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„Integra_et_Klima“: Projekt der FH Dortmund verbindet Sprachvermittlung mit einem Grundwissen über Klimaschutz

Marcel Hunecke (FH Dortmund), Dominik Donges (multikulturelles Forum) und Heinrich Dornbusch (KlimaExpo.NRW).

Von Lisa König

Das Projekt „Integra_et_Klima“ von der Fachhochschule Dortmund möchte MigrantInnen nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch ein Grundwissen zu klimarelevanten Aspekten vermitteln. Neben Lehrmaterial, das für Dozenten zum freien Download bereit steht, wurden aufwändige Evaluationen und Begleitforschung betrieben. Jetzt wurde das Projekt in die Kampagne „1000 Schritte in die Zukunft“ von der KlimaExpo NRW aufgenommen.

Unterrichtsmaterialien zum Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit

„Wir aus dem Fachbereich angewandte Sozialwissenschaften waren bei dem Projekt sozusagen Koordinator“, erklärt Projektleiter Prof. Dr. Marcel Hunecke von der FH Dortmund. „Es waren auch andere wissenschaftliche Mitarbeiter der Fachhochschule beteiligt. Und wir hatten wichtige Partner, wie das Multikulturelle Forum. Außerdem haben zwei migrantische Organisationen – Agenda 21 in Hannover und Yesli Cember- auf Basis unseres Projektes eigene Kampagnen zum Thema Sprachschulung und Klimawandel gestaltet.“

Ziel des Projektes ist, die Sprachvermittlung für MigrantInnen mit einem Grundwissen über Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu verbinden. Vorausgegangene Aktionen hätten gezeigt, dass es da noch Defizite gäbe. Deshalb entwickelte das Projekt Unterrichtmaterial zu den Themen „Klimawandel“, „Wohnen und Arbeiten“, „Unterwegs“, „Essen und Trinken“ und „Einkaufen“. Konzipiert sind diese für Kurse mit den Sprachniveaus A1, A2, B1 und für berufsbezogene Kurse.

„Dabei haben wir auch die Erfahrung gemacht, dass wir mit dem Sprachniveau nicht weiter runter gehen können. Das war dann doch manchmal etwas überfordernd“, so Hunecke. „Aber ansonsten haben wir in der Evaluationsphase viel positives Feedback bekommen. Wer mitgekommen ist, für den schien es kein übergestülptes Thema gewesen zu sein. Ein wenig ist das Ziel ja auch, deutsche Werte zu vermitteln. Da hätte man ein gewisses Zwangsgefühl erwarten können.“

Das Projekt ist vor allem auf die Mitarbeit der Dozenten angewiesen

In den insgesamt drei Jahren, die das Projekt lief, wurde nicht nur das Lehrmaterial entwickelt, sondern auch eingesetzt und entsprechende Begleitforschungen durchgeführt. Die Evaluation durch zwei unabhängige Studien belegte die Wirksamkeit der Schulungsunterlagen in Bezug auf Wissen, Einstellung und Verhalten. „Die Befragungen haben wir in zwölf Sprachen durchgeführt. Das war sehr aufwändig. Gut, dass uns das am Anfang nicht klar war, sonst hätten wir es wahrscheinlich nicht gemacht“, lacht Hunecke.

„Durch einen Klimarechner konnten wir individuelle C02- Emissionen für die Teilnehmer berechnen. Dies zeigte aber, dass wir für den unter anderem durch Integration bedingten Anstieg nur eine Art Puffer waren. Ein allgemeiner Abstieg hat sich noch nicht gezeigt.“ Knackpunkt für die Zukunft des Projektes seien die Dozenten. „Integra_et_Klima“ ist mittlerweile abgeschlossen und „in zwei bis drei Jahren vielleicht wieder vergessen“, so Hunecke. Die einzige Möglichkeit, es am Leben zu halten, sei die Nutzung des Materials für den Unterricht.

„Die Materialien stehen zwar frei zum Download zur Verfügung. Aber man muss auch bedenken, dass die Lehrer es unentgeltlich für ihren Unterricht verwenden. Viele finden die Idee vielleicht gut, aber dann gibt es so viele Angebote mit anderen Themen, dass unseres auf der Strecke bleibt.“ Dabei müssten die Dozenten keine besonderen Voraussetzungen erfüllen. Zwar handele es sich um naturwissenschaftliche Prozesse, die verdeutlicht werden sollen. „Aber die Lehrer müssen deshalb nicht vom Fach sein. Viel wichtiger ist, dass sie auch über ihren Beruf hinaus engagiert sind.“

„1000 Schritte in die Zukunft“ will klimafreundliche Alternativen aufzeigen

Projektleiter Marcel Hunecke setzt seinen symbolischen Fußabdruck. Fotos: Lisa König

Ärgerlich für die Forscher von der FH: Sie wissen nicht, ob ihr Material verwendet wird. „Am Anfang hatten wir es auf einer Seite hochgeladen, bei der wir zumindest sehen konnten, wie viele Leute das PDF herunter geladen haben. Aber mittlerweile bekommen wir auch dazu keine Informationen mehr. Deshalb versuchen wir einfach, das Projekt möglichst in die Welt zu tragen.“

Insgesamt sei das Material auf 660 bis 700 Unterrichtsstunden ausgelegt. „Bei uns wird es auf jeden Fall noch eingesetzt“, bestätigt Dominik Donges, pädagogischer Mitarbeiter beim Multikulturellen Forum in Dortmund. „Es liegt bei jedem Dozenten selbst, zu entscheiden, wie viel er davon nutzt. Man kann auch nur einzelne Module verwenden. Unser Ziel ist auf jeden Fall eine nachhaltige Nutzung des Lehrstoffes.“

Mit der Zeit ist auch die KlimaExpo auf das Projekt aufmerksam geworden. Die Initiative der Landesregierung in NRW legt ihren Augenschein vor allem auf das Erreichen von Klimaschutzzielen. Nach dem Motto „1000 Schritte in die Zukunft“ wollen sie ein Scheinwerferlicht auf die spannendsten Projekte in der Region werfen. „Integra_et_Klima“ ist Schritt 310 auf diesem Weg. Dabei geht es nicht um finanzielle Förderung, sondern um die Bekanntmachung der einzelnen Projekte.

„Die Herausforderungen, vor die uns der Klimawandel stellt, können uns auch Chancen bieten“, betont Dr. Heinrich Dornbusch, Geschäftsführer der KlimaExpo.NRW. „In vielen wirtschaftlichen Bereichen entstehen neue Geschäftsmodelle und auch in anderen Gebieten wie den Sozialwissenschaften haben wir schon tolle Projekte gesehen. Wir wollen vor allem bürgerliches Engagement fördern. Man denkt immer, globale Probleme seien nur global zu lösen. Wir wollen deutlich machen, dass auch der Einsatz im Kleinen etwas bringt.“

Klimaschutz  spielerisch und mit einem Augenzwinkern vermitteln

Dabei hebt der Geschäftsführer hervor, dass das Projekt um Herrn Hunecke besonders spannend für die Initiative war. Integration und Klima zu verbinden und auch ein stückweit deutsche Werte und Erwartungen zu vermitteln, seien genau die Themen, um die es auch bei der KlimaExpo gehe. „Dass das Thema wichtig ist, muss ich ja mittlerweile nicht mehr betonen. Seit April haben wir viel zu hohe Temperaturen und weltweit haben sich schon die Folgen dessen gezeigt. Keiner kann seriös einschätzen, was für einen Schaden unser bisheriges Verhalten in der Zukunft hervorrufen wird.“

Seit Ende 2013 ist die Initiative aktiv. Es gehe nicht nur darum, positive Ansätze zu sammeln, sondern sie auch effektiv in die Öffentlichkeit zu bringen. Neben „1000 Schritte in die Zukunft“ arbeitet die KlimaExpo noch an vielen weiteren Projekten. „Am 01. September beginnt unsere Klimatour 2018. Eine Woche lang tourt der Moderator Thore Schölermann als Klimabotschafter durchs Land und besucht die spannendsten Klimaschutzprojekte aus unserer Sammlung. Dabei wird er nur mit klimafreundlichen Fahrzeugen unterwegs sein und währenddessen über seine Erfahrungen berichten.“ Es sei wichtig, das Thema Klimaschutz nicht nur trocken zu vermitteln, sondern auch spielerisch und mit einem Augenzwinkern.

„Damit wollen wir neue Alternativen aufzeigen. Denn so, wie es momentan läuft, werden wir nicht mehr lange weiter machen können“, betont Dornbusch. Für „1000 Schritte in die Zukunft“ wird symbolisch von jedem Projektleiter ein Fußabdruck genommen. „Dabei hatten wir schon alle möglichen Schuhe auf dem Papier, von Nike bis zu Stöckelschuhen. Deshalb sind die Fußabdrücke auf der Auszeichnung auch gegendert“, erklärt Dornbusch lachend. So deutliche Schritte wie von Herrn Hunecke hätten sie aber schon lange nicht mehr gehabt.

Mehr Infos zu „1000 Schritte“ unter:

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