
Die Kulturstiftung Dortmund verleiht ihren Preis für das Lebenswerk 2026 an die international renommierte Künstlerin Rosemarie Trockel. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung wird seit 1998 für herausragende Leistungen in Musik und Bildender Kunst vergeben. Die Preisverleihung findet am 15. Oktober 2026 im Baukunstarchiv NRW in Dortmund statt und ist Teil einer vierwöchigen Ausstellung. Gezeigt werden dort ausgewählte Arbeiten Trockels. Die Entscheidung basiert auf einem Vorschlag einer unabhängigen Fachjury.
Auszeichnung für ein künstlerisches Lebenswerk
„Mit großer Freude geben wir bekannt, dass auf Vorschlag der eigens für die Nominierung berufenen, unabhängigen Fachjury der Preis der Kulturstiftung Dortmund 2026 für das Lebenswerk an die international renommierte Künstlerin Rosemarie Trockel vergeben wird“, sagt René Scheer, Vorsitzender der Kulturstiftung Dortmund.
„Über viele Jahrzehnte hinweg hat Rosemarie Trockel mit ihren Werken Grenzen verschoben, neue Perspektiven eröffnet und Kunst als ein Mittel eingesetzt, um ihre Mitmenschen zum Nachdenken zu bewegen. Damit hat sie einen unverzichtbaren Beitrag zur internationalen kulturellen Landschaft geleistet“, so Scheer weiter.
Die Preisverleihung ist für den 15. Oktober 2026 geplant. Sie findet im Rahmen der Eröffnung einer vierwöchigen Ausstellung statt. Schauplatz ist das Baukunstarchiv NRW in Dortmund. Dort wird Rosemarie Trockel eine Auswahl repräsentativer Arbeiten präsentieren. Der Preis der Kulturstiftung Dortmund wird seit 1998 vergeben und würdigt herausragende Lebenswerke in Musik und Bildender Kunst.
Stationen, Ausstellungen und Auszeichnungen
Rosemarie Trockel wurde 1952 in Schwerte geboren. Sie lebte und arbeitete über viele Jahre in Köln und hat heute ihren Wohn- und Arbeitsort in Potsdam sowie Berlin. Von 1998 bis 2016 war sie Professorin an der Kunstakademie Düsseldorf. Darüber hinaus ist sie Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste sowie der Akademie der Künste Berlin und wurde 2021 in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen.
Die Liste ihrer internationalen Ausstellungen in Europa und den USA ist umfangreich. Ihre Werke wurden unter anderem im Museum of Modern Art in New York, im Museum of Contemporary Art in Chicago sowie im Institute of Contemporary Art in Boston gezeigt. Auch auf der documenta X in Kassel war sie vertreten. Zudem bespielte sie 1997 den Deutschen Pavillon im Rahmen der Biennale von Venedig.
Einzelausstellungen waren zuletzt im Museum für Moderne Kunst Frankfurt sowie im Kunsthaus Bregenz zu sehen. Bereits 2005 wurde zudem eine Retrospektive im Museum Ludwig Köln gezeigt. Damit ist ihr Werk seit Jahrzehnten kontinuierlich in bedeutenden internationalen Ausstellungshäusern präsent.
Für ihr künstlerisches Schaffen wurde Rosemarie Trockel vielfach ausgezeichnet. Dazu zählen unter anderem der ars-viva-Preis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI e. V., der Konrad-von-Soest-Preis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, der Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen, der Wolfgang Hahn-Preis der Gesellschaft für Moderne Kunst am Kölner Museum Ludwig sowie der Goslarer Kaiserring.
Juryentscheidung und künstlerische Bedeutung
Die Entscheidung für Rosemarie Trockel basiert auf einer Empfehlung einer Fachjury aus namhaften Kunstsachverständigen. Dazu zählen Prof. Dr. Stephan Berg (Kunstmuseum Bonn), Dr. Yilmaz Dziewior (Museum Ludwig, Köln), Dr. Roland Mönig (Von der Heydt Museum Wuppertal), Dr. Tanja Pirsig-Marshall (LWL Museum für Kunst und Kultur Münster) und Prof. Dr. Rainer Stamm (Osthaus Museum Hagen).
Dr. Yilmaz Dziewior begründet die Empfehlung im Namen der Jury: „Wir freuen uns sehr, dass Rosemarie Trockel den Preis der Kulturstiftung Dortmund für ihr Lebenswerk annimmt. Mit ihr zeichnen wir eine Künstlerin aus, die zu den einflussreichsten ihrer Generation zählt und deren Werk sich jeder Klassifizierung entzieht. Wurden ihre frühen Strick- und Herdplattenbilder noch als feministische Antwort auf eine von Männern dominierte Konzeptkunst gelesen, musste man bald feststellen, dass diese Lesart zu kurz greift. Denn ähnlich wie bei ihren Zeichnungen, die sich durch ihr gesamtes Werk ziehen, wird eine der Minimal Kunst widersprechende produktive Fragilität, ein feinsinniger Humor und eine große Widerständigkeit deutlich.“
„Rosemarie Trockel arbeitet mit unterschiedlichen Materialien und Formen, darunter Skulpturen, Collagen, Keramiken, Strickarbeiten, Zeichnungen, Videos und Fotografien. In ihren Werken setzt sie sich oft kritisch mit gesellschaftlichen Themen auseinander. Sie greift beispielsweise Techniken auf, die traditionell als „weiblich“ gelten oder dem Kunstgewerbe zugeordnet sind, und interpretiert sie neu. Außerdem spielt sie ironisch mit kulturellen Symbolen und Erwartungen, arbeitet mit Widersprüchen und Paradoxien und verneint bewusst die kommerziellen und institutionellen Regeln des Kunstbetriebs. Ähnlich wie ihre Videos scheinen ihre Wollarbeiten, Fotodrucke und Rauminstallationen mitunter Strategien und Bilder der Verhaltensbiologie aufzugreifen“, führt Dziewior weiter aus.
„Dabei wird die Differenz zwischen Mensch und Tier mehr in Frage stellt, als bekräftigt. In diesem Sinne hat Rosemarie Trockel seit Beginn ihrer Karriere die Sonderstellung des Menschen infrage gestellt und dessen biologisch, ökologisch und technologisch Verbundenheit mit anderen Lebewesen thematisiert, ohne dass sich ihre Werke hierauf beschränken ließen. Auch in diesem Sinne ist das sich mittlerweile über mehr als vier Jahrzehnte spannendende Werk äußerst aktuell“, so Dziewior abschließend.
Würdigung und frühere Preisträger:innen
Mit dieser Auszeichnung würdigt die Kulturstiftung Dortmund das herausragende künstlerisches Schaffen von Rosemarie Trockel und ihren nachhaltigen Einfluss auf die Bildende Kunst insgesamt.
„Ihr Œuvre zeigt von einer einzigartigen Vision, beispiellosen Vielfalt und einer beeindruckenden Beständigkeit, die Generationen von Kunstliebhabern und Künstlerinnen wie Künstlern gleichermaßen tief berührt und inspiriert“, stellt Ulrich Andreas Vogt, stellvertretender Vorsitzender der Kulturstiftung Dortmund heraus.
In der Bildenden Kunst wurden in den vergangenen Jahren unter anderem Jörg Immendorf (2000), Jürgen Partenheimer (2004), Otto Piene (2008) und Heinz Mack (2012) ausgezeichnet. Im Bereich Musik erhielten unter anderem Julia Varady (1998), Aribert Reimann (2002), Pierre-Laurent Aimard (2006), Anne-Sophie Mutter (2010) und Edita Gruberova (2014) die Ehrung.

