Mähroboter dürfen nachts nicht mehr laufen – Stadt will Igel und andere Tiere schützen

Verbot für mehr Natur- und Artenschutz in Dortmund:

Zeichnung mit Roboter und Tieren bei Nacht
Die scharfen Messer von Mährobotern rotieren oft unbemerkt und nah am Boden. Sie können Tiere dabei tief verletzen oder ihnen Gliedmaßen abtrennen. Visualisierung: NSB-Redaktion mit KI-Unterstützung

Mähroboter dürfen in Dortmund seit einem Monat nachts nicht mehr eingesetzt werden. Grundlage ist eine Allgemeinverfügung der Stadt, die seit dem 17. Juli 2026 in Kraft ist. Der Stadtrat hatte dafür grünes Licht gegeben. Damit sollen wildlebende und nachtaktive Tiere geschützt werden – dazu zählen Igel und andere Kleinsäuger, Amphibien wie Frösche und Kröten sowie wirbellose Tiere.

Das Verbot gilt von einer halben Stunde vor Sonnenuntergang

Die scharfen Messer von Mährobotern rotieren oft unbemerkt und nah am Boden. Sie können Tiere dabei tief verletzen oder ihnen Gliedmaßen abtrennen. Viele kleine Tierarten sind gerade nachts auf Nahrungssuche, um tagsüber nicht Beutegreifern zum Opfer zu fallen. Besonders Igel laufen bei Gefahr nicht weg, sondern rollen sich an Ort und Stelle ein und vertrauen auf ihre Stacheln – gegen die Messer eines Mähroboters bietet das jedoch keinen Schutz. Der Igel gilt international als „potenziell gefährdete“ Art und steht in Deutschland auf der Roten Liste der Säugetiere als Vorwarnart.

Das Einsatzverbot für Mähroboter gilt in der Zeit von einer halben Stunde vor Sonnenuntergang bis einer halben Stunde nach Sonnenaufgang des folgenden Tages. Da sich diese Zeiten täglich verschieben, lassen sie sich über Internetportale oder entsprechende Apps abrufen. Mit dem Verbot setzt die Untere Naturschutzbehörde einen Ratsbeschluss um. Die Stadt erhofft sich davon einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz, da eine vermeidbare Gefahrenquelle entfällt.

Bei Verstößen drohen Bußgelder bis 50.000 Euro

Bild eines verletzten Igels
Die Verletzungen sind häufig entsetzlich: abgetrennte Gliedmaßen, aufgeschlitzte Köpfe, offene Wunden. Foto: AG Igelschutz Dortmund e.V.

Die Gründe für den Rückgang der Igelpopulation sind nach Einschätzung der Naturschutzbehörde vielfältig. Einer der gravierendsten ist der Mangel an Insekten als Hauptnahrungsquelle, verursacht unter anderem durch Pestizideinsatz, Lichtverschmutzung und den Verlust natürlicher Lebensräume.

Hinzu kommt das Fehlen geeigneter Rückzugsorte in der freien Landschaft: Wo Hecken und Gebüsche fehlen, finden die Tiere keinen Platz zum Schlafen, für den Winterschlaf oder zur Jungenaufzucht. In der Folge weichen Igel zunehmend in städtische Ersatzlebensräume aus – etwa Grün- und Parkanlagen, Friedhöfe oder private Gärten.

Wer gegen die Allgemeinverfügung verstößt – auch fahrlässig –, muss mit einer Geldbuße rechnen. Das Bundesnaturschutzgesetz sieht dafür einen Bußgeldrahmen von bis zu 50.000 Euro vor. Kontrollbesuche in der Nacht wird die Untere Naturschutzbehörde nach eigenen Angaben nicht durchführen; sie werde jedoch Hinweisen von Polizei, Organisationen oder Bürgerinnen und Bürgern nachgehen.

Auch tagsüber lauern Gefahren – so lässt sich vorbeugen

Nicht nur nachts, auch am Tag können Gartengeräte für Tiere gefährlich werden. Die Naturschutzbehörde rät, Rasenschneider und Motorsense nicht direkt unter Büschen und Hecken einzusetzen, wohin sich Tiere gerne zurückziehen – Stoppkanten, etwa aus Steinen, können hier zusätzlich helfen. Vor dem Mähen hohen Grases empfiehlt sich ein Kontrollgang, da sich Igel auch tagsüber dort verstecken können; gemäht werden sollte dann von innen nach außen.

In unmittelbarer Nähe von Hecken und Büschen sollte zudem auf Laubbläser verzichtet werden, da schutzsuchenden Tieren dort schwere Augenverletzungen bis hin zur Erblindung drohen. Laubsauger sind laut Naturschutzbehörde ebenfalls keine Alternative, da sie kleinere Tiere mit einsaugen können – besser geeignet sei ein einfacher Rechen.

Vorhandene Laubhaufen sollten außerdem nicht abgeräumt werden: Sie dienen Tieren als Schutz, das Laub unter Büschen ist zugleich Nahrungsquelle, schützt das Bodenleben und zersetzt sich mit der Zeit zu wertvollem Humus. Wer am Gartenrand bewusst Haufen aus Laub und Totholz anlegt, schafft damit einen zusätzlichen Rückzugsort. Auch der Umstieg von klassischem Rasen auf Blumenwiesen reduziert den Mähaufwand und fördert gleichzeitig die Artenvielfalt.

Die vollständige Allgemeinverfügung vom 17. Juli ist als PDF einsehbar: https://www.dortmund.de/dortmund/projekte/rathaus/publikationen/downloads/dobeka-28-2026.pdf

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