NIUS: Wenn die neue Pächterin ihre Gäste einlädt und das Internet ein Problem damit hat

Neue Betreiberin der Kantine der Arbeitsagentur – für manche ein Problem

Heike Bettermann und Selvi Aksünger stehen vor der Cafeteria und schauen in die Kamera
Selvi Aksünger und Heike Bettermann haben beide keine Nachfragen von der Plattform NIUS bekommen. Stattdessen werden sie auf Instagram bzw. E-Mail zugeschüttet. Erik Latos | Nordstadtblogger

Freitag der 13. und der Tag startet für Selvi Aksünger mit einem Drohanruf. „Es kam ein Anruf mit unterdrückter Nummer und dann sagte jemand – in etwa – dass man ja nun wisse, wo man mich finden kann, und ob ich da noch mal heil rauskomme, das könne man nicht sagen.“ Noch so einen Anruf und eine Presseanfrage später wusste Aksünger immer noch nicht, was denn jetzt das Problem sein sollte.

Ein Vorwurf, aus der Luft gegriffen

Das Problem ist ein Artikel des Internetportals NIUS. Laut dem Autoren eines kurzen Artikels hätte die Agentur für Arbeit in Dortmund ihre Kunden zum Fastenbrechen eingeladen und das von Steuergeld bezahlt – in den Augen einiger Internetnutzer ein doppelter Affront. Nicht nur dass Arbeitslose etwas zu essen kriegen, sondern auch noch Muslime. Den vermeintlichen Skandal griff ein Tiktok-Kanal mit einem KI-Video auf. Angeblich hätte die Agentur damit gegen das Neutralitätsgebot als Behörde vertreten, so die Kritik.

Heike Bettermann sitzt in der Cafeteria und erklärt das Problem
Agentur-Chefin Heike Bettermann. Erik Latos | Nordstadtblogger

An dem Vorwurf stimmt natürlich nichts: Das Essen hat Selvi Aksünger von ihrem eigenen Geld ausgerichtet. „Eingeladen waren alle Mitarbeitenden, aber keine Kunden“, stellte Heike Bettermann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit klar.

Die Veranstaltung sei genauso eine Mitarbeiterveranstaltung wie das Weihnachtsbaum-Schmücken und das Sommerfest. Zusätzlich hatte die neue Pächterin die Feuerwehr eingeladen, Nachbarn der Agentur für Arbeit, sowie die Polizei, deren Kantine sie bereits länger betreibt.

Drohungen wegen einer höflichen Geste

Jetzt ermittelt der Staatsschutz. „Die Drohungen nehmen wir ernst und unsere Zentrale prüft auch presserechtliche Schritte gegen das NIUS-Portal“, so Bettermann. Bei der Agentur für Arbeit gingen derweil auch bedrohliche Mails ein, außerdem kommentieren Menschen auf dem privaten Instragram-Kanal von Aksünger: Wie es denn sein könne, dass mit Steuergeldern so eine Veranstaltung ausgerichtet werden. „Dabei sind wir nicht mal steuer-, sondern beitragsfinanziert“, stellt Bettermann klar.

Selvi Aksünger steht vor der Cafeteriatheke und schaut in die Kamera. Immer Hintergrund ist eine rote Kaffeemaschine zu sehen.
Selvi Aksünger betreibt seit Anfang März die Cafeteria in der Bundesarbeitsagentur in Dortmund. Erik Latos | Nordstadtblogger

Aksünger betreibt neben den beiden Behördenkantinen auch das Café Rot im Kaiserstraßenviertel. Hier habe sie vor Jahren schon Drohbriefe erhalten und 88 an die Hauswand gesprüht bekommen. Aber inzwischen beschäftige 25 Menschen und trage für diese Verantwortung, deswegen habe sich entschieden die Polizei hinzuzuziehen.

„Ich wollte einfach nur alle respektieren, deswegen habe ich gesagt, wenn Muslime und Christen dieses Jahr parallel fasten, dann eröffnen wir das Buffet um 18:28 Uhr zum Fastenbrechen. Dann hat mich erstmal jemand darauf hingewiesen, dass 18:33 Uhr sein muss. Ich hatte Chat GPT nach der Uhrzeit gefragt, ich bin nämlich nicht muslimisch, auch wenn alle mich immer so lesen.“


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