Alexandra Popp zu Gast im Fußballmuseum: „Dem Frauenfußball hat man 80 Jahre gestohlen“

Der Legenden-Podcast „Wie war das damals?“ mit Gottschalk und Pfennig

Blick in die Veranstaltung
Alexandra Popp, Pit Gottschalk und Christian Pfennig beim Legenden-Podcast „Wie war das damals?“ Foto: Clara Wernet für Nordstadtblogger

Von Clara Wernet und Sina Sakrzewa

Alexandra Popp war als echte Titelsammlerin zu Gast im Legenden-Podcast „Wie war das damals?“. Das Gespräch fand mit Pit Gottschalk und Christian Pfennig im Deutschen Fußballmuseum statt. Die langjährige Kapitänin der deutschen Nationalmannschaft hat als erste Frau und als erste noch aktive Spielerin über ihre außergewöhnliche Karriere gesprochen. Popp ist zweimalige Champions-League-Siegerin, siebenmalige Deutsche Meisterin, zehn mal hintereinander DFB-Pokalsiegerin – insgesamt holte sie den Titel 13 mal und sie ist zweifache Olympiasiegerin.

Alexandra Popp überzeugt mit ihrem Selbstbewusstsein – das war aber nicht immer so

Gottschalk berichtet, er habe bisher nur Spielerinnen des VfL Wolfsburg interviewt – „das spricht für uns“, reagierte Alexandra Popp lachend. Auch der Umstand, dass er noch keinen Wolfsburger Spieler interviewt hat, hat Popp humorvoll als weiteres Argument aufgenommen.

Alexandra Popp, Pit Gottschalk und Christian Pfennig beim Legenden-Podcast „Wie war das damals?“ Foto: Clara Wernet für Nordstadtblogger

Vom Start ihrer Karriere im Jugendfußball bei FC Schwarz-Weiß Silschede in Gevelsberg bis zu ihren großen Erfolgen auf nationaler und internationaler Bühne hat Popp alles ausgepackt. Mit ihrer Schlagfertigkeit und ihrem Humor hat sie das Publikum unterhalten und starke Persönlichkeit gezeigt. Laut Popp, war es aber nicht immer leicht, auszublenden, was man über sie geschrieben hat. „Als junges Mädchen habe ich mir das alles sehr zu Herzen genommen.___STEADY_PAYWALL___

Irgendwann war ich garnicht mehr ich selbst – dann hab ich da was verändert und hier was verändert“. Doch nicht nur sportlich hat sie eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt. Heute sei es Popp nämlich egal, was man über sie schreibt. Sie ist zu einem echten Vorbild für viele junge Mädchen und Jungen geworden und hat selbst maßgeblich dazu beigetragen, dass Fußballerinnen heute eine solche Vorbildfunktion einnehmen. Erst über die Jahre merkte sie, was für eine Stimme sie nach außen hat und dass sie damit etwas verändern kann.

Der Rücktritt von Popp 2024 war kein spontaner Entschluss

Popp hatte über längere Zeit Zweifel und fragte sich immer wieder ob sie noch für den Platz brennt. „Irgendwas war nicht mehr so wie früher“. Beinahe hätte sie schon vor Olympia aufgehört. Horst Hrubesch, der ehemalige Nationaltrainer von Popp motivierte sie jedoch noch weiterzumachen.„Wenn wir aufhören, hören wir zusammen auf.“, sagte er zu ihr. Das letzte Olympia konnte sie jedoch wie erwartet nicht mehr glücklich stimmen. Trotzdem gäbe es für sie nichts Größeres, als für ein Land auflaufen zu dürfen. Es hat für Popp „große Bedeutung, den Adler auf der Brust tragen zu können.“

Ausstellungsstücke des Fußballmuseums Foto: Clara Wernet für Nordstadtblogger

Außer der U19 hat sie alle Nationalteams mitgenommen. Was auch bleibt: freundschaftliche Beziehungen in ihrem fußballerischen Weg – geprägt von Zusammenhalt und gegenseitiger Unterstützung.

Svenja Huth habe eine besondere Bedeutung in Popps Entwicklung gehabt. Popp hat gemeinsam mit Huth ihr erstes Länderspiel in der U15 gespielt und steht noch heute neben ihr in Wolfsburg auf dem Platz. Verschiedene Trainerpersönlichkeiten prägten ihre Entwicklung durch Wissensweitergabe und Disziplin. „Ich wusste selbst erst mit 14 oder 15, dass es eine Frauen Bundesliga gibt.“ Dann ging alles sehr schnell: Schon zwei Jahre später spielte sie selbst in der höchsten deutschen Spielklasse.

Keine Gleichberechtigung bei den Ausstellungsstücken – aus Gründen

Gottschalk stellte zahlreiche Fragen zur Gleichberechtigung sowie zu den Unterschieden zwischen Männer- und Frauenfußball. Dabei interessierte ihn auch, ob Gleichberechtigung bei den Ausstellungsstücken im Museum umgesetzt wird. Manuel Neukirchner, Direktor des Deutsches Fußballmuseum und Vorsitzender der Geschäftsführung der DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum gGmbH, betonte die historische Dimension des Themas: „Dem Frauenfußball hat man 80 Jahre gestohlen.“

Pit Gottschalk, Sportjournalist und Manuel Neukirchner, Direktor des Deutsches Fußballmuseum und Vorsitzender der Geschäftsführung der DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum gGmbH Foto: Clara Wernet für Nordstadtblogger

Während die Männer schon Titel sammelten, standen die Frauen ganz frisch auf dem Platz. Das Museum hatte sich zuerst auf die Pioniere des Fussballs fokussiert, das Spektrum aber dann immer wieder ausgeweitet, deshalb gäbe es quantitativ mehr zum Männer-Fussball zu zeigen. Aber heute gibt es eine immer größer werdende Abteilung für den Frauenfussball für den Popp ihre getragenen Fussballschuhe von der EM 2020 spendet.

Neukirchner meint, im Museum könnten diese Schuhe junge Fußballer:innen inspirieren. Zugleich hat er den Anspruch des Museums unterstrichen: „Das Fußballmuseum muss die Geschichte so erzählen, wie sie war – nicht, wie sie hätte sein sollen.“

Alexandra Popp zeigte sich souverän und lenkte den Fokus immer wieder auf ihre persönlichen Erfahrungen sowie die Entwicklung des Frauenfußballs, was beim Publikum sehr gut ankam. Es verwundert also nicht, dass die Veranstaltung mit Popp zu den am schnellsten ausgebuchten der Reihe gehörte. Die Gesprächsreihe „Wie war das damals?“ wird am 27. April im Deutschen Fußballmuseum mit Rudi Völler als nächstem Gast fortgesetzt.


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