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Studierende und AbsolventInnen der HBK Essen präsentieren ihre Kunstausstellung im Künstlerhaus Dortmund

Diese ausgestellte Fotoarbeit besteht aus 50 Porträts, die die unterschiedlichen Gesichter des Ruhrpotts zeigen.

45257 / 44147 – kein Zahlencode und auch nicht die Fibonacci-Folge. Das ist der Titel der Kunstausstellung der Studierenden und AbsolventInnen der HBK-Essen vom 23. Februar bis zum 7. April im Künstlerhaus Dortmund. Den Beteiligten KünstlerInnen wurde kein Themenschwerpunkt gesetzt – sie konnten das machen, was sie wollten und ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Kunst kennt keine Grenzen und keine Themenvorgaben – so sehen es die Beteiligten der Ausstellung 

KünstlerInnen der Ausstellung 45257/44147 und ihr Professor Carsten Gleise Fotos (6): Jennifer Pahlke

2013 eröffnete die private und staatlich anerkannte Hochschule der bildenden Künste in Essen und bietet seitdem drei unterschiedliche Bachelorstudiengänge an: Bildhauerei/Plastik, Fotografie/Medien und Malerei/Grafik.

Den Beteiligten sei es wichtig, dass die Studierenden eine medienübergreifende und praxisorientierte Ausbildung erhielten. Und genau diese Elemente sollten auch in der Ausstellung aufgegriffen werden.

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Drei AbsolventInnen und sieben Studierende sind an der Ausstellung beteiligt. „Der Titel der Veranstaltung ist zwar lapidar. Es sind nämlich die Postleitzahlen von Essen und Dortmund“, sagt Professor der HBK Essen, Carsten Gliese. Trotzdem spiegle genau das das wirkliche Leben eines Künstlers wieder: Seine Werke von A nach B bringen und auszustellen.

Und ausgestellt ist viel. Von klassischen Schwarz-Weiß-Fotografien, Raumperzeption, technischer Kunst bis zu Skulpturen und Videoinstallationen – alle KünstlerInnen haben der Ausstellung eine eigene, künstlerische Note verliehen.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters – und jeder ist besonders und einzigartig

Rolf Buchholz fotografiert von Meike Poese

Auf dem mittleren Bild ist eine bekannte Figur, der am meisten gepiercte Mensch der Welt – der Dortmunder Rolf Buchholz. Er ist der einzige in dieser Bildreihe, dessen Körper nicht zu sehen ist, das Gesicht sei so aussagekräftig, da reiche ein Porträt.

Links neben dem Bild befindet sich ein nackter Mann mit langen Haaren, der auf dem Boden kniet. „Dieses Bild ist nach dem eigentlichen Shooting entstanden und vermittelt so tiefe Emotionen“, beschreibt die Künstlerin die Arbeit.

Rechts neben Rolf Buchholz sieht man einen kleinen Stuhl, auf dem eine extrem übergewichtige Frau sitzt. Auf dem Stuhl steht „evil“.

„Ich habe den Schriftzug extra nicht entfernt. Das könnte man auch als Anspielung auf die sechs Todsünden sehen“, erklärt Meike Poese.

Eine davon ist Völlerei. Aber auch anders könne man das Bild deuten, wenn man den Schriftzug rückwärts liest, erhält man das Wort „live“.

Vielfalt im Ruhrpott – kein Ideal, keine Vorgaben nur echte Menschen und Emotionen

Meike Poese hat sich mit dem Thema Vielfalt im Ruhrpott beschäftigt. Insgesamt 50 ihrer 90 Porträts hängen an der Wand. Abgebildet: die unterschiedlichen Gesichter des Ruhrpotts. Alle sind bis zu den Schultern entblößt. Alle sind in schwarz-weiß abgebildet. „Das war mir besonders wichtig. Bei einem Schwarz-Weiß-Bild konzentriert man sich mehr auf das Gesicht und ist nicht von anderen Sachen abgelenkt“, erklärt die Künstlerin.

Ein anderes Kriterium war, dass sich die Menschen dazu freiwillig entschieden haben, fotografiert zu werden. Die Künstlerin hat einen Aufruf bei Instagram und Facebook gestartet, wo sich dann alle die fotografiert werden wollten, einfach gemeldet haben. Und dann hat sie alle an einem Wochenende fotografiert.

Interessant an den Bildern ist tatsächlich ihre Vielfältigkeit. Aber auch einige Gemeinsamkeiten lassen sich finden. So haben 18 Menschen ein sichtbares Tattoo. Und die Mehrheit der Männer trägt einen Bart. Die Gesichtsausdrücke sind unterschiedlich, einige lächeln, andere blicken ernst in die Kamera. So sieht also der Ruhrpott aus.

Doch das ist nicht die einzige ausgestellte Fotografiearbeit der Künstlerin. Nebenan befinden sich drei weitere Porträts, ebenfalls in schwarz-weiß. Und genau wie die Gesichtswand lassen sie die BetrachterInnen innehalten.

Kunst zum Anfassen oder nicht? – eine Frage, die (eigentlich) eine klare Antwort hat

Simon Tretters Installation Foto: Simon Tretter

„Ich hinterfrage in meinen Arbeiten die Differenz zwischen konzeptioneller Arbeit und einer subjektiven künstlerischen Geste“- so beschreibt Simon Tretter seine dreiteilige Installation.

Es geht um die Vorstellung von Räumlichkeit und die Narration von Gegenständen. Seine Arbeit erscheint auf den ersten Blick alltäglich, ein zwei Stühle auf einem Kuhfell, eine Vitrine mit Gegenständen und ein Kleiderständer mit akkurat aufgehängter Kleidung.

Doch genau weil es so „normal“ wirkt, stellt sich die BetrachterInnen die Frage: „Darf ich es anfassen?“ Und genau mit diesem Zwiespalt spielt der Künstler. „Es existiert keine explizite Antwort, jeder soll für sich selbst entscheiden, wie weit man gehen darf“, so seine Erklärung.

Sein Professort Carsten Gliese weist noch mal darauf hin, dass im Ausstellungskontext immer feste Regeln beständen. „Normalerweise ist es so, dass man im Museum nichts anfasst, und auf diese Regelung beziehen sich viele Museen“, erklärt er. Somit ist die vermeintlich zum Anfassen verleitende Installation also doch eher nicht fürs Anfassen gemacht.

Fake News und Unverständnis – Themen mit denen man sich nicht nur im Journalismus beschäftigt 

Nicht Originale Polaroids von Diana Hommel

Weiter geht es nach Paris – und das unter dem Thema „Fake News oder stille Post für Fortgeschrittene“. Diana Hommel hat sich für ihre Arbeiten Polaroids und auch Screenshots von Google Maps und Street View bedient und sie zu neuen Bildern zusammengefügt. „Ich benutze die Fotografie nicht nur im klassischen Sinne, sondern verstehe sie als Material, mit dem ich Neues erschaffen kann“, so die Künstlerin.

Dabei konstruiert sie ihre Arbeiten nach dem Prinzip der Fake News: Wahrheit durch Größe, so breit gefächert, dass man nichts mehr erkennt und Originale, die keine Originale sind. Gerade beim zweiten Punkt erklärt sie: „Die Bilderbahnen lassen sich verschieben, so wie das Wort auch Dinge verschieben oder auslassen kann.“

Auch nach der „als Original ausgeben, obwohl es keins ist“-Thematik hat sie ihre Bilder ausgerichtet. Und damit meine sie weder die Spiegel- noch die Stern-Skandale. Auf Sockeln kleben die Polaroids, die Motive von Anschlägen in Paris und im Bataclan abbilden. Auf den ersten Blick sähe es nach individueller und originaler Kunst aus. Nur beim näheren Betrachten fiele auf, dass es keine Originale seien.

Kunst als Ausdruck der Persönlichkeit und der eigenen Lebenserfahrung

Das Tor nach Tibet von Xiamao Wang

Während Kunst immer eine persönliche und subjektive Art ist, sich auszudrücken, nehmen die Künstler Xiamao Wang und Simon Badura die BetrachterInnen in ihre Welt mit.

Wang vergleicht in ihren Fotobüchern das nächtliche chinesische Chengdu mit dem nächtlichen Dortmund. Durch Layout und Fotoeinstellungen findet sie Gemeinsamkeiten zwischen zwei scheinbar gegensätzlichen Städten.

Auch Simon Badura zeigt seine Gedanken- und Fantasiewelt, die unter anderem vom Anime „Mein Nachbar Totoro“ inspiriert ist. Er zeigt alles, was sein Leben geprägt hat und schafft es dadurch, dass die BetrachterInnen fast schon am Leben des Künstlers teilnehmen.

Technik trifft Kunst – die Digitalisierung hat ihren Weg auch in die Kunst-Kultur gefunden 

Installation Ruben S. Bürgam Foto: Künstlerhaus Dortmund

Aber auch einige Fusionen zwischen Kunst und Technik kann man in der Ausstellung finden. Ein Beispiel dafür ist die Videoinstallation von Ruben Bürgam.

„Meine Arbeiten sind Gedankenbilder, die ich als „Versuchsanordnung“ begreife“, beschreibt sie ihre Installation. Ein Beamer projiziert dabei ein Video, das sich dann an verschieden beschichteten Projektionsflächen vervielfältigt, teilt oder als Verzerrung erscheint.

Die Bewegung im Video erinnert entfernt an das Swipen auf dem Smartphone. Und genau das ist einer der Aspekte, mit dem sich Bürgam in ihrer Installation serial.interfaces beschäftigt. „Das Spiel zwischen Mensch und Maschine, Digitalem und Analogem und Kontrolle und Kontrollverlust finde ich spannend.“

Auch Gabi Rottes hat auf Videoinstallationen gesetzt. Aber sie konzentrierte sich auf Gebäude und Räume und besonders die des Architekten Mies van der Rohe. „Ich habe selbst 25 Jahre als Architektin gearbeitet und konnte es nicht ganz ablegen“, so Rottes.

In ihrer 3D Simulation lässt sie die BetrachterInnen durch das Gebäude fliegen. Denn sie ist sich sicher, dass sich Räume nur durch Bewegung erschlössen. Insgesamt hat sie sieben Gebäude auseinandergenommen und in Fotografie, Film und 3D-Simulation zusammengeführt.

Physikalische Kunst und klassische Videoporträts mit einem Twist

Kinetische Lichtinstallation von Loïc Hommel.

Ein weiteres technisches Stück Kunst ist die kinetische Lichtinstallation von Loïc Hommel, die auch eher an einen physikalischen Versuchsaufbau erinnert. An dem sich durch die Bewegung der BetrachterInnen auslösenden, Rotationsmechanismus befinden sich zwei schwingende Pendel, die sich gegenseitig beeinflussen.

An jedem Pendel ist eine Lichtquelle eingebaut, die Lichtpunkte auf eine darunterliegende Fläche wirft. Durch die Bewegung der Pendel entsteht ein Muster. Dieses wird durch eine eigenständig leuchtende und zeitlich begrenzte Lichtzeichnung festgehalten.

„Verzaubert“ ist der Titel des Videoporträts von Dirk Krüger über Tom, dessen Gestik und Mimik sich im Laufe des Videos immer weiter verändert. „Er ist ein Mensch wie du und ich und doch ein wenig anders“, sagt Dirk Krüger über Tom. Und auch am Ende des Videos bekommt man keine richtige Erklärung wer Tom eigentlich ist, aber jeder hat sich in den 25 Minuten ein Bild von ihm machen können.

Verzaubern lassen und die Ausstellung in Ruhe entdecken können Interessierte vom 23. Februar bis zum 7. April im Dortmunder Künstlerhaus. Eröffnung der Ausstellung ist am 22. Februar um 20 Uhr.

Weitere Informationen:

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