Grenzen: Ukrainisches Künstlerkollektiv gießt die Fragilität der Freiheit in eine Betonskulptur

„Unheimliche Verschiebung“ ab 22. August rund um den Hauptbahnhof

Teamwork: Die Form für die Skulptur PO-2022 entsteht im Dortmunder Künstler*innenhaus. JENS SUNDHEIM

Die Ausstellung „Unheimliche Verschiebung“ von Urbane Künste Ruhr wird am 22. August 2026 an verschiedenen Orten der Innenstadt eröffnet. 14 Künstler:innen und Kollektive sind dabei – darunter auch der Dortmunder Hans Ostapenko. Er beschäftigt sich mit dem Thema Grenzen und gemeinsam mit dem ukrainischem Kollektiv MNPL entsteht aktuell eine Skulptur, die in vielen Menschen berühren wird.

Zäune – gebogen, überwunden, zu Skulpturen transformiert

Hans Ostapenko wurde in der Ukraine geboren, lebt bereits seit 2006 in Dortmund und ist Mitglied im Atelierhaus „Alter Kiosk“ an der Oesterholzstraße. Seit einigen Jahren beschäftigt er sich in seiner künstlerischen Arbeit mit Zäunen. Sie dienen ihm als Material für seine Objekte und interessieren ihn als Ausdruck der Begrenzungen in unserer Umgebung.

Das Tor zum Freilicht.Nord Garten von Hans Ostapenko und Viktor Prokhorov. Joshua Hoven, 2025

„Zäune sind ambivalent“, findet Ostapenko. Sie trennen den privaten vom öffentlichen Raum, können uns abschotten oder auch schützen. Häufig sind es standardisierte Metallzäune, die von ihm gebogen, überwunden, zu Skulpturen transformiert und dabei letztendlich infrage gestellt werden. ___STEADY_PAYWALL___

Für das Gartenkollektiv Freilicht.Nord entstand 2025 gemeinsam mit Viktor Prokhorov ein florales Tor, das den Übergang von der Straße zum Naturraum markiert. Seine aktuelle Arbeit beschäftigt sich dagegen mit Zäunen bzw. Mauern als Ausdruck von Aggression und Machtmissbrauch.

„Das Projekt entstand als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg“

Gemeinsam mit dem ukrainischen Kollektiv MLPN realisiert Ostapenko aktuell die Beton-Skulptur „PO-2022“. Der Titel erinnert an die Bezeichnung PO-2 für einen Stahlbeton-Fertigteilzaun, der in den 1970er Jahren von dem Moskauer Architekten Boris Lachmann entworfenen wurde.

Kleines Modell zu PO-2022 JENS SUNDHEIM

„Der Zaun mit dem modernen Diamantquader ist bis heute im postsowjetischen Raum präsent und ein fester Bestandteil der sowjetischen Architekturlandschaft,“ so Ostapenko. Für ihn ist er das Symbol einer unfreien Welt. Ostapenko: „Das Projekt entstand als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.“

Doch das Rautenmuster ist nur auf der einen Seite der Skulptur zu sehen. Von der andere Seite erinnert ihre Form an die Berliner Mauer. Eine bewußte Verschränkung, die auf die Zeit des Kalten Krieges verweist und uns an die Fragilität unserer sicher geglaubten Freiheit erinnert.

Ein Stück Berliner Mauer in der Dortmunder City

PO-2022 ist ein multimediales Kunstwerk, das 2022 erstmals als Computermodell, schließlich via Animationen und zuletzt als Miniaturmodell ausgestellt wurde. Dank einer Förderung des Dortmunder Kulturbüros kann es nun in Originalgröße aus Beton gegossen werden. Bei einer Höhe von 3,6 m – das entspricht einem Element der Berliner Mauer – wird es am Ende etwa 3,1 Tonnen schwer sein.

Work in Progress: Entstehung von PO-2022 im Künstler*innenhaus Dortmund JENS SUNDHEIM

Wenn alles klappt, wird die Skulptur ab dem 22. August in der Dortmunder Fußgängerzone, zwischen Hauptbahnhof und Petri-Kirche aufgestellt. Sie ist dann Teil der Ausstellung „Unheimliche Verschiebung“ von Urbane Künste Ruhr (UKR), die bis 4. Oktober rund um dem Hauptbahnhof zu sehen sein wird.

Für die Ausstellungsmacher:innen passt das Werk gut zum Konzept, denn es thematisiert die „unerträglich gewaltvolle Verschiebung, der die Ukraine seit der Annexion der Krim 2014 ausgesetzt ist.“

Rund um den Hauptbahnhof entsteht aktuell an verschiedenen Orten in Dortmund ein Parcours, der die Arbeit von 14 Künstler:innen und Kollektiven zeigt. Neben Hans Ostapenko ist auch die Dortmunderin Silke Schönfeld dabei, die einen Film über die Brückstraße gedreht hat. Außerdem präsentiert das Künstler*innenhaus mit „Schauer unter der Haut der Erde“ eine Ausstellung in der Ausstellung. Mehr dazu in Kürze.

Weitere Informationen 


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