
Die Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet weisen mit einem 10-Punkte-Plan auf die wirtschaftlichen Schwachpunkte im Ruhrgebiet hin und stellen gleichzeitig Lösungen vor. Mit der agenda.RUHR stehen sie auch allen Parteien für die im September stattfindenden Kommunal- und Ruhrparlamentswahlen als Anspechpartner:innen zur Verfügung. Die IHKs sagen, das Ruhrgebiet stünde vor großen Möglichkeiten, das Potenzial müsse jedoch mit den richtigen Maßnahmen ausgeschöpft werden.
Die Wirtschaft des Ruhrgebiets steht vor Herausforderungen
„Überbordende Bürokratie, marode Infrastruktur, anhaltender Fachkräftemangel – das sind nur drei Beispiele der Herausforderungen, mit denen die Unternehmen und Betriebe im Ruhrgebiet zu kämpfen haben“, sagt der IHK-Präsident Gerd Kleemeyer.

Die Folgen aus den ungelösten Problemen sehen dementsprechend schlecht aus. In den letzten zwei Jahren sollen sich Investitionen im Ruhrgebiet verringert haben. Im Allgemeinen schwächelt die Start-up-Kultur.
Außerdem gibt es nur einen regen Zuzug von neuen Unternehmen. Auch Betriebe vor Ort sollen nur eine langsame Entwicklung aufweisen. Ein weiteres Problem sind die traditionellen Wirtschaftsbranchen, wie Chemie und Stahl, die vor Krisen stehen.
10-Punkte-Plan soll das Ruhrgebiet zu einem Zukunftsstandort machen
Ein wichtiger Punkt in dem Plan besteht darin, die Bürokratie abzubauen. Unternehmen stehen im Ruhrgebiet vor vielen, oft langwierigen, Prozessen. Um die Scheu vor diesen abzubauen, sollen Prozesse schneller und transparenter verwaltet werden. Die agenda.RUHR fordert ebenfalls eine Steuerreform für Betriebe. Trotz der schwächeren letzten Jahre für die Wirtschaft sollten die Steuern für Unternehmen nicht erhöht werden. Im Gegenteil: Eine Steuersenkung wäre ein Zeichen für Investoren, auch in schlechten Zeiten in das Ruhrgebiet zu investieren.

Unternehmen stehen im Ruhrgebiet außerdem vor einem Flächenmangel, der durch die Aktivierung von altindustriellen Flächen behoben werden soll. Das Programm möchte als weiteren Punkt den Markenkern des Industriegebiets, der traditionell aus Chemie, Stahl und Maschinenbau besteht, wiederbeleben.
Weiter soll die Energiewende durch einen raschen Netzausbau beschleunigt werden. Außerdem sollen mehr wissenschaftliche Innovationen in das Ruhrgebiet gebracht werden, indem Hochschulen und Betriebe besser zusammenarbeiten.
agenda:RUHR legt auch auf eine bessere Mobilitätsinfrastruktur wert. Das Ruhrgebiet soll dadurch durch den ÖPNV, den Schienen-, Luft-, und Hafenverkehr gut erreichbar sein. Die Erreichbarkeit spielt auch für das Überleben der Innenstädte eine wesentliche Rolle. Des Weiteren stehen einer Ansiedlung von Unternehmen den IHKs nach oft Missgunst zwischen den Städten selbst im Weg. Deshalb soll eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Kommunen gefördert werden, insbesondere in der Digitalisierung.
Ziele der IHKs sollen nach den Wahlen weiterhin verfolgt werden

Die Kommunal-, Bundes,- und Landespolitik müsse mehr Verlässlichkeit in ihren Entscheidungen zeigen, sagen die IHKs. „Dafür steht unsere agenda.RUHR, mit der wir die Stärken der Region ausbauen und gleichzeitig das Ruhrgebiet als Zukunftsstandort etablieren wollen“, hebt IHK-Präsident Gerd Kleemeyer hervor.
„Im November werden wir mit weiteren Partnern aus Wirtschaft und Industrie eine große Flächenkonferenz ausrichten. Die Kommunen müssen dringend in die Lage versetzt werden, mehr altindustrielle Flächen aufbereiten und zu bezahlbaren Preisen auf den Markt bringen zu können. Denn: Neue Flächen schaffen Raum für neue Technologien und attraktive Arbeitsplätze“, so IHK-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Groß.


Reaktionen
„Kammer machen!“ – Erste Zwischenergebnisse liegen vor (PM)
Eine Vereinigung der IHK zu Essen und der IHK Mittleres Ruhrgebiet würde nach ersten Modellrechnungen allein in den ersten sechs Jahren mindestens Kosten in Höhe von rund 15 Millionen Euro einsparen. Folglich könnten die IHK-Mitgliedsbeiträge spätestens ab 2029 im Durchschnitt um mindestens 14 Prozent sinken. Eine vereinte IHK würde Ausbildungsprüfungen in bis zu 270 Berufen anbieten und hätte die Kapazitäten für zusätzliche Leistungen für die regionale Wirtschaft. Über den endgültigen Standort soll eine neu gewählte Vollversammlung 2029 entscheiden. Die Standorte Essen und Bochum bleiben bis dahin erhalten. Eine vereinte IHK soll bis 2029 unter dem vorläufigen Namen „IHK Ruhr“ ihren Übergangssitz in Bochum haben. Das sind erste Zwischenergebnisse der seit September 2025 laufenden Prüfung zum möglichen Zusammenschluss beider IHKs.
Im Auftrag beider Vollversammlungen prüfen die IHK zu Essen und die IHK Mittleres Ruhrgebiet seit September eine mögliche Vereinigung. Die Zwischenergebnisse der Arbeitskreise und des Lenkungskreises, die von 90 IHK-Angestellten und Ehrenamtlichen erarbeitet wurden, wurden den Vollversammlungsmitgliedern beider IHKs auf der Zeche Zollverein präsentiert.
„Wir danken unseren ehrenamtlichen Mitgliedern und den hauptamtlichen Mitarbeitenden aus beiden IHKs, die engagiert in den Arbeitskreisen mitwirken“, betonte Gerd Kleemeyer, Präsident der IHK zu Essen. „Sie haben erste fundierte Grundlagen für die Meinungsbildung beider Vollversammlungen entwickelt. Diese Zwischenergebnisse können sich bis zur abschließenden Entscheidung am 1. Juni 2026 noch ändern, abhängig von dem weiteren Prüfverfahren.“
Der Arbeitskreis Recht kam zu dem klaren Ergebnis, dass eine Vereinigung beider IHKs grundsätzlich rechtlich möglich sei. Dank einer besseren Aufgabenerfüllung, Wirtschaftlichkeit und Funktionsfähigkeit sowie einer Stärkung der regionalen Interessen seien wesentliche Voraussetzungen erfüllt. Eine mögliche Alternative mit zwei selbstständigen IHKs und einem gemeinsamen Verwaltungsfundament, scheitere an den rechtlichen Hürden des Selbstverwaltungsprinzips und würde nur zu wenigen Synergien führen.
Entscheidung zum Standort wird getroffen, wenn relevant
Der Lenkungskreis – das von den Vollversammlungen für die Prüfung beauftragte Gremium – empfiehlt, die Entscheidung über den endgültigen Namen, Sitz und Standort(e) der vereinten IHK zu vertagen. Eine vereinte IHK soll bis 2029 unter dem vorläufigen Namen „IHK Ruhr“ ihren Übergangssitz in Bochum haben. „Entscheiden sollen die spätestens Anfang 2029 neu gewählten Vollversammlungsmitglieder“, so Philipp Böhme, Präsident der IHK Mittleres Ruhrgebiet.
„Eine gemeinsame IHK mit dem Ist-Zustand von heute müsste einen neuen Standort finden, denn beide IHK-Gebäuden sind zu klein für die gemeinsame Belegschaft. Die Welt verändert sich rasant. Daher sollten wir nicht heute schon eine Entscheidung treffen. 2029 können dann das neue Präsidium und die neue Vollversammlung auf einer relevanten Informationsbasis entscheiden. Die vorläufige Entscheidung fiel auch für Bochum, weil das IHK-Gebäude in Essen derzeit modernisiert wird“, betonte Böhme.
Einsparungen in Höhe von mindestens 15,3 Millionen Euro möglich
Durch Synergien im IT-/Service- und Dienstleistungsbereich, in der Verwaltung und bei den Personalkosten könnte eine vereinte IHK zwischen 2027 und 2032 mindestens rund 15,3 Millionen Euro einsparen. Zu diesem Zwischenergebnis kommt der Arbeitskreis Finanzen. „Dabei wird es keine Kündigung von Mitarbeitenden aufgrund der Vereinigung geben“, unterstreicht Michael Bergmann, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittleres Ruhrgebiet. „Die möglichen Einsparungen bei den Personalkosten erfolgen aufgrund von Renteneintritten und der üblichen Fluktuation. Letztendlich wollen wir mit der Vereinigung unsere Kompetenzen und unser Fachwissen in der IHK stärken, ein noch attraktiverer Arbeitgeber werden und unseren Mitgliedern einen noch besseren Service bieten.“
Vereinigung führt zu besseren Angeboten für Mitgliedsunternehmen
Der Arbeitskreis Mehrwert ermittelte, dass im Rahmen einer Vereinigung neue Angebote für die Wirtschaft in der Region möglich sind. So verfügt die IHK zu Essen beispielsweise über Kompetenzen in der Gründungsberatung und die IHK Mittleres Ruhrgebiet bei der Unternehmensnachfolge. Gleichzeitig setzten identische Angebote beider IHKs Ressourcen frei, um den neuen IHK-Bezirk als Wissens- und Innovationsregion zu stärken. Regional und überregional erhielte eine neue IHK, die dann nach Zahl der Mitgliedsunternehmen auf Rang 15 in Deutschland rangiere, eine gewichtigere Stimme für die regionale Wirtschaft. Die Interessen der Region könnten somit stärker vertreten werden.
Regionale Stärkung und Entwicklung der neuen IHK Ruhr
Bis zum 21. April 2026 werden die Arbeitskreise ihre Prüfungen vertiefen, um den Vollversammlungen weitere Entscheidungsgrundlagen zu liefern. Der Lenkungskreis wiederum arbeitet an einem Konzept für eine stärkere Regionalisierung der IHK-Services und der Konzeption einer neuen IHK. „Eine Vereinigung bietet uns die Chance, die IHK neu zu denken“, so Kerstin Groß, Hauptgeschäftsführerin der IHK zu Essen.
„Neues Arbeiten, Digitalisierung, KI sind nur einige Stichworte, die deutlich machen, dass eine zukunftsfähige IHK anders aufgestellt sein muss. Wir haben nun eine echte Chance, unsere Verwaltung schlanker, digitaler und mitgliederorientierter aufzustellen. Gleichzeitig wollen wir in den Städten der Region stärker präsent sein. Dazu werden wir Vorschläge unterbreiten.“
Auf Basis aller Ergebnisse erarbeitet der Lenkungskreis mit Unterstützung der Arbeitskreise bis Juni eine Entscheidungsvorlage für die beiden Vollversammlungen. Am 1. Juni 2026 entscheiden die Vollversammlungen dann zeitgleich über eine mögliche Vereinigung. Die Zusammenfassung der Zwischenergebnisse finden Sie unter: http://www.kammer-machen.de