
Der Wissenschaftsrat in Bonn gab die Gewinner:innen des Wettbewerbs um die nationale Exzellenzstrategie bekannt. Im Westfälischen Industrieclub in Dortmund hatten sich die Bewerber:innen der TU Dortmund und der Ruhr-Universität Bochum (RUB) am 2. Oktober zum Public-Viewing versammelt und warteten gespannt auf die Ergebnisse. Als die Jury den Sieg des Ruhr-Innovation-Lab verkündetet war der Jubel grenzenlos.
Gelöste Stimmung, Gratulationen und Fußball-Metaphern
„Wir sind überwältigt von diesem großartigen Erfolg“, sagte Prof. Martin Paul, Rektor der Ruhr-Universität Bochum. „Zusammen sind wir in die Champions League der Wissenschaft aufgestiegen“, ergänzte Prof. Manfred Bayer, Rektor der TU Dortmund. „Unser Erfolg in der Exzellenzstrategie wird dem gesamten Ruhrgebiet einen Schub und höhere internationale Sichtbarkeit geben“, waren sich die beiden Rektoren einig.

„Ganz NRW ist heute stolz auf dieses Ergebnis. Es ist eine unglaubliche Leistung, was die beiden Universitäten geschafft haben“, erklärte Ina Brandes (CDU), Wissenschaftsministerin NRW, die ebenfalls anwesend war. Sie gratulierte außerdem der Universität Köln, die den Exzellenzstatus „völlig verdient“ zurückgewonnen habe.
Mit der RWTH Aachen und der Universität Bonn gehörten künftig fünf nordrhein-westfälische Universitäten zur internationalen Forschungsspitze, so viele wie in keinem anderen Bundesland, erklärte Brandes. „Nach der Olympia-Bewerbung stand es ja 1:0 für Bayern, jetzt steht es aber 2:1“, ergänzte Bayer amüsiert. München hatte zuvor den Zuschlag als Olympiastadt-Kandidatin vor der Köln-Ruhr-Bewerbung bekommen. ___STEADY_PAYWALL___
In einem Presse-Statement sagte Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU): „Herzlichen Glückwunsch an die Universität Köln sowie an die Ruhr-Universität Bochum und die TU Dortmund zu diesem herausragenden Erfolg“, und nannte die Entscheidung einen besonderen Erfolg für das Land, welcher die „Stärke und internationale Strahlkraft des Wissenschaftsstandort Nordrhein-Westfalen“ zeige.
Erprobte Zusammenarbeit der beiden Universitäten „exportieren“
„Wir sind ja zweimal alleine angetreten und haben es nicht geschafft. Deswegen haben wir uns zusammengetan“, erklärte Paul. Die Exzellenzcluster habe man bewusst als „Labor“ genutzt. Man könne die dort erprobte Zusammenarbeit nun an die Universitäten „exportieren“. Er spreche deshalb auch von „inklusiver Exzellenz“, so Paul.

„Wir haben bei unserer Bewerbung auf eine langjährige Kooperation aufbauen können und gehen mit dem Ruhr Innovation Lab nun den nächsten Schritt hin zur Integration“, ergänzte Bayer. Seit 2007 kooperieren die Hochschulen aus Dortmund und Bochum mit der Universität Duisburg-Essen. Im Rahmen der Universitätsallianz Ruhr wurden gemeinsame Strukturen geschaffen. Diese wolle man nun bilateral vertiefen.
„Wir öffnen die Labore, sodass Bochumer beispielsweise Einrichtungen nutzen können, die dort nicht vorhanden sind, und genauso natürlich wir als Dortmunder Einrichtungen nutzen können, die dort vorhanden sind“, erklärte Bayer. „Wir werden nicht fusionieren, aber wir können so viel zusammen erreichen“, ergänzte Paul.
Vom Exzellenzstatus sollen alle profitieren
Man suche die Konkurrenz international und nicht in NRW. So wolle man die Rahmenbedingungen für Nachwuchswissenschaftler:innen verbessern, indem man Bürokratie abbaue und bei herausragenden Ideen mehr Freiräume in der Forschung gewähre, beispielsweise durch eine Reduktion des Lehrauftrags.

Durch die internationale Sichtbarkeit erhoffe man sich außerdem auch mehr Dozent:innen und Studierende von außerhalb. Auch das bringe positive Effekte für alle Beteiligten an den Hochschulen. Außerdem suche man die Zusammenarbeit mit Gesellschaft und Wirtschaft.
Man wolle „raus aus dem Elfenbeinturm“ und das was man tue „in die Gesellschaft zurücktragen“, so Paul. Wissenschaftliche Fortschritte sollten, wenn möglich, auch in Geschäftsmodelle übertragen werden, um die Wirtschaft und Innovationsfähigkeit des Landes zu stärken, ergänzte Brandes.
Die Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder ist ein Wettbewerb zur Förderung der Spitzenforschung, der erstmals 2005 unter dem Namen Exzellenzinitiative ausgerufen wurde.

Universitäten, die eine hinreichende Zahl an Exzellenzclustern einwerben, dürfen sich in einer zweiten Förderlinie um den Titel Exzellenzuniversität oder Exzellenzverbund bewerben.
Dies haben die TU Dortmund und die Ruhr-Universität-Bochum mit dem Ruhr Innovation Lab nun erfolgreich getan. Es umfasst die drei Exzellenzcluster RESOLV (Ruhr Explores SOLVation), CASA (Cybersecurity in the Age of Large-Scale Adversaries) und Color meets Flavor.
RESOLV untersucht Lösungsmittel und hat eine eigene Forschungsdisziplin etabliert. Mit CASA ist ein Zentrum für Cybersicherheitsforschung entstanden. Color meets Flavor untersucht Phänomene der Wechselwirkung von Elementarteilchen.
Als Exzellenzverbund können sie Fördergelder von über 20 Millionen Euro beantragen. Das Land NRW fördert zusätzlich mit einem Betrag von 4,5 Millionen Euro pro Jahr. Exzellenz-Uni bleiben die beiden Universitäten für sieben Jahre.
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