
Die Stadt Dortmund will den Wettbewerb zwischen klassischen Taxi- und Mietwagenunternehmen, die über Plattformen wie Uber oder Bolt vermittelt werden, künftig stärker regulieren. Die Verwaltung plant Mindestentgelte für sogenannte taxiähnliche Mietwagenfahrten sowie eine Anpassung der Taxitarife. Damit soll verhindert werden, dass sich der Wettbewerb zunehmend zulasten des traditionellen Taxigewerbes verschiebt.
Die Stadt Dortmund will weitere Wettbwerbsverzerrungen verhindern
Der zuständige Dezernent, Arnulf Rybicki erklärte, dass die Verwaltung dem Rat einen zweistufigen Beschluss vorschlagen werde. „Die Verwaltung wird dem Rat einen zweistufigen Beschluss vorschlagen: Eine Allgemeinverfügung zur Festsetzung von Mindestarifen für Mietwagenfahrten und die Änderung des Taxitarifs.“ Hintergrund sei eine Entwicklung auf dem Dortmunder Markt, die die Stadt seit einiger Zeit beobachte. ___STEADY_PAYWALL___

„Aus der Beobachtung heraus, dass sich Firmen wie Uber und Bolt stark ausbreiten, während Taxiunternehmen Fahrzeuge reduzieren oder sich abmelden, haben wir die Branche untersuchen lassen“, sagte Rybicki. Die Stadt habe dafür ein spezialisiertes Gutachterunternehmen beauftragt. Das Ergebnis sei eindeutig: „Ein Gutachten vom Februar zeigt, dass ein Verdrängungswettbewerb stattfindet.“
Nach Angaben der Stadt sind die Unterschiede in den gesetzlichen Rahmenbedingungen ein zentraler Grund für die Wettbewerbsverzerrung. Taxis gehören in Deutschland zum Öffentlichen Personennahverkehr und unterliegen dem Personenbeförderungsgesetz. Damit gelten für sie verbindliche Tarife, die von den Kommunen festgelegt werden. Außerdem haben Taxiunternehmen eine Beförderungspflicht und dürfen Fahrten nicht ablehnen, nur weil sie wirtschaftlich unattraktiv sind.
„Taxen gehören zum öffentlichen Personennahverkehr und sind gesetzlich geregelt“, betonte Rybicki. „Es gibt kommunale Tarife, eine Beförderungspflicht und sie dürfen Fahrten nicht ablehnen, nur weil sie wirtschaftlich uninteressant sind.“ Mietwagenunternehmen hätten dagegen bislang deutlich größere Freiheiten bei der Preisgestaltung.
Unterschiedliche Regeln für Taxi- und Mietwagenverkehr
Während Taxiunternehmen an feste Tarife gebunden sind, können Mietwagenunternehmen ihre Preise frei festlegen und teilweise dynamisch über Apps anpassen. Die Fahrten werden meist über Plattformen wie Uber oder Bolt vermittelt, die selbst keine Taxiunternehmen sind, sondern lediglich Aufträge an konzessionierte Mietwagenunternehmen weitergeben.

Auch organisatorisch unterscheiden sich beide Modelle. Taxis dürfen sich an Halteplätzen bereithalten oder spontan Fahrgäste aufnehmen. Mietwagenfahrten müssen dagegen vorab gebucht werden. Zudem gilt für Mietwagen die sogenannte Rückkehrpflicht: Nach einer Fahrt müssen sie eigentlich zu ihrem Betriebssitz zurückkehren.
Nach Beobachtung der Stadt werde diese Regel allerdings nicht immer eingehalten. „Mietwagen sind in der Preisgestaltung bislang frei, müssen aber Bedingungen wie die Rückkehrpflicht zum Betriebssitz erfüllen, was beobachtbar nicht immer eingehalten wird“, sagte Rybicki.
Taxitarife sollen steigen – aktuelle Preise gelten als zu niedrig
Neben Mindestentgelten für Mietwagen plant die Stadt auch eine Anpassung der Taxitarife. Diese gelten in Dortmund seit 2022 und sind nach Einschätzung der Verwaltung inzwischen nicht mehr wirtschaftlich tragfähig.

„Unsere derzeitigen Taxitarife in Dortmund sind sehr günstig – wir kennen keine andere Kommune in Nordrhein-Westfalen mit günstigeren Tarifen“, erklärte Rybicki. Gleichzeitig seien die Kosten für Personal, Versicherungen, Fahrzeuganschaffungen und Betrieb deutlich gestiegen.
Die Verwaltung schlägt deshalb eine durchschnittliche Erhöhung um etwa 11 bis 12 Prozent vor. „Diese sind derzeit nicht mehr auskömmlich. Daher wollen wir die Tarife im Durchschnitt um 11 bis 12 Prozent anheben.“ Die Kilometerpreise sollen sowohl für den ersten als auch für die weiteren Kilometer steigen. Im Nachttarif soll die Erhöhung etwas geringer ausfallen.
Mindestentgelte für Mietwagen sollen dem Taxi-Tarif entsprechen
Parallel dazu sollen auch für taxiähnliche Mietwagenfahrten Mindestpreise gelten. Diese sollen sich am neuen Taxitarif orientieren. „Gleichzeitig sollen für taxiähnliche Mietwagenfahrten die gleichen Bruttotarife gelten wie für das Taxigewerbe“, sagte Rybicki.

Nach Vorstellung der Verwaltung soll so verhindert werden, dass einzelne Anbieter über besonders niedrige Preise Marktanteile gewinnen und damit langfristig das Taxigewerbe verdrängen. Gleichzeitig sollen sowohl Taxi- als auch Mietwagenunternehmen die Möglichkeit erhalten, für bestimmte Fahrten Pauschalpreise anzubieten.
„Beiden wird ermöglicht, Pauschalpreise für Fahrten anzubieten, die mindestens eine Stunde vorher bestellt wurden“, erklärte Rybicki. Damit sollen Unternehmen weiterhin flexibel auf Nachfrage reagieren können.
Kritik: Warum greift die Stadt in den Markt ein?
Die geplanten Maßnahmen stoßen allerdings auch auf kritische Nachfragen. Auf Nachfrage von Nordstadtblogger wurde etwa die grundsätzliche Frage gestellt, warum eine Kommune überhaupt in den Wettbewerb eingreifen sollte, wenn private Anbieter möglicherweise günstigere Preise für Fahrgäste ermöglichen.

Rybicki verwies dabei auf die gesetzlichen Vorgaben. „Das Personenbeförderungsgesetz verpflichtet die Städte sogar dazu, solche Tarife einzuführen. Es ist eine kommunale Aufgabe.“ Zudem gebe es Hinweise darauf, dass die niedrigen Preise teilweise nur durch problematische Geschäftsmodelle möglich seien
„Dass private Mietwagenunternehmen günstigere Preise anbieten können, nährt zwei Vermutungen: Sozialdumping bei den Lohnkosten oder ein reiner Verdrängungsmechanismus durch Subventionen“, sagte er. Wenn ein funktionierender Taxibetrieb im öffentlichen Interesse liege, könne die Stadt diese Entwicklung nicht einfach laufen lassen.
„Da ein funktionierender Taxibetrieb im öffentlichen Interesse liegt, können wir diese Entwicklung nicht zulassen. Wir müssen an den Preisen ansetzen, um faire Bedingungen zu schaffen.“
Schutz für alte Geschäftsmodelle oder von Verbraucherinteressen?
Auch die Frage, ob damit vor allem Taxiunternehmen geschützt werden sollen, während Verbraucher:innen von günstigen Preisen profitieren könnten, wurde angesprochen. Rybicki widersprach dieser Darstellung: „Uber und Bolt sind Plattformen, keine Taxiunternehmen“, sagte er. Sie vermittelten lediglich Fahrten an lokale Mietwagenbetriebe. Reguliert würden deshalb nicht die Plattformen selbst, sondern die taxiähnlichen Fahrten der angeschlossenen Mietwagenunternehmen.

Ziel sei aus Sicht der Verwaltung nicht der Schutz einzelner Anbieter, sondern stabile Marktbedingungen. „Es geht nicht um den Schutz einzelner Unternehmen, sondern um faire Bedingungen für den gesamten Markt.“
Langfristig könne eine Regulierung auch den Fahrgästen zugutekommen, obwohl vorerst die Preise steigen werden. „Ein regulierter Markt schützt am Ende auch die Fahrgäste vor Monopolpreisen, die oft entstehen, wenn der Wettbewerb erst einmal verdrängt wurde“, so Rybicki.
Neben neuen Tarifen und Mindestentgelten will die Stadt auch die Kontrolle der bestehenden Regeln verstärken. Dazu gehören unter anderem die Einhaltung der Rückkehrpflicht für Mietwagen sowie die Einhaltung der neuen Preisvorgaben.„Wir werden die Einhaltung durch regelmäßige Stichproben und Sondereinsätze verstärkt überprüfen“, kündigte Rybicki an.
Der Rat der Stadt Dortmund soll im März über die geplante Allgemeinverfügung entscheiden. Wenn das Gremium zustimmt, könnten die neuen Regelungen ab Sonntag, 1. Juni, in Kraft treten.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!


Reaktionen
I. Torn
Man lässt den Wirtschaftsmarkt das also nicht selber regeln. Wieder werden Unternehmen behindert, die in einer Großstadt (und wenn das Schule macht in Deutschland) innovative Angebote und Dienstleistungen auf den Markt bringen wollen. Nur, um alte und verkrustete Strukturen auf Biegen und Brechen zu erhalten.
Taxifahrten sind sowieso schon etwas sehr elitäres, bei den bestehenden Preisen. Wie das so ist bei Sachen, die sich die meisten Bürger kaum noch leisten können, entwickeln Menschen Ideenreichtum, um Lösungen zu finden. Politik macht es wieder kaputt. Null Verständnis für das.
Udo Stailer
Taxifahren ist für den normalen Bürger prohibitiv teuer.
Die Dortmunder Politik führt einen regelrechten Krieg gegen das private Automobil: Im Kreuzviertel sollen 176 Parkplätze ersatzlos einer Fahrradstraße weichen.
In den öffentlichen Verkehrsmitteln muss man Angst um sein Leben haben.
Wer nicht Rad fahren kann oder will, soll zu Fuß gehen – oder besser gleich zu Hause bleiben?
Und dann Uber und Bolt: Sie bieten guten Service zu vergleichsweise günstigen Preisen und machen den etablierten Platzhirschen Konkurrenz. Das darf natürlich nicht sein! Regulieren!
Es ist einfach zum Verzweifeln, welche Ideen die Dortmunder Politik immer wieder ausheckt.
Stellungnahme von Bolt zum Thema Mindestpreise für Mietwagenunternehmen in Dortmund (PM)
Christoph Hahn, General Manager Bolt Deutschland, betont:
„Die geplante Gleichsetzung der Preise von Taxis und Mietwagen würde vor allem eines bedeuten: höhere Preise für Fahrgäste – ohne die strukturellen Herausforderungen im Taxigewerbe zu lösen. Mobilität darf kein Luxus werden. Gerade für Menschen mit geringerem Einkommen sind flexible Fahrdienste eine wichtige Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr.
Die Annahme, niedrigere Preise seien nur durch Sozial- oder Lohndumping möglich, weisen wir zurück. Bolt vermittelt ausschließlich Fahrten an konzessionierte Mietwagenunternehmen, die den geltenden gesetzlichen Vorgaben unterliegen. Wirtschaftlich tragfähig wird das Modell nicht durch künstlich festgelegte Preise, sondern durch eine effiziente Auslastung der Fahrzeuge.
Zudem zeigen Analysen aus vielen Städten, dass die Nachfrage im Taxigewerbe bereits lange vor dem Aufkommen digitaler Plattformen zurückging. Diese Entwicklung ist daher weder allein auf neue Anbieter zurückzuführen, noch lässt sie sich durch Mindestpreise für Mietwagen aufhalten. Außerdem: Höhere Preise führen in der Regel zu weniger Fahrten und damit auch zu geringeren Einnahmen für Fahrerinnen und Fahrer.
Statt starrer Preisvorgaben braucht es aus unserer Sicht einen modernen Rahmen, der fairen Wettbewerb ermöglicht, konsequente Kontrollen sicherstellt und Innovation zulässt. Nur so kann ein vielfältiges, verlässliches und für alle zugängliches Mobilitätsangebot in Städten bestehen.“