
In Dortmund zeigt sich nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ein deutliches Einkommensgefälle zwischen Beschäftigten und Einkommensmillionär:innen. Auf 266.400 Menschen mit sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung kommen 193 Einkommensmillionäre. Die Gewerkschaft sieht darin eine wachsende soziale Schieflage und warnt vor Folgen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Besonders das geplante Reformpaket der Bundesregierung steht dabei im Fokus der Kritik.
Einkommensverteilung zeigt klare Kluft zwischen Arm und Reich
In Dortmund kommen nach Angaben der NGG 1.380 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte auf einen Einkommensmillionär. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen des Statistischen Landesamtes (IT.NRW) und der Arbeitsagentur. Insgesamt zeigt sich laut NGG ein deutliches Gefälle zwischen Normal- und Spitzenverdiener:innen.

„So sieht das Gefälle zwischen Normal- und Spitzenverdienern in Dortmund aus. Die einen krempeln die Ärmel hoch, um über die Runden zu kommen. Die anderen verdienen ihr Geld überwiegend an der Börse und mit Unternehmensgewinnen“, sagt Torsten Gebehart, Geschäftsführer der NGG Dortmund.
Gebehart warnt dabei „vor einer zunehmenden sozialen Schieflage in der Stadt“. Die Gesellschaft gerate immer mehr aus den Fugen.
„Es geht nicht darum, dass die einen mehr Geld haben als die anderen. Es geht darum, dass wenige im ‚Gold-Statuslevel‘ leben. Und dass immer mehr trotz eines Vollzeitjobs darum kämpfen, genug Geld für Miete, Sprit und Lebensmittel zusammenzubekommen. Von denen, die keine Arbeit haben oder mit Armut im Alter klarkommen müssen, ganz zu schweigen. Das gefährdet am Ende sogar die Demokratie“, sagt Torsten Gebehart.
NGG fordert sozialen Kurs bei Steuer- und Reformpolitik
Der Gewerkschafter appelliert jetzt an die Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD aus Dortmund und der Region, beim anstehenden Reformpaket der Regierungskoalition „sozialen Kurs zu halten“. Torsten Gebehart: „Es geht darum, Menschen, die Tag für Tag arbeiten, nicht noch weiter abzuhängen. Denn sie sind die breite Mehrheit und tragen die Hauptlast: Lohn- und Mehrwertsteuer drücken enorm.“ Erbschaften und Vermögen würden dagegen nur 1,1 Prozent des gesamten Steueraufkommens bringen.

Auf keinen Fall dürfe Arbeit stärker besteuert werden als Kapitaleinkommen, wie Zinsen, Dividenden von Aktien oder Kursgewinne beim Verkauf von Wertpapieren. Denn dafür falle meistens pauschal nur eine Abgeltungsteuer von 25 Prozent an. Gerechte Steuern und eine faire Vermögensverteilung seien das A und O der Reformen, die der Bund jetzt anschieben müsse.
„Ein Durchschnittspaar zahlt immerhin 43 Prozent Steuern und Abgaben“, sagt Gebehart. Diese Ungleichverteilung müsse politisch korrigiert werden.
Die heimischen Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD müssten jetzt dafür sorgen, dass „die anstehenden Reformen der Bundesregierung bei Steuern, Rente, Gesundheit & Co. die Kluft zwischen Arm und Reich überwinden und nicht noch größer machen“. Dabei dürften eine Vermögenssteuer und ein höherer Spitzensteuersatz keine Tabus sein. Außerdem fordert die NGG Dortmund Schwarz-Rot auf, „den Mut zu haben, das Ehegattensplitting abzuschaffen“. Es mache Jobs für Frauen oft unattraktiv und fördere damit überkommene Rollenbilder.

