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Volle Kanne bei „Train of Hope“: Graffiti-Aktion „Nordstark“ macht mit Kindern und Jugendlichen die Nordstadt bunt

Die Kinder und Jugendlichen hatten viel Spaß bei der Aktion - und haben viel gelernt.

Die Kinder und Jugendlichen hatten viel Spaß bei der Aktion – und haben viel gelernt. Foto: Robert Bielefeld

Von Robert Bielefeld

Urbane Lebensräume zurückerobern und ein Gefühl für das eigene Umfeld entwickeln, so lautet die Devise unter dem der Flüchtlingshilfsverein „Train Of Hope Dortmund“ das Graffitiprojekt „Nordstark“ ins Leben gerufen hat. In der letzten Ferienwoche konnten Kinder und Jugendliche aus dem Quartier die beschmierte Wand des „Train of Hope“-Gebäudes in der Münsterstraße in neuen leuchtenden Farben erstrahlen lassen. 

Der Dreck muss weg: Aktion „Nordstark“ soll Kinder für ihr Umfeld sensibilisieren

Mit Professioneller Hilfe geht es an der Münsterstraße in der Nordstadt ans Werk. Foto: „Gegendasgrau“

„Man guckt aus dem Fenster und es ist einfach hässlich da draußen.“ Mit diesem Gedanken war die Idee für das Projekt geboren, so Florian Rüding, Projektleiter von „Nordstark“ bei „Train Of Hope“. Die Beziehung zwischen den BewohnerInnen und ihrem Lebensraum sei verzerrt. Achtlosigkeit und Desinteresse am eigenen Umfeld sind Ursachen für ihn, die die Gegend so sichtlich prägen.

Doch dagegen wollte er etwas tun. Und wo setzt man nicht besser an als beim Nachwuchs des Quartiers. In Zusammenarbeit mit den beiden Streetart-Künstlern Henric Middendorf und Matthias Kulig von „Graffiti-Cans“ und dem freien Jugendhilfeträger „Consol“ stellten sie das Projekt „Nordstark“ auf die Beine. Hier wird den Kindern sowohl moderne Graffiti-Kunst vermittelt als auch das Bewusstsein für den Wohnraum gestärkt.

Über den Verlauf des Workshops haben die Kinder viel über die Theorie, Technik und Design hinter Graffiti gelernt. „Wenn die Kinder selber einen Teil der Stadt mitgestalten, sind sie eher bereit, darauf zu achten, ob jemand die Gegend zumüllt“, fügt Rüding hinzu.

Graffiti gegen Schmiererei – buntes Wandbild am Vereinsgebäude setzt positive Botschaft

Intensiv wurde an den Entwürfen gearbeitet - Theorie und Planung gehören dazu.

Intensiv wurde an den Entwürfen gearbeitet – Theorie und Planung gehören dazu. Foto: Robert Bielefeld

Und das Konzept scheint zu greifen. Die Kinder waren begeistert. Über die Tage haben sie eifrig Theorie gebüffelt, um dann ihre eigenen Designs professionell zu entwerfen und auch natürlich selber ihre ganz persönliche Unterschrift auf der Wand zu hinterlassen.

Geeinigt hat man sich hinterher auf das Motiv eines Zugs vor einer knallig bunten Landschaft. Der Zug ist zum einen das Logo der Organisation, zum anderen aber auch an Bedeutung in der Graffiti-Szene hat. Immer wieder gehen Videos im Internet viral, wie in kürzester Zeit Züge mit Graffiti – sogenannten „Pieces“ – überzogen werden.

Doch anstatt illegales „Bombing“ zu betreiben, senden sie mit dem gesprühten „Train Of Hope“ eine positive Botschaft auf die Reise.

Bunte Nordstadt: Graffiti-Aktion zelebriert die Vielseitigkeit des Quartiers mit Farben und positiver Botschaft

Nach einer kurzen Einführung konnten es die Kinder kaum erwarten die Hauswand zu gestalten. Foto: Lennart Bürrig

Kreativ und knallig bunt, so wollen sie die Nordstadt sehen und die Botschaft ist durchaus bei den Kindern hängengeblieben.

„Einfach mal zu achten, ob man Müll einfach liegen lässt“, war eine Reaktion der Teilnehmenden. Und sie wollen „den Müll einfach mal aufheben“, das wollen sie sich auch über die Aktion hinaus zu Herzen nehmen. Spaß hatten sie auf jeden Fall alle.

Sich zu verwirklichen und auszudrücken ist ein wichtiges Standbein für Kinder und Jugendliche – unabhängig davon, ob sie geflüchtet sind oder aus benachteiligten Familien kommen.

Eine kreative Ader zu entwickeln ist definitiv etwas, dass ihren Geschmack getroffen hat. Eine Entwicklung, die sie vielleicht nicht gemacht hätten wenn man sie nicht an die Hand genommen und an das Thema herangeführt hätte.

Zusammenarbeit von „Train of Hope“ und dem Jugendhilfeträger  „Consol“

Einen „Zug mit Hoffnung“ haben die Jugendlichen auf die Hauswand gebracht.

Einen „Zug mit Hoffnung“ haben die Jugendlichen auf die Hauswand gebracht. Foto: Alex Völkel

„Viele Kinder, besonders die aus Haushalten von Geflüchteten, kann man nur schwer erreichen“, doch dass „Train Of Hope“, da nicht einfach aufgibt und es trotzdem versucht den Kontakt aufzubauen zahlt sich aus. Per Aufruf über soziale Netzwerke konnten sich Interessierte ganz unverbindlich eintragen.

Zusätzlich konnte ein Teil der Kinder von Consol ebenfalls an dem Projekt teilnehmen, sodass am Ende eine eingefleischte Gruppe KünstlerInnen fleißig an der Mauer arbeiten. „Am Anfang waren sie alle noch ganz schüchtern, aber wir sind stolz wie sie über die Tage aus sich herausgegangen sind“, stellt Rüding freudig fest.

„Die Kinder haben echt eine positive Entwicklung durchgemacht und richtig zusammengewachsen“, sagt Daniela Franken, zuständige Sozialpädagogin bei „Consol“. „Wir haben echt Glück, dass wir so klasse Nachbarn haben.“

Sie hat neben den Künstlern Henric Middendorf und Matthias Kulig zusammen mit Rüding das Projekt begleitet und ist begeistert, wie die Kinder auf das Programm reagiert haben. Und nach dem Erfolg, den die Aktion hatte kann man sich auch in Zukunft über weitere Aktionen des „Train Of Hopes“ freuen.

Einen „Zug mit Hoffnung“ haben die Jugendlichen auf die Hauswand gebracht.

Einen „Zug mit Hoffnung“ haben die Jugendlichen auf die Hauswand gebracht. Foto: Alex Völkel

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