Feierliche Übergabe der Patene beim Gottesdienst in der Lutherkirche

Ein wertvoller Abendmahlteller kehrt aus dem Dortmunder Norden nach Hattingen zurück

Carola Theilig (l.), Birgit Worms-Nigmann und ihr Hattinger Kollege Udo Polenske vor der Übergabe der Patene.
Carola Theilig (l.), Birgit Worms-Nigmann und ihr Hattinger Kollege Udo Polenske vor der Übergabe der Patene. Foto: Susanne Schulte für nordstadtblogger.de

„Jetzt kommt zusammen, was zusammengehört“, sagte Pfarrerin Birgit Worms-Nigmann und kündigte damit im Internationalen Gottesdienst die feierliche Übergabe der Patene, des Abendmahltellers an, der, auf welchen Wegen auch immer, aus der Hattinger Kirche St. Georg zur Lutherkirche in die Dortmunder Nordstadt gelangte. Zusammenkommt der Teller nun mit der Weinkanne und dem Kelch, die noch in der Hattinger Gemeinde sind – und das seit Jahrhunderten.

Die Abendmahlsgegenstände stammen aus dem Jahr 1673

In zwei der drei Abendmahlsgegenstände ist der Namen des großzügigen Schenkers Heinrich Bock eingraviert und das Datum 1673. Tragen Kelch und Kanne den gleichen Stempel des Nürnberger Silberschmieds Kerstner, fehlt dieser auf dem Teller. Aber aufgrund des Namens und der Jahreszahl, des Wappens der Stadt Nürnberg und weiterer Recherchen ist sich Dr. Ulrich Althöfer sicher, dass die drei Teile das komplette Gerät bilden.

Jede:r wollte sie noch einmal in der Hand haben - auch Lydiagemeinde-Pfarrerin Birgit Worms-Nigmann.
Jede:r wollte sie noch einmal in der Hand haben – auch Lydiagemeinde-Pfarrerin Birgit Worms-Nigmann. Foto: Susanne Schulte für nordstadtblogger.de

Seit 2004 wusste die Lydiagemeinde, zu der auch die mittlerweile an den Kirchenkreis übergebene Lutherkirche gehörte, von dem Wert dieses Tellers, den sie anderweitig nutzte. „Wir haben den immer als Ringteller bei Trauungen genommen“, erzählte Pfarrerin Carola Theilig, die seit einigen Monaten im Ruhestand ist und davor gut 30 Jahre als Pfarrerin in der Lutherkirche arbeitete. „Er hatte dafür die richtige Größe.“

Doch wie das so ist: Immer mal wieder erinnerte man sich daran, den Teller doch der Hattinger Gemeinde zurück zu geben, und immer wieder waren andere Angelegenheiten wichtiger. Dass der Teller, der einen Durchmesser von gut 15 Zentimetern hat, so wertvoll ist, hatte alle in der Gemeinde überrascht.

Ulrich Althöfer, als Kunsthistoriker der Evangelischen Kirche von Westfalen damals unterwegs, um Kirchenschätze zu inventarisieren, hatte die Bedeutung des Tellers gleich erkannt und weitererzählt und sich auf die Suche nach den dazugehörigen Gegenständen gemacht, auf die Suche nach Kelch und Kanne, und fand diese dann letztendlich bei seinem Besuch in Hattingen.

Heinrich Bock schenkte 1673 der Gemeinde das silberne Geschirr 

Die Patene, der Abendmahlsteller, war in der Lutherkirche jahrzehntelang als Ringteller bei Trauungen in Gebrauch.
Die Patene  war in der Lutherkirche jahrzehntelang als Ringteller bei Trauungen in Gebrauch. Foto: Ulrich Althöfer/EKvW, Landeskirchenamt, Bau – Kunst – Denkmalpflege

Sicher scheint, dass Heinrich Bock, der 1603 in Hattingen geboren wurde und 1673 in Nürnberg als Handelsmann starb, die drei Abendmahlsgeräte der evangelischen Gemeinde seiner Heimatstadt durch sein Testament vermachte.

So steht es auch in der Chronik von Rudolf Nonne, der 1890 „Die Größere evangelische Kirchengemeinde Hattingen“ verfasste, wie Althöfer recherchierte. Doch wie der Teller in die Dortmunder Nordstadt kam, ist nicht geklärt.

Pfarrer Udo Polenske (li.) aus Hattingen und Kunsthistoriker Ulrich Althöfer freuen sich, dass der Teller wieder in seine Ursprungsgemeinde kommt.
Pfarrer Udo Polenske (li.) aus Hattingen und Kunsthistoriker Ulrich Althöfer freuen sich, dass der Teller wieder in seine Ursprungsgemeinde kommt. Foto: Susanne Schulte für nordstadtblogger.de

Dazu gibt es lediglich eine Vermutung: Der Pfarrer Erwin Haag, der von 1939 bis 1945 in Hattingen arbeitete, kam 1949 zur Lutherkirche an die Flurstraße und blieb bis 1961. Womöglich hatte er den Teller im Gepäck.

Denn, wie der heutige Pfarrer der St. Georgskirche, Udo Polenske im Gottesdienst in der Lutherkirche erzählte – die für Internationale Gottesdienste immer noch genutzt wird -, hätten während des Krieges die Hattinger Gemeindemitglieder die wertvollen Stücke oft privat in ihren Wohnungen und Häusern versteckt.

Sie wollten sie damit vor Diebstahl und Beschädigen schützen. Womöglich hatte auch Haag den Teller zwischen persönlichen Sachen untergebracht und später wieder zum Vorschein geholt.

Diese Zusammenführung ist „ein einmaliger Prozess in der Landeskirche“

Die Living Worshippers brachten die Gottesdienstgäste in der Lutherkirche zum Tanzen.
Die Living Worshippers brachten die Gottesdienstgäste in der Lutherkirche zum Tanzen. Foto: Susanne Schulte für nordstadtblogger.de

Nach viel Musik und Gesang, die Living Worshippers waren gekommen und aus Hattingen das Quartett Silberpfade, wurde Carola Theilig, die als Gast im Kirchenraum saß, von Birgit Worms-Nigmann aufgefordert, den offizielle Tellerübergabe zu machen.

Dabei erfuhren die Gottesdienstbesucher:innen, dass es „ein einmaliger Prozess in der Landeskirche“ sei, „dass Dinge wieder zusammengeführt werden“.

Die Gemeinde kommt in Bewegung dank der Musik der Living Worshippers.
Die Gemeinde kommt in Bewegung dank der Musik der Living Worshippers. Foto: Susanne Schulte für nordstadtblogger.de

Die drei Abendmahlsgeräte sind zwar zu wertvoll, um in der St. Georgskirche einfach so herumzustehen, aber Pfarrer Udo Polenske meinte, es gebe genug Gründe, einmal nach Hattingen zu fahren.

Er lud die Dortmunder:innen ein, das doch auf jeden Fall einmal zu tun, ihn vorher anzurufen, dann könnte er eine Kirchenführung machen. Und wer weiß: Womöglich holt er auch die wiedervereinigten Abendmahlsgeräte aus dem Tresor.

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