
Das „Black Pigeon“ in der Nordstadt feiert Jubiläum. Vor zehn Jahren eröffnete der anarchistische Buchladen in der Scharnhorststraße 50. Damals war der Laden Angriffen aus der Neonazi-Szene ausgesetzt. Diese warfen mehrmals die Scheibe der Ladenfront ein. Heute ist der Buchladen in der Dortmunder Nordstadt etabliert und bietet einiges über eine Auswahl von linken Büchern hinaus an, wie Sascha Bender im Nordstadtblogger-Interview verrät.
Die Anfangszeit: Eingeworfene Scheiben und Stress von Rechts
Doch zuerst blickt Bender auf die „recht wilde“ Anfangszeit zurück. Damals gab es wenige politische Räume, in denen sich Menschen einfach treffen und miteinander reden konnten. „Das braucht es gerade in der Nordstadt“, so Sascha Bender.

2016 gehörten aber auch Angriffe aus der Neonazi-Szene. Zwei Mal wurde die Frontscheibe eingeworfen, mit dem Ziel, dass der Vermieter den Mietvertrag mit dem anarchistischen Buchhandel nicht verlängert. ___STEADY_PAYWALL___
Daraufhin regte sich großer Gegenprotest in der Nordstadt. Die damalige Bezirksvertretung beschloss sogar einstimmig 3000 Euro für einen Rolladen-Vorbau zur Verfügung zu stellen. Der Mietvertrag wurde auch verlängert.
Heute ist das Interesse der Rechten an dem Buchladen auch wieder abgeklungen, so Bender. Teile der damaligen Neonazi-Szene siedelten in den Osten über, was die Mobilisation für Aktionen gegen den Buchladen heute erschwert. Zu Vorfällen sei es laut Bender deshalb schon länger nicht mehr gekommen.
Im Kleinen gegen autoritäre Tendenzen etwas bewirken
Neben dem Buchladen und einem offenem Raum zum Austausch bietet das „Black Pigeon“ freitags auch immer andere Angebote an. So gebe es Sprachkurse und Nachhilfe.

Der Laden kooperiere auch mit einer Initiative, die Lebensmittel rettet und Foodsharing im „Black Pigeon“ anbietet. Karin Urban von der Initiative betont, dass dieses Angebot Ausdruck einer gemeinsam ausgebildeten demokratischen Praxis sei und diese den weltweiten „autoritären Entwicklungen“ im Kleinen etwas entgegensetzen kann.
Es gibt auch Sozialberatungen zum Thema Bürgergeld oder Menschen, denen Gefängnisstrafe droht oder diese hinter sich haben.
Daneben wolle der Laden in Zukunft auch mehr Veranstaltungen, Lesungen und Buchvorstellungen organisieren. In den letzten Wochen habe das Team von „Black Pigeon“ außerdem die Inneneinrichtung und das Aussehen des Ladens überarbeitet und ansprechender gemacht. „Es kann so oder so ähnlich die nächsten zehn Jahre weitergehen“, meint Bender zufrieden.
Buchläden auch bundesweit als demokratische Räume wieder im Gespräch
Bundesweit sind Buchläden durch den Ausschluss dreier dezidiert linker Buchläden vom Buchhandelspreis, der auf der Leipziger Buchmesse vergeben wird, durch den Bundesbeauftragten für Kultur und Medien Wolfram Weimer (parteilos) wieder mehr ins öffentliche Interesse geraten.

Dieser hatte die Buchläden von der Liste der erfolgreichen Buchläden aufgrund von Informationen beim Verfassungsschutz genommen und statt zu kommunizieren, was genau dort vorliege, den Buchläden eine standardisierte Absage-Mail geschickt.
„Buchläden sind gerade in einer Demokratie wichtig, damit es eine kritische Öffentlichkeit gibt“, kommentiert Sascha Bender diesen Vorfall. Wenn der Staat Kunst und Kultur fördere, müsse er dieser auch einen Freiraum lassen.
Es sei „fatal“, wenn sich Kunst und Kultur wie in diesem Fall nicht gegen den Ausschluss wehren können und nicht transparent gemacht wird, weshalb sie ausgeschlossen werden. Hier müsse also auf allen Ebenen bei großen und kleinen Buchläden auch in Zukunft Aufmerksamkeit herrschen.
Feierlichkeiten am Freitag zum Jubiläum
Das „Black Pigeon“ wolle in Zukunft weiterhin ein Platz für die politische Meinungsbildung und für die Nachbarschaft da sein.
Das Jubiläum, zu dem das „Black Pigeon“ einlädt, feiert der Buchladen am Freitag (20. März) in der Scharnhorststraße 50 von 13-19 Uhr mit Kaffee und Kuchen.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

