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Fasia Jansen: Sängerin, Antifaschistin, Friedensaktivistin – Ausschreibung für Recherchen zu ihrem Werk und Wirken

Fasia Jansen – viele Jahre engagiert für Rechte von Arbeiter*innen, Frauen und Frieden. Foto: Familienfilmarchiv

Erstmalig schreiben das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund | Köln und Interkultur Ruhr eine zweimonatige künstlerische Recherche-Residenz aus – geplant über jeweils einen Monat im Herbst 2020 und im Frühjahr 2021 in Dortmund (Künstlerhaus) und Oberhausen (Kultur im Turm e.V. – kitev). Damit soll nicht nur das wichtige Thema der Geschichte sozialer Bewegungen im Ruhrgebiet ins Licht gerückt und künstlerisch entwickelt, sondern auch Künstler*innen sollen in schwierigen Zeiten unterstützt werden. Gegenstand der Forschung: Werk und Wirken der Liedermacherin Fasia Jansen.

Wichtige Akteurin in regionaler Geschichte der Proteste und sozialen Bewegungen

Flugblatt Solidaritätsfest, 14. Juni 1981, in Gelsenkirchen.

Fasia Jansen hat von den 70er Jahren bis in die späten 90er von ihrem Wohnort Oberhausen aus Kämpfe von Arbeiter*innen, Frauen und (anti-faschistische) Friedensarbeit im gesamten Ruhrgebiet, aber auch in der Bundesrepublik und weit über die Landesgrenzen hinaus unterstützt.

Die eingängigen Protestlieder der 1929 in Hamburg geborenen Musikerin wurden zur motivierenden Parole von Versammlungen, Märschen und Kundgebungen. ___STEADY_PAYWALL___

Jansen engagierte sich für den Erhalt von Bergarbeitersiedlungen und machte kritische Bildungsarbeit für Schüler*innen. Mit ihrer Gitarre legte sie tausende Kilometer auf Friedensmärschen zurück, die sie nicht nur musikalisch begleitete, sondern auch politisch weiter entwickelte.

Diese wichtige Akteurin in der Geschichte der Proteste und sozialen Bewegungen im Ruhrgebiet, aber auch in globalen Widerstandskämpfen ist eine besondere Figur im Kontext Schwarzer deutscher Erinnerungskultur.

Fasia Jansen – zeitlebens belegt mit zahlreichen Strafbefehlen wegen Volksverhetzung und Widerstand gegen die Staatsgewalt, später Trägerin des Bundesverdienstkreuzes – verdient Aufmerksamkeit. Mehr, als ihr bislang zuteil wurde.

Auf den Spuren von Fasia Jansen: Recherchen in zahlreichen Archiven des Ruhrgebiets

Portrait Fasia Jansen in „Rote Blätter“ von 1976 S 46f.

Mit der Ausschreibung der neuen Residenz laden das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund | Köln und Interkultur Ruhr Künstler*innen dazu ein, ihr Werk und Wirken weiter zu erforschen.

Den Anstoß gab das 2018 von Interkultur Ruhr initiierte Archiv für Familien- und Amateurfilm des Ruhrgebiets. Dort finden sich in den Filmbeständen von Rita Schenkmann-Raguse und Pat Walbersdorf – die als „Hoesch-Frauen” intensiv in Dortmunder Arbeitskämpfe eingebunden waren – Spuren von Fasia Jansen und ihrer Bewegungsarbeit in der östlichen Ruhrgebietsstadt.

Von diesen Amateur*innenfilmen und den erzählten Erinnerungen ihrer Archivar*innen ausgehend, bietet die Residenz viele Möglichkeiten, in die zahlreichen Archive des Ruhrgebiets und dessen dort erzählte reiche, aber teils vergessene Geschichte einzutauchen. Eine Materialschau der Recherche ist im Rahmen des Internationalen Frauenfilmfestivals Dortmund | Köln im April 2021 in Dortmund geplant.

Bewerbungsfrist endet am 30. Juni

Die ausgeschriebene Residenz soll in zwei einzelnen Monaten im Herbst 2020 und im Frühjahr 2021 in Dortmund (Künstlerhaus) und Oberhausen (kitev) stattfinden. Der/die Künstler*in erhält 1.000 Euro pro Residenzmonat, eine Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr und eine Unterkunft.

Eine fertige Arbeit wird nicht erwartet. Eingeladen zur Bewerbung sind Filmemacher*innen und Künstler*innen aus der Region und darüber hinaus. Deutschkenntnisse sind für die Materialsichtung erforderlich. Bewerbungsfrist ist der 30. Juni 2020.

Weitere Informationen:

  • Link zur Ausschreibung; hier:
  • Fasia Jansen (1929-1997): Eine deutsche Biographie (Bilder und Texte); hier:
  • Interkultur Ruhr: Seit 2016 arbeitet und forscht Interkultur Ruhr als mobile Organisation an Formen einer diversen Gemeinschaft – zusammen mit Akteur*innen aus verschiedenen Bereichen, von Migrant*innen-Selbstorganisationen und freien Initiativen über Kulturinstitutionen bis hin zu Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung. Der Fonds Interkultur Ruhr fördert Projekte, die eine Gesellschaft der Vielfalt und das solidarische Miteinander stärken. Das Netzwerk Interkultur Ruhr dient dem Austausch zwischen interkulturellen Initiativen und Organisationen im Ruhrgebiet. Daneben werden künstlerische Projekte und Koproduktionen in verschiedenen Städten der Region realisiert. Interkultur Ruhr ist ein Projekt des Regionalverbands Ruhr (RVR). Es ist Teil der Nachhaltigkeitsvereinbarung zur Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr. 2010 und wird gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Archiv für Familien- und Amateurfilm des Ruhrgebiets entstand im Rahmen des Projektes Interkultur Ruhr (RVR) mit Unterstützung des Forums für Geschichtskultur an Ruhr und Emscher e.V. Archivträger ist die Stiftung Ruhr Museum.
  • Das Internationale Frauenfilmfestival Dortmund | Köln – Deutschlands größtes Forum für Frauen in der Filmbranche – steht für ein internationales und anspruchsvolles Filmprogramm, das herausragende Filme von Frauen in allen Genres und Stilrichtungen präsentiert. Das seit über 30 Jahren bestehende Festival hat aktiv dazu beigetragen, dass Filme von Regisseurinnen mehr gesehen, geschätzt und kanonisiert werden. Neben dem Spielfilmwettbewerb und mehreren Nachwuchspreisen vergibt das Festival den weltweit einmaligen Preis an Bildgestalterinnen für besondere Kameraarbeit. Archivarbeit ist eines der Kernthemen des Festivals, denn die Geschichte des Frauen*films bedarf konstanter Aufarbeitung. 2018 präsentierte das Festival in dem Programm „Café Kosmos“ Filme aus dem Archiv für Familien- und Amateurfilm des Ruhrgebiets. Dies führte zu einer langfristigen Zusammenarbeit mit Interkultur Ruhr.
  • Kultur im Turm e.V. – kitev | Oberhausen wurde 2006 von Künstler*innen und Architekt*innen aus dem Ruhrgebiet und Berlin begründet. 2011 bis 2013 erfolgte unter eigener Leitung der Umbau des Bahnhofsturms im Oberhausener Hbf zum Konzeptions- und Arbeitsraum sowie zum Residenzort für temporäre künstlerische Arbeiten in der Region Ruhrgebiet. Kitev arbeitet lokal, regional und international vernetzt in künstlerischen, architektonischen, sozial-kulturellen, dialogisch forschenden und experimentellen partizipativen Projekten.
  • Das Künstlerhaus Dortmund wird seit 1983 von Künstler*innen als Atelierhaus und Ausstellungsort für zeitgenössische und experimentelle Kunst in Selbstorganisation geführt. Es führt neben Ausstellungen auch Residenzprogramme und Kooperationsprojekte sowie Projekte der kulturellen Bildung durch.

 

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2 Gedanken über “Fasia Jansen: Sängerin, Antifaschistin, Friedensaktivistin – Ausschreibung für Recherchen zu ihrem Werk und Wirken

  1. INTERNATIONALES FRAUEN*FILMFEST 2021: DISKUSSION ÜBER FASIA JANSEN UND SCHWARZE ARCHIVE (PM) Beitrags Autor

    INTERNATIONALES FRAUEN*FILMFEST 2021: DISKUSSION ÜBER FASIA JANSEN UND SCHWARZE ARCHIVE

    Am 20.06.2021 um 13:30 Uhr stellen die Dortmunder Stipendiatinnen Princela Biyaa und Marny Garcia Mommertz Ergebnisse ihrer Recherche-Residenz zu der Schwarzen Liedermacherin und Friedensaktivistin Fasia Jansen in einer Online- Diskussion vor.

    Seit Oktober 2020 setzen sich Princela Biyaa und Marny Garcia Mommertz mit dem Leben der Liedermacherin und Friedensaktivistin Fasia Jansen im Rahmen einer ergebnisoffenen künstlerischen Recherche-Residenz auseinander, die vom IFFF Dortmund+Köln und Interkultur Ruhr ausgeschrieben worden war. Ihr Anliegen war es zu erforschen, inwiefern Fasia Jansens Leben aus Schwarzen Deutschen Perspektiven verstanden und verarbeitet werden kann. Im Laufe der Recherche gewannen Geschichten und Arbeiten von Schwarzen Menschen, die Fasia Jansen kannten, zentrale Bedeutung, um ein vollständigeres Bild von Netzwerken Schwarzer Menschen in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs und danach zu erfassen.

    In ihrer Arbeit stützen sich Biyaa und Mommertz auf Gespräche und Erzählungen von Fasia Jansens Nichte, Ms Vivian Seton, und auch auf die von Tina Campt geführten Interviews aus dem Jahre 1992. Hierbei wurde klar, dass die Erweiterung der Perspektive weg von Fasia Jansens Person und hin zu einer Einbettung ihrer Geschichte in soziopolitische Kontexte Zusammenhänge erscheinen lässt, die einen tieferen Einblick in die kollektiven Erfahrungen Schwarzer Menschen zur Lebenszeit Fasia Jansens geben können.

    Die Auseinandersetzung mit Fasia Jansens Leben kann im Kontext dieser Residenz als Anfang eines Prozesses verstanden werden, in dem Biyaa und Mommertz Fragen zum Archivieren Schwarzer Geschichten stellen und diskutieren. Sie suchen den aktiven Austausch mit Menschen, die sich mit verschiedenen Formen des Archivierens auseinandersetzen, wie beispielsweise Fayo Said, Gründerin von Oromia Records, eines Onlinearchivs zu Oromo Kulturen.

    Bei einem Talk im Rahmen der Online-Ausgabe des IFFF Dortmund+Köln am 20. Juni 2021 ab 13:30 Uhr berichten Princela Biyaa und Marny Garcia Mommertz über ihre Erfahrungen während der Forschungsresidenz, sprechen mit Ms Vivian Seton und Tina Campt und stellen ihr Installationskonzept zu einer weiteren Auseinandersetzung zum Thema vor. Moderiert wird die Veranstaltung auf Deutsch und Englisch von Fayo Said.

    Link zur Veranstaltung: https://vimeo.com/563238676/9749c33031

    Auf Facebook läuft die Veranstaltung als Watchparty und dort stehen im Anschluss Princela Biyaa und Marny Garcia Mommertz im Chat zum Q&A bereit: http://www.facebook.com/IFFF.Dortmund.Koeln

    Im Vorfeld ist bei Interkultur Ruhr bereits ein Podcast erschienen, in der die Stipendiatinnen über ihre Arbeit berichten, abrufbar unter http://www.interkultur.ruhr.

    Die Recherche-Residenz Fasia Jansen, die 2020 im Rahmen des Archivs für Familien- und Amateurfilm des Ruhrgebiets ins Leben gerufen wurde, wird unterstützt und gefördert vom IFFF Dortmund+Köln und Interkultur Ruhr.

    https://frauenfilmfest.com http://www.interkultur.ruhr

    ÜBER DIE STIPENDIATINNEN

    Princela Biyaa: Die Bildungsreferentin arbeitet bei Each One Teach One e.V. und pendelt als Kulturarbeiterin zwischen dem Ruhrgebiet und Berlin. Seit 2020 ist sie kuratorische Leiterin des curl.collective. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit den Themen ›Community Care‹ und ›Self Care‹ in Schwarzen Gemeinschaften.
    Marny Garcia Mommertz: Die Kulturproduzentin unterstützt in ihrer Praxis Projekte, die zur Selbststärkung Schwarzer Gemeinschaften beitragen. Derzeit studiert sie den Master ›Museum Studies‹ an der Universität von Amsterdam. Die Stipendiatinnen sind Mitbegründerinnen der Association for Black Art_ists e.V. und haben gemeinsam mit Fayo Said das Pact Fellowship 2020 erhalten.

    ÜBER INTERKULTUR RUHR

    Interkultur Ruhr arbeitet und forscht als mobile Organisation an Formen einer diversen Gemeinschaft – zusammen mit Akteur*innen aus verschiedenen Bereichen, von Migrant*innen-Selbstorganisationen und freien Initiativen über Kulturinstitutionen bis hin zu Vertreter*innen der Kommunalpolitik. Der Fonds Interkultur Ruhr fördert Projekte mit einem Schwerpunkt auf der Zusammenarbeit mit Geflüchteten. Das Netzwerk Interkultur Ruhr dient dem Austausch zwischen interkulturellen Initiativen und Organisationen im Ruhrgebiet. Daneben werden künstlerische Projekte und Koproduktionen in verschiedenen Städten der Region realisiert.
    Interkultur Ruhr ist ein Projekt des Regionalverbands Ruhr (RVR) und des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen der Nachhaltigkeitsvereinbarung zur Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr.2010.

    http://www.interkultur.ruhr http://www.facebook.com/interkultur.ruhr

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