Die Gewerkschaft NGG kritisiert CDU-Antrag zur Vollzeitpflicht für betroffene Teilzeitkräfte

Mangel an Kita- und Pflegeplätzen erschwert oft den Wechsel in Vollzeit

Hände greifen nach einer geteilten Uhr
Der Griff nach Teilzeit im Job: Ob volles Arbeitspensum oder nur wenige Wochenstunden – entscheidend ist, was Beschäftigte leisten können und wollen, fordert die NGG Dortmund. Fotomontage: NGG /Florian Göricke

Rund 81.600 Menschen in Dortmund arbeiten in Teilzeit, davon 71 Prozent Frauen. Die NGG Dortmund warnt, dass Defizite bei Kitas und Pflege den Wechsel in Vollzeit erschweren. Die Gewerkschaft kritisiert den Antrag des Wirtschaftsflügels der CDU auf dem Bundesparteitag. Torsten Gebehart appelliert an die CDU-Delegierten, den Antrag „abzuschmettern“. Vollzeitoptionen müssten realistisch und sozialverträglich gestaltet werden.

Teilzeitarbeit in Dortmund: Frauen besonders betroffen

In Dortmund arbeiten nach Angaben der Arbeitsagentur rund 81.600 Menschen in Teilzeit. Der Anteil der Frauen an diesen Jobs liegt bei 71 Prozent, während bei Vollzeitstellen nur 35 Prozent der Beschäftigten Frauen sind. Die NGG Dortmund sieht hierin ein deutliches Ungleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt.

Torsten Gebehart von der NGG Dortmund betont: „Einen Teilzeitjob zu machen ist keine Lust-und-Laune-Entscheidung. Denn wer nicht Vollzeit arbeitet, hat heute schon weniger Geld auf dem Konto und später weniger Rente.“ Für viele sei Teilzeitarbeit notwendig, um Familie und Pflegeaufgaben zu vereinbaren. „Teilzeitarbeit ist keine Bequemlichkeit“, so Gebehart weiter.

Die Gewerkschaft mahnt, dass Vollzeitjobs nicht durch Druck verordnet werden können. „Wenn der Wirtschaftsflügel der CDU künftig Menschen, die in Teilzeit arbeiten und gleichzeitig Wohngeld oder Kinderzuschlag beziehen, einen Vollzeitjob verordnen will, dann lässt das jedes soziale Gespür vermissen“, sagt Gebehart.

CDU-Antrag zur Reform der Teilzeit

Der Geschäftsführer der Dortmunder NGG appelliert an die CDU in Dortmund und an die Delegierten aus der Region, Ende Februar den Antrag des Wirtschaftsflügels der Union zur Reform der Teilzeit auf dem Parteitag der CDU in Stuttgart „abzuschmettern“.

Torsten Gebehart ist Geschäftsführer der NGG-Region Dortmund.
Torsten Gebehart ist Geschäftsführer der NGG-Region Dortmund. Archivfoto: Klaus Hartmann für Nordstadtblogger.de

„Es bringt nichts, den Menschen die Daumenschrauben anzuziehen, um sie zum Vollzeitpensum im Job zu zwingen“, erklärt Gebehart. Solange es nicht mehr Kitaplätze gebe, werde es nicht funktionieren, mehr Menschen in Vollzeit zu bringen. „Immerhin hat der Wirtschaftsflügel der Union diesen Punkt bei seinem Teilzeit-Vorstoß nach langem Hin und Her jetzt aufgegriffen und sich damit wenigstens ein Stück weit näher an die Probleme der Beschäftigten herangerobbt“, so Gebehart.

Auch wer einen Angehörigen pflege, könne zu Hause nicht alles stehen und liegen lassen, um mehr Stunden im Job zu machen, so Torsten Gebehart. Hierzu sei eine bessere Infrastruktur bei der Pflege nötig.

Vollzeitoptionen müssen realistisch bleiben

Die NGG Dortmund warnt Arbeitgeber davor, Beschäftigte in Teilzeit zu drängen. „Entscheidend ist, welches Arbeitspensum man persönlich machen kann und will. Darauf sollten die Beschäftigten pochen. Es darf nicht darum gehen, dem Betrieb mit einem ‚Teilzeit-Kompromiss‘ entgegenzukommen, wenn man lieber Vollzeit arbeiten möchte“, so Gebehart. Vollzeitoptionen müssen realistisch sein und die Lebenssituation der Beschäftigten berücksichtigen, insbesondere bei Frauen, die häufig familiäre Aufgaben übernehmen.

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