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Essen, Reden und Lachen als Ehrenamt in der Nordstadt – Begegnungscafé im „Raum vor Ort“ bittet Dortmund zu Tisch

Eva Westermann genießt mit ihren Helfern die Mahlzeiten im Begegnungscafé.

Eva Westermann genießt mit ihren HelferInnen die Mahlzeiten im Begegnungscafé. Foto: Max Zienau

Von Max Zienau

Um eine Sprache zu lernen, ist es wichtig, sie besonders häufig zu sprechen. Besonders Geflüchtete, die sich in Deutschland zurecht finden müssen, profitieren sehr davon, sich mit MuttersprachlerInnen zu unterhalten. Mit dem Café im „Raum vor Ort“ in der Missundestraße 8 ist eine Begegnungsstätte in Dortmund entstanden, die beide Gruppen zusammenbringt. An einer langen Tafel wird hier jeden zweiten Mittwoch gemeinsam gegessen und – noch wichtiger – geredet. Die Themen sind dabei so vielfältig wie die Gäste selbst.

Zu einer ordentlichen Tafelrunde gehört ein kultiviertes Gespräch

In der Missundestraße 8 im Schleswiger Viertel ist die Einrichtung.

Der „Raum vor Ort“ in der Missundestraße 8. Foto: Völkel

Während die einen einfach Smalltalk machen, reden andere über Politik, wieder andere sprechen über die neuesten Lektionen ihrer Sprachkurse. All das geschieht an einer langen Tafel voller Speisen, während die Kinder um den Tisch herum toben.

Eva Westermann von der Stadtteilschule leitet das Begegnungscafé gemeinsam mit drei bis vier ehrenamtlichen HelferInnen. Die Vorbereitungen für das Café können dabei ziemlich chaotisch werden.

„Am Anfang ist es immer Stress pur, aber hinterher lachen wir darüber“, erzählt Eva. „Jeder weiß, was er gerne Essen würde, dann wird erst einmal darüber diskutiert. Auch unser Koch hat immer seine eigenen Vorstellungen.“

Mohammad, genannt Momo, ist Syrer, 26 Jahre alt und hat in der Küche das Sagen. „Er will immer alles perfekt machen“, sagt Eva und lacht. „Jedes gefüllte Weinblatt muss gleich groß sein.“ Vor jedem Begegnungscafé bereitet er die Speisen vor. Besonders gern macht er Süßspeisen wie Kadajiv, ein süßes Teiggericht oder Teigtaschen gefüllt mit Mascarpone.

Beim Genuss syrischer Spezialitäten deutsche Sprachkenntnisse erwerben

„Ich bin schon seit anderthalb Jahren dabei“, erzählt er, während er weiter am Dessert arbeitet. „Besonders gefällt mir dabei, dass ich neue Leute treffen und meinen Wortschatz vergrößern kann.“ Am beliebtesten sind seine Gerichte aus Syrien

Ohnehin ist die Küche der Ort, an dem sich die TeilnehmerInnen am liebsten aufhalten. Hier geht es drunter und drüber, es wird gestritten, kommandiert und diskutiert, da alle HelferInnen einen eigenen Kopf haben. Trotzdem ist die Stimmung ausgezeichnet und am Ende steht für alle Gäste ein tolles Essen bereit.

Annina hilft seit Weihnachten ehrenamtlich im Café mit. „Es geht darum einfach offen und gesprächsbereit zu sein“, erklärt die 19-Jährige. „Die Leute hier sind der Hauptgrund, warum ich mithelfe. Es gibt immer etwas zu lachen.“ Und auch das Essen ist ein Vorteil. „Bis jetzt hat Momo noch nichts gekocht, was mir nicht geschmeckt hat“, sagt Annina und lacht.

Deutsch zu sprechen ist die einzige Voraussetzung, um mitzumachen

Koch Mohammad (links) bereitet mit Annina (hinten) den Nachtisch vor.

Koch Mohammad (links) bereitet mit Annina (hinten) den Nachtisch vor.  Foto: Max Zienau

Die Aufgabe der Ehrenamtlichen ist einfach. Sie müssen einfach mit den Gästen sprechen. Vorraussetzung ist nur das Beherrschen der deutschen Sprache. Alter, Herkunft und Ausbildung ist nebensächlich. Um eine reichhaltige deutschsprachige Gesprächssituation aufrechtzuerhalten, ist das Begegnungscafé auf mehr EhrenamtlerInnen angewiesen, die Freude an Gesprächen haben.

Neben den gemeinsamen Mahlzeiten bietet das Begegnungscafé regelmäßig Aktionen an. Mal stehen Theater- oder Opernbesuche an, dann gibt es Informationsabende über verschiedene Themen, wie das deusche Schul-oder Ausbildungssystem. Dazu werden vom Begegnungscafé immer wieder fachkundige RednerInnen gesucht.

Das Begegnungscafé ist ein gemeinsames Projekt der Stadtteil-Schule Dortmund und der Katholischen und Erwachsenen-Familienbildung Dortmund (KEFB) im Nachbarschaftstreff „Raum vor Ort“ in der Missundestraße 8. Das Begegnungscafé findet alle zwei Wochen, mittwochs von 17 Uhr bis 19 Uhr statt.
Informationen gibt es bei Eva Westermann per Mail an ewestermann@stadtteil-schule.de oder per Telefon unter der 0231/28662588 oder der 0152/34792907.

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