
Das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund wurde für rund 250 Schüler:innen aus Nordrhein-Westfalen zum Treffpunkt, um über Demokratie zu sprechen. Das Europa-Demokratie-Festival bildete den Abschluss der Initiative „WAS IST WAS Demokratie live!“, mit der die WEPA Stiftung und der Tessloff Verlag im Frühjahr 2026 an Schulen unterwegs waren. Beteiligt waren fünfte Klassen unterschiedlicher Schulformen.
Ein Pilotprojekt an Schulen in NRW
Begonnen hatte das Projekt bereits im Frühjahr. Die WEPA Stiftung und Tessloff entwickelten gemeinsam eine Demokratie-Tour für fünfte Klassen in Nordrhein-Westfalen. Ziel war es, Demokratie direkt in die Schulen zu bringen und dabei ein Format zu entwickeln, das Wissen vermittelt und gleichzeitig Interesse weckt. „Wir müssen uns alle für die Demokratie stark machen“, sagte Ingmar Lohmann, Vorstandsvorsitzender der WEPA Stiftung.

Insgesamt fanden acht Workshops an vier Schulen in Dortmund, Bochum und weiteren Städten Nordrhein-Westfalens statt, jeweils mit fünften Klassen verschiedener Schulformen. Geleitet wurden diese von der Was-ist-was-Autorin Andrea Weller-Essers.
Für Weller-Essers war gerade der direkte Austausch entscheidend. Besonders aufgefallen sei ihr dabei, dass viele Kinder Demokratie zunächst mit Politik und dem Bundeskanzler verbinden, nicht aber mit ihrem eigenen Alltag.
Gleichzeitig hätten sie ein ausgeprägtes Gespür dafür, was fair sei. „Kinder wissen sehr schnell und intuitiv, was fair ist“, sagte die Autorin. Genau daran sollte das Projekt anknüpfen: Kindern zu vermitteln, dass Demokratie nicht nur Politik bedeutet, sondern sie selbst betrifft und ihnen Möglichkeiten gibt, ihre Umwelt mitzugestalten.
Kindern mit Fruchtgummi die Demokratie vermitteln
In den Workshops beschäftigten sich die Schüler:innen mit Fragen wie: Was ist Demokratie? Warum sind unterschiedliche Meinungen wichtig? Was bedeutet Mitbestimmung? Und welche Rechte haben Kinder?
Die Workshops sollten deshalb bei Situationen ansetzen, die die Kinder selbst kennen. Ein Beispiel: Eine Klasse soll entscheiden, welche Süßigkeit sie gemeinsam essen möchte. Die Mehrheit entscheidet sich schnell für Fruchtgummis. Doch dann wird die Entscheidung hinterfragt: Was ist mit Kindern, die keine Schweinegelatine essen dürfen?
Damit verändert sich die Frage. Es geht nicht mehr nur darum, was die Mehrheit möchte, sondern darum, ob eine gemeinsame Lösung gefunden werden kann, bei der möglichst alle berücksichtigt werden.
„Alle Menschen sind gleich, jeder soll gleichbehandelt werden.“
„Demokratie bedeutet nicht, dass eine Person für alle entscheidet“, erklärte Weller-Essers. Vielmehr gehe es darum, unterschiedliche Bedürfnisse wahrzunehmen und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.

Für die Gesamtschullehrerin Jana Golomjodowa, die mit ihrer Klasse im Februar an einem der Workshops im Frühjahr teilnahm, ist genau diese frühe Auseinandersetzung mit Demokratie wichtig. „Die Kinder haben während der Workshops viel Spaß gehabt und viele Fragen gestellt“, erinnert sie sich.
Auf die Frage, was Demokratie nun nach den Workshops für sie bedeutet, haben die Schüler:innen klare Antworten.
Für Florian (elf Jahre) ist Demokratie: „Gerechtigkeit, jeder soll gleich behandelt werden, auch in der Schule. Alle sind gleich und haben gleiche Rechte.“ Und für Mia (elf Jahre) bedeutet es: „Alle Menschen sind gleich, jeder soll gleichbehandelt werden.“
Ein Abschlussfest im Fußballmuseum
Beim Abschlussfest am 28. September im Fußballmuseum in Dortmund wurde das Ende des Pilotprojektes gekrönt und mit den beteiligten Schulen gefeiert. Auf dem Programm standen unter anderem eine Diskussionsrunde mit Fußball-Weltmeisterin Mia Künzer, Ex-Nationalspieler Marcell Jansen und Was-ist-was-Autorin Andrea Weller-Essers, moderiert von Checker Julian. Dazu kamen Workshops, eine Museumsrallye, kreative Angebote und ein Demokratie-Quiz.
Dass das Fußballmuseum als Abschluss der Tour gewählt wurde, sei kein Zufall, betonte Manuel Neukirchner bereits in seiner Begrüßung: „Fußballspiele gehen nur, wenn sich alle auf gemeinsame Regeln verlassen können, ähnlich wie in einer Demokratie, in der unterschiedliche Meinungen respektiert und gemeinsame Entscheidungen getroffen werden müssen.“
Ein Gespräch über Fußball, Demokratie und Gerechtigkeit
In der anschließenden Gesprächsrunde wurde die Verbindung von Sport und demokratischer Teilhabe weiter vertieft. Die ehemalige Fußballnationalspielerin Mia Künzer verwies dabei auf die besondere Rolle des Sports: Kinder würden im Fußball viele Dinge „ohne den erhobenen Zeigefinger“ lernen.

Mannschaftssport vermittle, aufeinander zu hören, Rücksicht zu nehmen und respektvoll miteinander umzugehen. „Im Grunde sind wir überall ein Team. In der Familie, in der Schule, in der Fußballmannschaft, in der Gesellschaft“, sagte Künzer.
Demokratie beginne dabei bereits im Kleinen, betonte sie: Kinder sollten ihre Meinung vertreten, anderen zuhören und erleben, dass ihre Stimme zählt. Genau das wurde auch auf der Bühne sichtbar.
Während der Diskussionsrunde brachten die Schüler:innen ihre eigenen Erfahrungen ein, sprachen über Situationen, die sie als ungerecht empfinden, und diskutierten über Kinderrechte und Möglichkeiten der Mitbestimmung. So wurde der Abschluss des Projekts nicht nur als Veranstaltung über Demokratie gestaltet, sondern die Kinder wurden selbst zu einem Teil des Austauschs.
Wie geht es in Zukunft weiter?
Für die WEPA Stiftung markiert das Festival den Abschluss der ersten NRW-Demokratietour, die seit Februar gemeinsam mit dem Tessloff Verlag und dem „Was ist was“-Demokratiebuch an Schulen durchgeführt wurde.
Die Pilotphase habe gezeigt, dass das Angebot auf großes Interesse gestoßen sei. „Jede Stimme ist wichtig und deine Stimme zählt“, fasst die Stiftung das Ziel des Projekts zusammen.
Die Kinder sollten erfahren, dass ihre Meinung gehört wird und sie selbst etwas bewegen können. Gerade bei Fünftklässlern gehe es dabei um grundlegende demokratische Kompetenzen und eine frühe Sensibilisierung.
Nach der erfolgreichen Pilotphase soll das Konzept weiterentwickelt und perspektivisch über Nordrhein-Westfalen hinaus ausgeweitet werden. Konkrete Standorte stehen laut Stiftung noch nicht fest, die Überlegungen für eine Fortsetzung laufen jedoch bereits.
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