
Der 27. Januar ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Der Tag wurde 2005 von den Vereinten Nationen zum Gedenken an den 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau eingeführt. In Dortmund finden aus diesem Anlass mehrere Veranstaltungen statt, die an die Opfer des Holocaust erinnern. Musik, Lesungen und Podiumsgespräche verbinden künstlerische und politische Perspektiven. Die Veranstaltungen thematisieren historische Erinnerung, jüdisches Leben und aktuelle Herausforderungen wie Antisemitismus.
Musikalisches Erinnern zum Holocaust-Gedenktag in St. Martin
Ein ganz besonderes Konzertprojekt verbindet zum internationalen Holocaust-Gedenktag in Dortmund musikalische Erinnerung und Empathie. Unter dem Titel „Mit OBHUT – Ein Ruf in die Zukunft“ verbinden Musiker:innen aus dem Ruhrgebiet und Leipzig historische jiddische und hebräische Wiegenlieder mit zeitgenössischen Klangformen und schaffen einen offenen Raum für gemeinsames Erinnern. Die Lieder stehen für das, was geblieben ist, wenn alle anderen Spuren ausgelöscht wurden. Ausgangspunkt ist ein Zitat aus „Fluchtstücke“ von Anne Michaels: „Das einzige, was man für die Toten tun kann, ist, für sie zu singen.“

Am 26. Januar besuchen die beteiligten Künstler:innen ausgewählte Stolpersteine in Dortmund. Dort erklingen kurze musikalische Gedenkmomente als Zeichen gegen das Vergessen und für eine lebendige Erinnerungskultur im öffentlichen Raum.
Das zentrale Konzert findet am 27. Januar um 19.30 Uhr in der Kirche St. Martin an der Gabelsbergerstraße 32 in Dortmund statt. Die Musikerinnen Ingala Fortagne (Gesang) und Pina B. Rücker (Percussion) treten gemeinsam mit Tobias Bredol am Klavier und Sven Vilhelmsson am Kontrabass auf. Ihre unterschiedlichen Klangwelten verbinden sich zu einem eindringlichen musikalischen Dialog über Verlust und Hoffnung.
Bereits am 23. Januar geht das Duo Ingala Fortagne und Pina B. Rücker in den halböffentlichen Raum und spielt eine Auswahl der Lieder im Christopherus-Hof in Witten. Begleitend zum Projekt ist ein Trailer veröffentlicht worden. Die Initiator:innen freuen sich, wenn die Einladung weitergeleitet wird und das Projekt im Freundes- und Bekanntenkreis Gesprächsstoff bietet. Unterstützt wird das Erinnerungsprojekt von der LWL-Stiftung. Miteilung Ende.
Literarisches Erinnern mit den Tagebüchern der Anne Frank
Das Bündnis Dortmund gegen Rechts lädt am 27. Januar 2026 ebenfalls zu einer Veranstaltung anlässlich der Befreiung von Auschwitz ein. Um 18 Uhr findet im Studio B der Stadt- und Landesbibliothek (Max-von-der-Grün-Platz 1–3) eine Lesung unter dem Titel „Anne Frank – eine von 6 Millionen“ statt.

In ihren weltberühmten Tagebüchern hat die Gefühls- und Gedankenwelt der mit 15 Jahren nach Auschwitz deportierten und in Bergen Belsen ermordeten Anne Frank überlebt. „Im Andenken an alle Opfer des Holocaust wollen wir ihr kurzes Leben und ihr ergreifendes literarisches Lebenszeichen in Erinnerung rufen“, so die Veranstalter:innen.
Tirzah Haase liest aus dem Tagebuch, musikalisch begleitet wird die Veranstaltung vom Trio Nefesch. Der Eintritt ist frei.
Podiumsdiskussion zu jüdischem Leben heute
Unter dem Titel „Jüdisches Leben 81 Jahre nach Auschwitz: Bedroht, bewacht, bewahrt?“ findet am 27. Januar 2026 von 18 bis 19.30 Uhr in der Bürgerhalle des Rathauses Dortmund (Friedensplatz 1) eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion statt. Expert:innen sprechen über die Gefahren des Antisemitismus und dessen Auswirkungen auf jüdisches Leben in Deutschland. Die Teilnahme ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich.

Teilnehmende sind Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland; Dr. Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für Jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen den Antisemitismus; Zwi Rappoport, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Dortmund; sowie Hanna Pustilnik, Vorstand des Jüdischen Studierendenverbandes NRW.
Moderiert wird das Gespräch von Jörg Rensmann, Politikwissenschaftler und Leiter der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus NRW, sowie Dr. Markus Günnewig, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von Dortmund Musik.education.
Für die Veranstaltung kooperieren Volkshochschule Dortmund, Auslandsgesellschaft.de e.V., Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, Museum für Kunst und Kulturgeschichte, ADIRA – Antidiskriminierungsberatung und Intervention bei Antisemitismus und Rassismus.


Reaktionen
Demokratieförderung als Auftrag für die Zukunft: Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus – Emschergenossenschaft und Lippeverband gedenken der Opfer des Nationalsozialismus (PM)
Emscher-Lippe-Region. Vor 81 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das deutsche Menschenvernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit. Seit 2005 gilt der 27. Januar als Holocaust-Gedenktag. Auch Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV) gedenken anlässlich dieses Jahrestages der Opfer des Nationalsozialismus. Die beiden Wasserwirtschaftsverbände setzen sich bereits seit vielen Jahren kritisch mit ihrer eigenen Rolle in der Zeit der Nazi-Diktatur auseinander. Abgeleitet aus der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit betrachten EGLV Demokratieförderung als einen festen Bestandteil ihres Selbstverständnisses.
„Demokratie lebt vom Mitmachen – und als EGLV schaffen wir dafür bewusst Räume: als Arbeitgeber, Verbände und Teil der Region. Unsere Aufgabe ist eine demokratisch geprägte Wasserwirtschaft, die gesellschaftliche Teilhabe fördert, Verantwortung in der Region übernimmt und damit das Vertrauen in demokratische Institutionen nachhaltig stärkt“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender von Emschergenossenschaft und Lippeverband.
Historische Forschungen im Auftrag von EGLV haben gezeigt, dass beide Wasserwirtschaftsverbände Teil des menschenverachtenden nationalsozialistischen Systems waren: Sie entließen Mitarbeitende jüdischen Glaubens oder sozialdemokratischer Überzeugung und beschäftigten über ihre Auftragnehmer*innen indirekt Zwangsarbeiter*innen auf ihren Baustellen. Aus dieser historischen Verantwortung leiten EGLV heute einen klaren Auftrag ab: Demokratie zu fördern – nach innen wie nach außen.
Diese Verantwortung ist heute aktueller denn je. Das Ruhrgebiet steht vor sozialen und ökonomischen Herausforderungen: überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit, niedrige Einkommen, geringere Bildungschancen und eine vielerorts defizitäre Infrastruktur. Vor diesem Hintergrund sinkt das Vertrauen in die demokratischen Institutionen. Wahlergebnisse zeigen, dass insbesondere in strukturell benachteiligten Städten etablierte Parteien an Zustimmung verlieren, während extreme Kräfte erstarken. In diesem Spannungsfeld verstehen EGLV ihre Rolle nicht nur als Dienstleister, sondern auch als aktiver Teil der demokratischen Zivilgesellschaft.
Demokratieförderung auf mehreren Ebenen – intern wie extern
Demokratieförderung ist dabei auf mehreren Ebenen verankert. Intern soll der Fokus auf der Sensibilisierung und Beteiligung der Beschäftigten liegen. Zum Beispiel gehören kurzfristige Maßnahmen dazu wie Mini-Umfragen zur Einübung demokratischer Prozesse im Arbeitsalltag oder die Integration demokratischer Inhalte in bestehende Weiterbildungsangebote. Mittelfristig sollen Schulungsformate zu Mitbestimmung und Antidiskriminierung etabliert werden.
Extern setzen EGLV auf gelebte Partizipation und Transparenz. Bürger*innen, Mitglieder und Partner sollen aktiv in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. So entsteht eine Verantwortungsgemeinschaft, die Hand in Hand mit der Zivilgesellschaft und allen demokratischen Akteuren die Region gestaltet. Projekte wie die Mitgestaltung der Blauen Klassenzimmer bieten Bürger*innen die Möglichkeit, sich direkt einzubringen und basisdemokratische Werte praktisch zu erfahren. Gleichzeitig werden Projektleiter*innen geschult, um Beteiligungsprozesse systematisch in ihren Vorhaben zu verankern. Kooperationen mit Schulen und Hochschulen tragen dazu bei, junge Menschen für demokratische Prozesse und Themen der Wasserwirtschaft zu sensibilisieren.
Emschergenossenschaft und LippeverbandEmschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV) sind öffentlich-rechtliche Wasserwirtschaftsunternehmen, die als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip leben. Die Aufgaben der 1899 gegründeten Emschergenossenschaft sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz. Der 1926 gegründete Lippeverband bewirtschaftet das Flusseinzugsgebiet der Lippe im nördlichen Ruhrgebiet und baute unter anderem den Lippe-Zufluss Seseke naturnah um. Gemeinsam haben Emschergenossenschaft und Lippeverband rund 2.000 Beschäftigte und sind Deutschlands größter Abwasserentsorger und Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken (rund 782 Kilometer Wasserläufe, rund 1533 Kilometer Abwasserkanäle, mehr als 500 Pumpwerke und 59 Kläranlagen). http://www.eglv.de