Dortmund als Austragungsort für Olympia?

Der Ratsbürgerentscheid erfolgt am 19. April 2026 per Briefwahl

Zwei Personen lächeln in die Kamera. Sie halten einen Abstimmungszettel in den Händen.
Der Abstimmungsleiter Norbert Dahmen (li) und Frauke Füsers, Sportdezernentin Dortmund, informieren über den Ratsbürgerentscheid. Nordstadtblogger-Redaktion | Nordstadtblogger

Mit „Köln-Rhein-Ruhr“ bewirbt sich NRW im nationalen Auswahlverfahren als Austragungsort – oder eher Austragungsgebiet – für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044. 17 Städte würden laut des Konzepts an der Organisation beteiligt werden. Darunter ist auch Dortmund. Aber die Planung geht nur mit den Städten weiter, deren Bürger:innen die Bewerbung für Olympia unterstützen.

Der Ratsentscheid selbst findet ausschließlich per Briefwahl statt

Um die Unterstützung für den Olympia-Plan zu messen, führen alle 17 Städte am 19. April 2026 einen Ratsbürgerentscheid durch. So können die Bürger:innen direkt mitentscheiden, ob sich ihre Stadt am nationalen Bewerbungsverfahren beteiligen will. Wichtig zu wissen: Selbst wenn eine Mehrheit der Bürger:innen für „Ja“ stimmt, heißt dass nicht, dass die „Köln-Rhein-Ruhr“ Region auch tatsächlich vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) für die deutsche Bewerbung beim International Olympic Commitee (IOC) ausgewählt wird. Das heißt, es ist noch nicht klar, ob dann auch tatsächlich 2036, 20240 oder 2044 olympische und paralympische Spiele in Dortmund stattfinden.

Die Schablone ist DIN-A4 groß, weiß und liegt auf einem hellbraunen Holztisch.
Die Wahlschablone NRW können sehbehinderte und blinde Menschen auch beim Ratsbürgerentscheid nutzen. Nordstadtblogger-Redaktion | Nordstadtblogger

Der Ratsentscheid selbst findet ausschließlich per Briefwahl statt. Stimmberechtigt sind alle Bürger:innen ab 16, die zum Zeitpunkt der Abstimmung mehr als 16 Tage in Dortmund wohnen und die deutsche Staatsbürgerschaft oder eine andere aus einem Land der Europäischen Union haben.

Norbert Dahmen, der Abstimmungsleiter, präsentiert eine erste Version des Stimmzettels. Dieser kann auch mit der „Wahlschablone NRW“ für sehbehinterte und blinde Menschen ausgefüllt werden. Das soll, zusammen mit einer Anleitung in leichter Sprache, die Stimmabgabe möglichst barriearm gestalten.

Die Stimmzettel werden seit dem 10. März verschickt und können portofrei an die Stadt zurückgeschickt oder im Wahllokal abgegeben werden. Die Unterlagen müssen bis zum 18. April 2026 der Stadt vorliegen. Am 19. April plant die Stadt Dortmund ab 18 Uhr die Auszählung. Die Ergebnissen sollen am selben Abend bekannt gemacht werden. ___STEADY_PAYWALL___

Die Stadt Dortmund spricht sich für Teilnahme aus

„Olympische Spiele bringen immer Investition für Infrastruktur und Sportstätten, von denen wir langzeitig profitieren“, betont der Oberbürgermeister Alexander Kalouti. In der Beschlussvorlage zum Ratsbürgerentscheid heißt es, Olympia sei „eine willkommene Gelegenheit, den Bedarfen und Herausforderungen der Zukunft zu begegnen“.

Vier Männer sitzen vor einer Leinwand auf der das Dortmunder U mit Werbung für die Olympia- und Paralympicsbewerbung beleuchtet wird.
Der Verwaltungsvorstand stellt Einzelheiten zum Ratsbürgerentscheid vor. Nordstadtblogger-Redaktion | Nordstadtblogger

Olympia und Paralympics würden in Dortmund positive Effekte auf die internationale Sichtbarkeit und somit Dortmund als Wirtschaftsstandort haben. Genauso würden die Infrastruktur und der Tourismus im Rhein-Ruhr Gebiet profitieren.

Die sportlichen Werte „Vielfalt, Integration und Gleichberechtigung“ könnten durch Olympia und Paralympics in Dortmund erlebbar werden. Die Stadt Dortmund sieht die Chance, „den Bewohnenden und Besuchenden Dortmunds unvergessliche Momente zu bescheren“.

Dortmund als optimaler Austragungsort?

In Dortmund  würden der Singnal-Iduna-Park und die Westfallenhallen als Spielstätten für Fußball und Handball genutzt werden. Da Dortmund bereits in beiden Sportarten internationale Events ausgetragen hat, kann die Stadt von diesen Erfahrungen profitieren. Durch die Kapazität von 80.000 Plätzen wäre das Dortmunder Stadion außerdem geeignet für die Eröffnungsfeier – auch wenn in den Planungen hinsichtlich der Eröffnungsfeier noch keine Entscheidung gefallen ist.

Eine Aufnahme aus Vogelperspektive auf die Westfalenhallen Dortmund. Im Hintergrund das BVB-Stadion.
In den Westfalenhallen fand 2025 die Hauptrunde der Handball WM der Frauen statt. Der Signal-Iduna-Park beherbergte zuletzt Spiele der Fußball Europameisterschaft 2024 der Männer als internationales Sportevent. Foto: Quadroguys für die Westfalenhallen

Was die Kostenkalkulation betrifft, gibt es zum jetzigen Planungsstand noch keine näheren Informationen. Ein Großteil der Kosten würde aber, nach dem bisherigen Konzept, durch Ticketverkäufe und Beiträge des IOC getragen werden. Dennoch rechnet die Verwaltung mit min. 10 Millionen Euro aus Haushaltsmitteln für die Haushaltsjahre je zwei Jahre vor Austragung.

Darüber hinaus können unsichere Faktoren wie nationale und globale Entwicklungen oder sicherheitsrelevante Aspekte die „Kosten- und Organisationsstrukturen erheblich beeinflussen“. Somit kann der potentielle Aufwand für die Stadt Dortmund noch nicht eindeutig eingeschätzt werden.

Ein Großteil des Rates begrüßt die Bewerbung

Auch die Ratsfraktionen positionieren sich zu dem Ratsbürgernetscheid. Für die Bewerbung sprechen sich die Fraktionen SPD, CDU, FDP und Bürgerliste, und Grüne mit Volt aus.

Letztere habe sich „die Entscheidung nicht leicht gemacht“ und Vor- und Nachteile abgewogen. Sie betonen in ihrer Pressemitteilung: „Für uns gilt: faire Kostenverteilung, langfristiger Nutzen für Dortmund und verbindliche Klima- und Umweltstandards“ als Vorraussetzung für Olympia und Paralympics. Dennoch sehen sie die Bewerbung als „Chance auf wichtige Investitionen, die Dortmund dauerhaft zugutekommen können“.

Starke Kritik von BSW und Linke

Bedenken erhebt das BSW. Sie heben heraus,  „dass die Kosten für Olympia in den letzten Jahrzehnten derart explodiert sind, dass sie vielen austragenden Städten immense Schuldenlasten aufgebürdet haben“.

Projektionen auf dem U-Turm
Mit einer Lichtinstallation und prominenten Gästen am Dortmunder U ist die Informationskampagne auch für Dortmunds Olympia-Bewerbung gestartet. Foto: Javad Mohammadpour für Nordstadtblogger.de

Dennoch bewerten sie es positiv, „die traditionellen olympischen Werte zu feiern“. Letzendlich sei es richtig, den Bürger:innen die Entscheidung zu überlassen.

Allein die Fraktion Linke und Tierschutzpartei ruft die Bürger:innen eindeutig dazu auf, mit „Nein“ zu stimmen.

„Am Ende tragen Steuerzahler*innen und Städte das Risiko – während Gewinne und Vermarktung beim IOC und großen Sponsoren landen“, bewertet die Fraktion das fehlende Finanzkonzept. Darüber hinaus kritisieren sie die „ungesicherte soziale Auswirkungen und Umweltbelastungen“.

Olympia passe „zu einer Stadt, die Sport lebt“

Trotz der ungeklärten Umsetzung überwiegen für den Großteil die Chancen. Die SPD macht klar, Olympia passe zu Dortmund, „zu einer Stadt, die Sport lebt – vom Bolzplatz bis zum Profistadion“. Auch die CDU unterstreicht: „Wir könnten alle zusammen stolz sein, Austragungsort und damit Teil der Olympischen Spiele zu sein“.

Letzendlich liegt es nun an den Bürger:innen, ob Dortmund weiterhin Teil des „Köln-Rhein-Ruhr“ Konzepts bleibt und im Fall der Fälle Austragungsort für Olympia und Paralympics wird.

Mehr Informationen: 


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