
Die Filmpremiere des Dokumentarfilms „Nur Mut – Von Psychokrisen + Seelentänzen“ von Horst Herz bringt ein gesellschaftlich hochaktuelles Thema auf die Kinoleinwand. Gezeigt wird der Film am Sonntag, 29. März, um 19 Uhr im Roxy Kino in Dortmund. Im Anschluss ist ein Filmgespräch mit Protagonist*innen und Gästen geplant, moderiert von Thomas Koch.
Sieben Menschen sprechen offen über ihre Lebensgeschichten
Der 100-minütige Film, gefördert von der Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen, widmet sich der wachsenden Zahl psychischer Erkrankungen in einer von Zukunftsängsten und Überforderung geprägten Gesellschaft.
Im Mittelpunkt stehen sieben Menschen, die offen über ihre Lebensgeschichten sprechen und Wege aus persönlichen Krisen aufzeigen. Dabei geht es nicht nur um Diagnosen wie Depressionen, Angststörungen, Psychosen oder Schizophrenie, sondern vor allem um den Umgang damit und die Suche nach neuen Perspektiven.
Der besondere Ansatz des Films liegt darin, die Betroffenen selbst zu Wort kommen zu lassen. „Das Neue und Besondere an dieser Doku ist, dass ausschließlich die Sicht der Betroffenen gezeigt wird“, sagt Regisseur Horst Herz. Eine Einordnung durch Expert*innen oder kommentierende Stimmen gibt es bewusst nicht. Stattdessen entsteht ein unmittelbarer Einblick in individuelle Lebensrealitäten, der Mut machen und Berührungsängste abbauen soll.
Film zeigt unterschiedliche Wege aus psychischen Krisen
Zu den Protagonist*innen gehört unter anderem Peter Horn aus Dortmund, der nach Alkoholabhängigkeit und Obdachlosigkeit wieder Halt im Leben fand. „Ich bin von ganz unten gekommen. Ich hab draußen gelebt“, beschreibt er seinen Weg. Heute schöpft er Kraft aus festen Strukturen im Alltag und dem Gefühl, gebraucht zu werden. „Wenn es wirklich nur einer ist, der sagt: ‚Der hat’s gepackt, ich probier das auch‘, dann hat sich alles gelohnt.“
Auch andere Lebensgeschichten zeigen eindrücklich, wie unterschiedlich Wege aus psychischen Krisen verlaufen können. Stephan verarbeitet seine Erfahrungen mit Sucht und Depression durch Musik und engagiert sich heute als Betreuer. Marina hat ihre Angststörungen mithilfe einer Therapie überwunden und blickt nach einem erfolgreichen Abitur optimistisch in die Zukunft. Karl-Heinz fand nach Jahren der Arbeitslosigkeit über einen 1-Euro-Job zurück in ein geregeltes Leben und übernahm schließlich Verantwortung als Abteilungsleiter.
Barbara wiederum musste nach einem Zusammenbruch infolge beruflicher Überlastung ihr Leben neu ordnen, während Marco als Fotograf und Aktivist trotz schwerer psychischer Erkrankungen seinen Alltag meistert. Günter schließlich entschied sich nach einer tiefen Sinnkrise bewusst für die Kunst und sagt heute: „Die Kunst hat mein Leben gerettet.“
Für „Nur Mut“ fand Horst Herz seine Inspiration im direkten Umfeld
Regisseur Horst Herz, der in Dortmund lebt, blickt auf eine jahrzehntelange Karriere im Dokumentarfilm zurück. Er war einer der ersten Studenten von Adolf Winkelmann an der Fachhochschule Dortmund und realisierte zahlreiche Filme zu politischen und gesellschaftlichen Themen. Bekannt wurde unter anderem sein Film „Streifzug“ (1984), der bei der Berlinale gezeigt wurde und Arbeiterproteste im Ruhrgebiet dokumentierte.

Auch für „Nur Mut“ fand Herz seine Inspiration im direkten Umfeld. Die Begegnung mit Protagonist Peter Horn und dessen Lebensgeschichte gab den Anstoß für das Projekt. Über mehrere Jahre hinweg begleitete Herz die Beteiligten und gewann ihr Vertrauen. Ziel war es, die Menschen nicht auf ihre Erkrankungen zu reduzieren, sondern ihre Persönlichkeit, ihr Umfeld und ihre Entwicklung sichtbar zu machen.
Der Film versteht sich als Plädoyer für einen offenen Umgang mit psychischen Erkrankungen und richtet sich ausdrücklich auch an Angehörige und Interessierte. Er zeigt, dass es Wege aus Krisen gibt und dass Hilfe möglich ist. Gleichzeitig will er dazu beitragen, Stigmatisierung abzubauen und gesellschaftliche Diskussionen anzustoßen.







