
Die geplante Umgestaltung der südlichen Münsterstraße hat auch die Bezirksvertretung Innenstadt-Nord beschäftigt. In der letzten Sitzung stellte ein Gutachter des Planungsbüro Planersocietät die Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung vor. Anschließend diskutierten Bezirksvertreter:innen und Bürger:innen über das Konzept. Dabei ging es vor allem um Parkplätze, Verkehrsführung und die Auswirkungen auf Gewerbetreibende.
Gutachten vorgestellt – wie wird die Straße genutzt?

David Madden vom Planungsbüro Planersocietät erläuterte zunächst die Grundlagen der Untersuchung. In den vergangenen Monaten hätten Fachleute die Nutzung der Straße analysiert. Dazu wurden Verkehrsbewegungen gezählt, Aufenthaltsorte beobachtet und Gespräche mit Menschen vor Ort geführt.
Ziel sei gewesen, Stärken und Schwächen der heutigen Situation zu erkennen und darauf aufbauend verschiedene Zukunftsvarianten zu entwickeln. „Wir wollten verstehen, wer die Straße nutzt und wie sie genutzt wird“, erklärte Madden. ___STEADY_PAYWALL___
Madden: Es gibt kein Mengenproblem, es gibt ein Steuerungsproblem
Im Rahmen der Untersuchung wurden auch Menschen im Quartier befragt. Insgesamt nahmen nach Angaben der Gutachter 42 Anwohner:innen, 47 Kund:innen sowie 42 Gewerbetreibende teil.

Viele Anwohner:innen wünschten sich vor allem mehr Aufenthaltsqualität und weniger Autoverkehr. Auch viele Besucher:innen äußerten diesen Wunsch. Nach Angaben der Gutachter kommen mehr als 80 Prozent der Kundinnen und Kunden nicht mit dem Auto zur Münsterstraße. Unter Gewerbetreibenden überwog dagegen häufiger der Wunsch nach einem Umbau, der sich stärker am bestehenden Zustand orientiert. Allerdings gingen auch hier die Meinungen auseinander.
Die Untersuchung zeigte zudem, dass die Straße heute sehr unterschiedlich genutzt wird. Neben Auto- und Radverkehr spielt vor allem der Fußverkehr eine große Rolle. Viele Menschen nutzen die Münsterstraße auch als Aufenthaltsort, etwa Familien mit Kindern.
Gleichzeitig stellten die Gutachter mehrere Probleme fest: viel versiegelte Fläche, wenig Grün und eine hohe Belastung des Straßenraums durch parkende Autos. „Es gibt kein Mengenproblem, es gibt ein Steuerungsproblem“, sagte Madden mit Blick auf die heutige Verkehrsorganisation.
Vier Varianten untersucht – Kompromisslösung empfohlen
Auf Grundlage der Analyse entwickelten die Fachleute vier Varianten für die Neugestaltung der Münsterstraße. Die erste Variante sieht nur geringe Veränderungen vor und orientiert sich weitgehend am heutigen Zustand. Eine zweite Variante würde den Abschnitt zwischen Heiligegartenstraße und Mallinckrodtstraße vollständig zur Fußgängerzone machen.

Die dritte Variante greift den prämierten Entwurf aus einem Werkstattverfahren aus dem Jahr 2021 auf. Sie sieht unter anderem eine Einbahnstraßenregelung und eine stärkere Begrünung des Straßenraums vor. Die vierte Variante kombiniert Elemente aus mehreren Konzepten. Sie wird von den Gutachtern als Kompromisslösung empfohlen und trägt den Namen „Quartiersmitte Münsterstraße“.
Diese Variante sieht unter anderem einen erweiterten Fußgängerbereich rund um den Kirchplatz, Teile der Priorstraße sowie Bereiche an der Westhoffstraße und am Mehmet-Kubaşık-Platz vor. Lieferverkehr soll dort zeitweise weiterhin möglich sein. Auch Radverkehr und Anlieger mit privaten Stellplätzen sollen die Bereiche nutzen dürfen.
In anderen Abschnitten ist eine Einbahnstraßenregelung mit Tempo 20 geplant. Gleichzeitig soll mehr Platz für Grünflächen, breitere Gehwege, Aufenthaltsbereiche und Fahrradabstellanlagen entstehen.
Politik diskutiert vor allem über Parkplätze – Quartiersgaragen gewünscht
In der anschließenden Diskussion ging es in der Bezirksvertretung vor allem um Parkplätze und die künftige Verkehrsführung. CDU-Fraktionssprecher Dorian Marius Vornweg regte an, die Bürgerschaft noch einmal stärker einzubeziehen. So sei die von Planersocietät durchgeführte Befragung keineswegs methodisch repräsentativ.

Zugleich kritisierte er, dass die Perspektive der Wirtschaftsförderung in der Untersuchung kaum eine Rolle spiele. „Früher sind die schon mal gekommen und haben sich selbst ein Bild von der Situation gemacht“.
SPD-Fraktionssprecher Shaban Idrizi verwies darauf, dass ein großer Teil der Stellplätze wegfallen könnte. Laut Madden ist es jedoch unrealistisch, alle wegfallenden Parkplätze 1:1 umzulegen. Eine bessere Ausschilderung könne allerdings helfen, die Auslastung zu erhöhen.
„Wir freuen uns, dass die Umgestaltung vorangeht“ bekräftigte Bezirksbürgermeisterin Hannah Rosenbaum von den Grünen. Die Parksituation bleibe aber drängend. Die Schaffung von Quartiersgaragen könne hier für Abhilfe sorgen. So sei eine Umwandlung von Teilen der Tiefgarage des Dietrich-Keuning-Hauses theoretisch möglich. Dr. Kathrin Konrad aus dem Projekt „Emissionsfreie Innenstadt“, bestätigten, dass mit den Betreibern entsprechende Gespräche geführt werden können.
Unterschiedliche Stimmen aus dem Quartier
In der Bürgersprechstunde meldeten sich auch Vertreterinnen aus dem Umfeld der Münsterstraße zu Wort. Gülcan Urul, die dort ein Brillengeschäft betreibt, verlas eine Stellungnahme der Interessengemeinschaft Münsterstraße, in der sich ansässige Gewerbetreibende organisieren.

Grundsätzlich unterstütze man Ziele wie mehr Aufenthaltsqualität, Begrünung und barrierefreie Wege. Mit der von der Stadt bevorzugten Variante vier sei die Interessengemeinschaft jedoch nicht zufrieden. Sie fordert unter anderem, die bisherige Fahrtrichtung an der Heiligegartenstraße beizubehalten und Zufahrten – etwa über die Priorstraße – weiterhin zu ermöglichen.
Widerspruch kam von Verda Gökmen vom Hotel „Drei Kronen“. Sie sprach sich für eine stärkere Verkehrsberuhigung aus und verwies auf Sicherheitsprobleme durch parkende Autos, und unübersichtliche Situationen im Straßenraum. „Das ist unmöglich! Kein Respekt vor älteren Menschen und Passanten“, erklärte sie mit Blick auf Verkehrssünder:innen.
Gökmen betonte zudem, dass die Interessengemeinschaft Münsterstraße nicht alle Gewerbetreibenden im Quartier vertrete. Viele unterstützten die Pläne der Stadt.
Bezirksvertretung spricht sich für „Quartiersmitte Münsterstraße“ aus
Am Ende der Sitzung beschloss die Bezirksvertretung einen Antrag der Fraktion von Grünen und Die PARTEI. Darin nimmt das Gremium den Endbericht der Verkehrsuntersuchung zur Kenntnis und spricht sich grundsätzlich für die empfohlene Variante „Quartiersmitte Münsterstraße“ aus. Gleichzeitig soll langfristig auch eine weitergehende Umgestaltung zur Fußgängerzone möglich bleiben.
Zudem bittet die Bezirksvertretung die Verwaltung zu prüfen, ob auf der Parkfläche an der Priorstraße/Ecke Leopoldstraße eine mehrstöckige Quartiersgarage entstehen könnte. Auch Gespräche mit dem Betreiber DOPARK über eine mögliche Nutzung der Tiefgarage am DKH als Quartiersgarage sollen geführt werden.
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