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„Wir sind alle Menschen! Wir wollen leben!“ – Interreligiöse Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz

Teilnehmer der Gedenkstättenfahrt vor dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin.

„Shalom, Salam und Friede sei mit euch“ mit diesen Worten begann die Gedenkzeremonie zum Abschluss einer außergewöhnlichen Gedenkstättenfahrt. An der sogenannten Judenrampe neben dem Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau hatten sich 45 junge Menschen versammelt um der Opfer von Auschwitz zu gedenken. Die Frage „Wo war Gott in Auschwitz?“ hatte die jungen Menschen muslimischen, jüdischen und christlichen Glaubens zusammen geführt.

Vorbereitung mit Besuchen in Dortmunder Gotteshäusern und in Berlin

In einer ausführlichen Vorbereitung waren sie sich näher gekommen. Sie besuchten die katholische Junge-Kirche, die Dortmunder Synagoge, die Evinger Moschee und eine evangelische Kirche. Sie erzählten von ihrem Glauben, entdeckten Gemeinsamkeiten und Unterschiede und wurden beim gemeinsamen Essen miteinander vertraut.

Den Auftakt der sechstägigen Gedenkstättenfahrt bildete ein Aufenthalt in Berlin. Dort, in der Hauptstadt des deutschen Reiches wurde der Völkermord an den Juden und den Sinti und Roma geplant und vorbereitet. Von dort wurde der Antisemitismus geschürt und jeder Widerstand im Keim erstickt. Im jüdischen Museum entdeckten die Jugendlichen die Vielfalt und den Reichtum der jüdischen Kultur und entdeckten die gemeinsamen Wurzeln ihrer Religion. Am Denkmal für die ermordeten Juden Europas bekamen sie einen ersten Eindruck von dem, was in den nächsten Tagen folgen sollte.

Zentrale Frage: „Wo war Gott in Auschwitz?“

Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz: Die Dortmunder in der Synagoge in Oświęcim.

„Wo war Gott in Auschwitz?“ Diese Frage führte die jüdischen, muslimischen und christlichen Jugendlichen weiter in die polnische Kleinstadt Oświęcim. Dort errichteten die deutschen Besatzer nach dem Überfall auf Polen das Konzentrationslager Auschwitz. Über eine Million Menschen fanden hier und im später errichteten Lager Birkenau den Tod.

Gemeinsam besuchten die Dortmunder Jugendlichen die Orte, an denen der Völkermord stattfand. Über Religionsgrenzen hinweg trauerten sie miteinander um die unzähligen jüdischen Opfer. Die Abende waren geprägt von langen Gesprächen. Im vertrauten Miteinader wurde die Sprachlosigkeit überwunden und das Gefühl von Wut und Verzweiflung konnte überwunden werden.

Völkermord- Überlebender machten den Jugendlichen Mut

Mut machte den Teilnehmern der Gedenkstättenfahrt das Gespräch mit Edward Paczkowski. Der 83jährige Roma überlebte als einziger seiner Familie den Völkermord. Packowski ließ die Jugendlichen an seinem Schicksal teilhaben. Er berichtete von seiner Kindheit und Jugend die geprägt war vom Widerstand gegen die deutschen  Besatzer, dem Schrecken von Auschwitz und der Befreiung in Bergen-Belsen. Sein Glauben an G-tt hat dem Katholiken immer wieder Kraft gegeben. Er machte den Jugendlichen Mut und gab ihnen sein Lebensmotto mit auf den Weg: „Wir sind alle Menschen! Wir wollen leben!“

 Gedenkzeremonie an der sogenannten Judenrampe

Die Dortmunder Jugendlichen legten Blumen und Briefe an der sogenannten Judenrampe im KZ nieder.

Mit der Frage „Wo war der Mensch in Auschwitz? Wo sind wir heute?“ endete die Gedenkzeremonie vor dem alten Güterwaggon an der sogenannten Judenrampe. Die Antwort gaben die Jugendlichen n einem persönlichen Bekenntnis: „Du und ich, wir alle sind heute und für alle Zeit Botschafter und Botschafterinnen der Erinnerung und Kämpfer für Gerechtigkeit. Lasst uns heute gedenken und morgen handeln.“

Am 10. November, einen Tag nach dem Gedenktag an die Novemberpogrome, trafen sich die Jugendlichen um mit dem Handeln zu beginnen. Gemeinsam besuchten die muslimischen, jüdischen und christlichen Jugendlichen die Gedenkveranstaltung am Platz der alten Synagoge. Gemeinsam mit den anderen Besuchern und Besucherinnen setzten sie so ein deutliches Signal gegen Antisemitismus. Direkt nach der Veranstaltung begannen die Vorbereitungen für gemeinsame weiterführende Aktivitäten.

Ausstellung gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit geplant

Unter dem Motto „Wir sind alle Menschen! Wir wollen leben!“ entwickeln die Jugendlichen in den nächsten Monaten eine Ausstellung die ihre gemeinsame Erfahrung bündelt, gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit Position bezieht und den Besucherinnen und Besuchern Mut macht zu gegenseitiger Anerkennung und zum gemeinsamen Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit.

„Shalom, Salam und Friede sei mit euch“ diese Worte werden die jungen BotschafterInnen der Erinnerung begleiten. Unterstützt werden sie dabei vom Jugendring Dortmund und den teilnehmenden Jugendverbänden.

 

Zusatzinfo:

Die Gedenkstättenfahrt der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend Dortmund (aej) fand in Kooperation mit dem Bund der deutschen katholischen Jugend BDKJ Dortmund, der Muslimischen Jugend in Deutschland MJD, dem Westfälisch-Jüdischen Jugendbund und dem Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk IBB statt. Sie wurde unterstützt durch den Kinder- und Jugendförderplan des Landes NRW,  das Deutsch-Polnische –Jugendwerk und den kommunalen Förderplan der Verbände. Die Gedenkstättenfahrt ist eingebunden in das mehrfach ausgezeichnete Projekt „BotschafterInnen der Erinnerung“ des Jugendring Dortmund.

 

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