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„Handwerk muss für junge Menschen wieder sexy werden!“: Arbeitsminister zu Gast bei der Handwerkskammer Dortmund

Statt einer großen Präsenzveranstaltung live „Handwerk live“ in der Handwerkskammer Dortmund auch online. Fotos: Andreas Buck/ HWK

Statt einer großen Präsenzveranstaltung live „Handwerk live“ in der Handwerkskammer Dortmund auch online.

„Besonders das Handwerk hat sich in der Corona-Pandemie als einer der stabilsten Wirtschaftsfaktoren erwiesen“, betonte Karl-Josef Laumann, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales bei „Handwerk live“, dem Round-Table-Gespräch der Handwerkskammer (HWK) in Dortmund. Es sei nun wichtig, den Berufsgruppen, die am stärksten unter der Krise leiden, mittels Solidarleistungen unter die Arme zu greifen.

Ausbildungs- und Fachkräftemarkt: Noch viele freie Ausbildungsplätze im Kammerbezirk

Laumann zeigte sich dankbar über die derzeitigen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. „Im September hat sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen wieder positiv entwickelt.“ Die Lage sei dennoch eine Herausforderung für die Wirtschaft – darüber waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig.

Unter ihnen waren HWK-Präsident Berthold Schröder, Christian Sprenger, Kreishandwerksmeister für Dortmund und Lünen sowie Betriebsinhaber der Firma Walter Viet Stahl- & Metallbau GmbH und Heike Bettermann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund. Im Zentrum der Gespräche stand die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf das Handwerk sowie den Ausbildungs- und Fachkräftemarkt.

„Wir haben aufgrund des Corona-bedingten Rückgangs an neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen derzeit immer noch 380 freie Ausbildungsplätze im Kammerbezirk“, erklärte HWK-Präsident Berthold Schröder. Bei der HWK Dortmund seien die Anstrengungen für die Anwerbung des Nachwuchses daher in diesem Jahr weiter verstärkt worden. „Wir haben uns vor allem mit unserem digitalen Angebot noch breiter aufgestellt. Dennoch können wir nur gemeinsam mit den Partnern aus Politik, Wirtschaft und Berufsbildung die Herausforderungen der Krise stemmen.“

Laumann: „Wir werden alles dafür tun, um  möglichst viele junge Menschen in eine duale Ausbildung zu bringen“

HWK-Präsident Berthold Schröder (re.) begrüßte Karl-Josef Laumann, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Dortmund.

HWK-Präsident Berthold Schröder (re.) begrüßte Karl-Josef Laumann, NRW-Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Dortmund. Fotos: Andreas Buck/ HWK

„Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber stehen enorm unter Druck, durch Auftragseinbrüche und damit verbunden massive Einnahmeausfälle hat die eigene Existenzsicherung oberste Priorität“, betonte Heike Bettermann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Dortmund. „Kurzarbeit hat bisher vieles abgefedert, viele Arbeitsplätze konnten erhalten bleiben, aber leider nicht alle. Gerade jetzt ist es wichtig, auch in Ausbildung zu investieren.“

Dipl.-Ing. Christian Sprenger, Inhaber der Walter Viet Stahl- und Metallbau GmbH und Kreishandwerksmeister der Kreishandwerker- schaft Dortmund und Lünen hat die Auswirkungen der Corona- Pandemie bereits selbst zu spüren bekommen: „Wir erleben im Bereich der Materialzulieferung bereits Verzögerungen aber auch im Dienstleistungszweig sind Aufträge aufgrund der Krise weggebrochen. Hinzu kommt die niedrige Anzahl an Bewerbungen in diesem Jahr.“

Für Sprenger sei das aber nicht unbedingt ein Corona-bedingtes Problem, es fehle vor allem an Begeisterung für das Handwerk. Die müsse bei jungen Menschen wieder geweckt werden. Und das gehe seiner Meinung nach vor allem dann, wenn man das Handwerk bereits bei den Kleinsten etabliere. „Die Kreishandwerkerschaft veranstaltet jedes Jahr einen Malwettbewerb für Kindergartenkinder, der sie in unterschiedliche Berufsgruppen schnuppern lässt. Die positive Resonanz ist enorm.“

„Wir werden alles dafür tun, um bis Januar noch möglichst viele junge Menschen in eine duale Ausbildung zu bringen“, sagte NRW- Arbeitsminister Laumann. „Kein junger Mensch sollte aufgrund der Corona-Pandemie auf eine Ausbildung verzichten müssen.“

Handwerk hat vermehrt mit Akzeptanzproblemen bei jungen Menschen zu kämpfen

Was das Handwerk angehe, sei zu spüren, dass es vermehrt Akzeptanzprobleme bei jungen Menschen gegenüber den gewerklichen Berufsbildern gebe. „Dabei sind Handwerksberufe heutzutage anspruchsvoll und bieten auch finanziell eine hervorragende Perspektive“, so Laumann.

Der Minister ist davon überzeugt, dass die effektivste Werbung für eine Ausbildung im Handwerk neben den zahlreichen Ausbildungsoffensiven über denpersönlichen Austausch stattfinde. „Wer mit Leidenschaft bei seinem Beruf ist, der schafft es meist auch an andere dafür zu begeistern.“

„Die Ausbildung von jungen Menschen ist eine Grundvoraussetzung für die Zukunftsfähigkeit unserer Betriebe“, so HWK-Präsident Berthold Schröder. Deshalb sei es nicht nur wichtig die Aufmerksamkeit für die 130 Berufe im Handwerk zu steigern, sondern auch die überbetrieblichen Ausbildungswerkstätten durch Modernisierung zuattraktiven Ausbildungsorten zu machen. Schröder: „Sonst folgt auf die Corona-Krise eine weitere Fachkräftekrise.“

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2 Gedanken über “„Handwerk muss für junge Menschen wieder sexy werden!“: Arbeitsminister zu Gast bei der Handwerkskammer Dortmund

  1. Noch 386 offene Ausbildungsplätze im Kammerbezirk (Pressemitteilung HWK Dortmund)

    Noch 386 offene Ausbildungsplätze im Kammerbezirk
    Ausbildungsstart, Praktika und Einstiegsqualifizierungen
    unbefristet möglich / HWK bietet digitale Ausbildungsberatung

    Bis zum Stichtag 31. Oktober 2020 wurden 3.555 neue Ausbildungsverhältnisse im Kammerbezirk der Handwerkskammer (HWK) Dortmund eingetragen. Im Vorjahr waren es zu diesem Zeitpunkt bereits 4.086, was einen Rückgang von 13 Prozent bedeutet. Erklären lässt sich das durch den Corona-bedingten Ausfall von Azubi-Speed-Datings, Infoveranstaltungen in Schulen und Karrieremessen, bei denen sich Unternehmer und Bewerber persönlich kennenlernen können.

    Die HWK-Lehrstellenbörse verzeichnet aktuell noch 386 offene Ausbildungsplätze in unterschiedlichsten Branchen und in allen Regionen des Kammerbezirks. Besonders stark wird in der Anlagenmechanik für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, den Lebensmittelhandwerken (Bäckerei) und der Kraftfahrzeugmechatronik gesucht.

    „Es ist noch immer möglich, jetzt eine Ausbildung zu beginnen“, sagt Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer (HWK) Dortmund. Die Chancen auf dem Ausbildungsmarkt seien derzeit groß, weil die Betriebe noch viele freie Plätze zu vergeben hätten. „Ich kann jedem, der eine Ausbildung sucht, nur raten, sich zu bewerben.“ Allen, die sich bei der Berufswahl noch unsicher sind, empfiehlt der Kammer-Präsident ein Praktikum:

    „So können Unternehmer und Praktikant herausfinden, ob sie sich eine weitere Zusammenarbeit vorstellen können.“ Ebenso könne ein Einstiegsqualifizierungsjahr, das von den ansässigen Agenturen für Arbeit finanziell gefördert wird, dabei helfen, junge Menschen auf eine anschließende Berufsausbildung vorzubereiten.

    Für ausführliche Beratung und Hilfestellung bei der Bewerbung stehen die Lehrstellenvermittler der HWK Dortmund zur Verfügung – auch digital. So können erste Kontakte über den neuen HWK-WhatsApp-Service entstehen oder Beratungen per Video-Chat durchgeführt werden.

    Kontakt
    Tel.: 0231 5493-333 (Kontakt auch per WhatsApp möglich)
    E-Mail: ausbildungsberatung@hwk-do.de
    Internet: hwk-do.de/ausbildung

  2. Ruhr-Handwerk: Konjunkturelle Erholung durch zweiten Lockdown ausgebremst (PM) Beitrags Autor

    Ruhr-Handwerk: Konjunkturelle Erholung durch zweiten Lockdown ausgebremst

    Der zweite Lockdown seit Anfang November wirft auch das Handwerk im Ruhrgebiet wieder zurück. „Im dritten Quartal hatte das Handwerk wieder Boden gut gemacht“, betont der Präsident der Handwerkskammer Münster, Hans Hund, als Sprecher des Zusammenschlusses HANDWERK REGION RUHR. „Aber jetzt geraten einige Betriebe wieder in Schwierigkeiten – insbesondere die Kosmetiker.“ Betroffen seien von den Auswirkungen des Lockdowns mittelbar aber auch andere Gewerke, die etwa wegen abgesagter Veranstaltungen oder geringerer Kundenfrequenzen zu kämpfen hätten.

    In der Herbstumfrage der drei Handwerkskammern Dortmund, Düsseldorf und Münster, die Ende September und Anfang Oktober durchgeführt worden waren, befand sich das Geschäftsklima wieder auf einem soliden Wert von 112 Punkten. Damit war die Talsohle der Corona-Krise für das Handwerk schon durchschritten, auch wenn das Ruhr-Handwerk damit um drei Prozentpunkte unter dem landesweiten Wert lag. Etwa jeder fünfte Betrieb meldete eine schlechte Geschäftslage, 45 Prozent hatten auch konkrete Umsatzeinbußen zu verkraften.

    „Im Ganzen steht das Baugewerbe weiterhin sehr gut da und stabilisiert das Gesamthandwerk“, so Hund. „Aber bei den Personenbezogenen Dienstleistungen wie Friseuren und Kosmetikern, ist die Stimmung gedämpft bis schlecht.“ Sehr verhalten sei die Lage auch in den Handwerken für den Gewerblichen Bedarf, darunter Gebäudereiniger oder Feinwerkmechaniker, bei denen sich nachlassende Auftragseingänge aus der Industrie negativ bemerkbar machten.

    Insgesamt leide das Ruhr-Handwerk stärker als im Landesdurchschnitt und habe mit einem Rückgang der Auftragsreichweiten zu kämpfen, der bei den Industriezulieferern besonders ausgeprägt sei. Innerhalb der Region Ruhr stehe das östliche Ruhrgebiet derzeit etwas besser da als der westliche Teil und die Emscher-Lippe-Region.

    „Der Lockdown war angesichts der Infektionsdynamik vermutlich unvermeidbar“, unterstreicht Hund mit Blick auf die aktuellen wirtschaftspolitischen Herausforderungen. Er wirbt dafür, dass die angekündigte Novemberhilfe nun schnell und unbürokratisch bei den Betrieben ankommt. „Aber auf lange Sicht kommt es natürlich darauf an, dass die Betriebe verlässliche Perspektiven haben. Das gilt sowohl für die Maßnahmen gegen das Corona-Virus – mit häufig recht kurzfristigen Änderungen bei den Verordnungen – als auch für die mittelstandspolitischen Rahmenbedingungen, die ein Stück weit auch in den Kommunen geschaffen werden müssen“, erklärt er. „Wechselbäder zwischen Lockdown und Lockerungen können wir uns auf Dauer nicht leisten. Die Betriebe müssen wissen, woran sie sind, wenn sie kluge unternehmerische Entscheidungen treffen sollen.“

    http://www.handwerk.nrw/handwerk-region-ruhr

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