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„Lost in Translation“ – der Film inspiriert einen Fotografen zu außergewöhnlichen Fotos während seines Urlaubs in Japan

Der Film „Lost in Translation“ gab im den Titel seiner Ausstellung: Fotograf Dirk Polte, hier vor seinem Lieblingsbild, einer mobil-„bewaffneten“ Tokioterin. Fotos: Gerd Wüsthoff

Von Gerd Wüsthoff

„Zuerst hatte ich in Tokio laufend die faszinierende Architektur fotografiert“, erklärt Dirk Polte, Diplom-Filmwirt, Geschäftsführer und Creative Director von Truelife Pictures, bei der Eröffnung seiner Foto-Streetart-Ausstellung „Lost in Translation“ in der Auslandsgesellschaft. „Sehr schnell habe ich mich aber auf die Menschen in der Stadt konzentriert.“ Eine gute Entscheidung, denn der Stil der Fotografien von Polte ist, gerade weil sie in schwarz-weiß sind, erfrischend, aufregend und menschlich. Seine Bilder zeigen die TokioterInnen geradezu verletzlich.

Würde, Schüchternheit und Verletzlichkeit der Modelle brilliant eingefangen

„Lost in Translation“ – Menschen in Tokio

Die Bilder, Momentaufnahmen, erinnern leicht, gerade weil sie zumeist in schwarz-weiß gehalten sind, an die Bildsprache der Fotografien und Filme der Nouvelle Vague aus Frankreich.

Diese Art der Bildformensprache etablierte sich Ende der 1950er Jahre und erreichte ihre Blüte in den 1960er Jahren. Die Stars der Zeit dürften allgemein bekannt sein: die jungen Jean Paul Belmondo, Brigitte Bardot und Jean Seberg, oder der Regisseur Jean-Luc Goddard.

Dirk Polte zeigt in seinen Bildern eine Verletzlichkeit, die man bei modernen JapanerInnen nicht für möglich gehalten hätte.

Die Würde, die Schüchternheit – man will anderen nicht zur Last fallen – ja, fast die Persönlichkeit seiner Modelle, die zum Teil nicht bemerkt haben, dass sie fotografiert wurden, hat Polte geradezu im Vorübergehen aufgeschnappt, aufgenommen und fotografiert. Dadurch entstanden eindrucksvolle Portraits von alltäglichen Helden in der Mega-City Tokio.

Auf Nachfrage, ob denn keines der Fotomodelle bemerkt habe, fotografiert worden zu sein, antwortete Polte: „Nein“ – und zeigt das Foto einer Journalistin eines Tokioter TV Senders. „Hier fand eine nonverbale Kommunikation statt, denn sie hat wie instinktiv bemerkt, dass ich fotografieren wollte, und stellte sich in diese Pose.“ Beim Betrachten dieses Bildes fällt sofort auf, dass die Frau wusste, wie sie sich, sich unbeobachtet darstellend, positionieren kann – trotz Posing wirkt das Bild aber natürlich.

Ein Japan-Fan nähert sich dem Einzigartigen der Menschen in Japan

Bilder einer Ausstellung, fragil, nah, freundlich

Die Natürlichkeit wirkt teilweise wie „positiv aus der Hüfte“ geschossen und kreiert einen besonderen Reiz dieser Fotoausstellung im Foyer der Auslandsgesellschaft an der Steinstraße. Die Bilder zeigen die menschliche, natürliche Seite von Tokio, dem Juwel unter den modernen Städten in Japan und seinen BewohnerInnen.

„Nicht weil ich ein Japan-Fan bin, aber ich kenne kaum ein freundlicheres und hilfsbereiteres Volk als die Japaner. Sie wissen um die Einzigartigkeit ihrer Kultur und Sprache und helfen sofort, ungefragt, wenn ein Ausländer ratlos herumsteht.“

Auf die Frage, woher der Titel der Ausstellung „Lost in Translation“ komme, antwortete Polte begeistert: „Ich bin extrem japanaffin; und als Kind der 90er bin ich begeistert von Animes, Mangas, dem japanischen Film und sauge alles Japanische förmlich auf. Und ja, der Film. Ich bin fasziniert von dem Film. Daher der Ausstellungstitel.“

Die japanischen Impressionen von Polte sind noch bis zum 30. August dieses Jahres zu sehen. Fotobegeisterte und Liebhaber Japans sollten sie sich in der Steinstraße 48, im Foyer der Auslandsgesellschaft nicht entgehen lassen.

Weitere Informationen:

  • Die Ausstellung ist täglich von Montag bis Freitag, 10 bis 17 Uhr geöffnet
  • Auslandsgesellschaft, Steinstraße 48, 44147 Dortmund, Foyer.

„Lost in Translation“ – Bilder einer Ausstellung (frei nach Modest Mussorgskij)

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