430 Kilometern (davon die Lippe: 147 km), Abwasserkanäle, Deiche, Kläranlagen, Pumpwerke und Rückhaltebecken. Dem widmen die 154 Mitglieder des Lippeverbands ihre Aufmerksamkeit, wofür mittlerweile ein modernes Unternehmen mit effizienten Strukturen entstanden ist.

Eine gelungene Veranstaltung mit prominenter Beteiligung

Zur Festveranstaltung in der Salzhalle der ehemaligen Kokerei Hansa in Dortmund-Huckarde kamen zahlreiche Gäste. Vertreter:innen der am Lippeverband beteiligten Institutionen und Unternehmen, Politiker:innen aus Bundes- und Landtag, dem Europaparlament, aber vor allem natürlich auch aus den Kommunen fanden sich ein.

Bild zeigt: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst Foto: H. Sommer

Das Ambiente in der einstigen Industrieanlage war geschmackvoll hergerichtet. Schautafeln und Projektionen vermittelten ein eindrucksvolles Bild vom Natur- und Lebensraum entlang der Lippe. Bereits in der Begrüßung betonte Bodo Klimpel, Landrat des Kreises Recklinghausen und Ratsvorsitzender im Lippeverband, dass heute Selbstverständliches in einhundert Jahren erarbeitet wurde.

Dem schloss sich Hendrik Wüst, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, an. Wenn man bedenkt, welchen Belastungen die Natur und deren Gewässer in der Vergangenheit ausgesetzt waren, ist sauberes Wasser heutzutage immer das Ergebnis harter Arbeit, sagte er.

Die Qualität ist hoch, aber es ist viel dafür zu leisten. „Alles zeigt sich am Wasser“, so Wüst. „Wir haben tausende Aufgaben, aber auch viele Erfolge zu verzeichnen.“ Im Blick auf den Lippeverband lobte er die Wirksamkeit vernetzter Zusammenarbeit. So wurde NRW zum am besten versorgten Flächenland Deutschlands.

„Erfolgsgeschichten wie diese machen Mut und regen zur Nachahmung an“

Auch Carsten Schneider, Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, sprach davon, wie wichtig die Aufmerksamkeit für das Thema Wasser ist. „Das ist ein Schwerpunkt meiner Arbeit“, sagte er. Überhaupt müsse alles dafür getan werden, um die Folgen des Klimawandels weltweit zu begrenzen.

Bild zeigt:Prof. Dr. Uli Paetzel (Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes.
Prof. Dr. Uli Paetzel (Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes) Foto: H. Sommer

Hinsichtlich der sogenannten Ewigkeitslasten, der durch Bergbau und Atomwirtschaft verursachten Folgekosten, zeigt sich am Lippeverband, wie erfolgreich genossenschaftliches Engagement für das Gemeinwohl ist. „Erfolgsgeschichten wie diese machen Mut und regen zur Nachahmung an“, sagte er.

Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender im Lippeverband, betonte eindringlich die Verantwortung für die Zukunft, um die es geht. „Wir stehen vor Herausforderungen, die wir für unsere Kinder lösen müssen“, sagte er und mahnte, dass gegenwärtig die Demokratie durch rechte Kräfte gefährdet ist, die öffentliche Institutionen verächtlich machen.

Der Lippeverband übernimmt Verantwortung für die Zukunft der Region

Im Rahmen des Strukturwandels galt und gilt es, ausgebaute oberirdische Gewässer in einen naturnahen Zustand zurückzuführen. Hieraus ergeben sich positive Folgen für die Regelung des Grundwasserstandes und den Hochwasserschutz. Aber auch die Bereitstellung von Trinkwasser und die ökologische Beseitigung der regional anfallenden Abwässer gehören zu den Kernaufgaben des Lippeverbands.

Bild zeigt: Hendrik Wüst mit Prof. Dr. Uli Paetzel.
Hendrik Wüst mit Prof. Dr. Uli Paetzel. Foto: H. Sommer

„Seit den 1980er-Jahren haben wir dabei über eine Milliarde Euro in Kläranlagen, Abwasserkanäle sowie die ökologische Verbesserung der Gewässer investiert und damit die Gewässergüte entscheidend aufgewertet. Der ehemals hoch belastete Industriefluss Lippe erreicht heute auf weiten Strecken die Gewässergüteklasse 2 (gut)“, lässt der Verband wissen.

Damit wird ein wichtiger Beitrag für eine grüne Ruhrregion geleistet, die mittlerweile nicht allein in der alltäglichen Versorgung mit Trinkwasser, sondern, darüber hinaus, auch in Gestalt auenähnlicher Strukturen und naturnaher Uferbereiche der Lippe erlebbar ist.

Bild zeigt: Projektion an die Wand.
Schautafeln und Projektionen waren ebenfalls zu sehen. Foto: H. Sommer

Beeindruckend war der Film „100 Jahre Lippeverband“, der zwischen den Wortbeiträgen gezeigt wurde. Darin kommt der Fluss auch selbst zu Wort und spricht zu den Menschen: „Ihr seid uralt und blutjung, wild und zahm, laut und leise. Ihr seid wie ich, lebendig. Ich bin die Lippe. Ich war vor euch hier und gehe mit euch weiter durch so vieles, was noch vor uns liegt.“

Nähme man das nicht nur als künstlerischen Kniff, könnte man einen Fluss wie die Lippe ganz offiziell als Rechtssubjekt anerkennen. In anderen Ländern ist so etwas bereits erfolgt. Warum nicht auch hierzulande? Dann wären wir mit der Natur tatsächlich, wirklich und wirksam auf Augenhöhe!

Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

Unterstütze uns auf Steady

 Mehr dazu auf Nordstadtblogger:

Der Lippeverband prägt seit 100 Jahren die Wasserwirtschaft in Dortmund

Reaktion schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert