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Defekte Radios, störrische Fahrräder oder zerrissene Kleidung: im Repair-Café Dorstfeld bekommen Dinge ein längeres Leben

Im „Repair-Café“ Dorstfeld kümmern sich ehrenamtliche MitarbeiterInnen um die Reparatur defekter Elektrogeräte, verschlissener Kleidung und vieles mehr. Wer mitmachen möchte: vorher bitte anmelden! Fotos: Angelika Steger

von Angelika Steger

Ein Seminarraum im Erdgeschoss des Mütterzentrums Dorstfeld. Tische mit bis zu vier Stühlen sind im Raum aufgestellt, die Tische mit grauem Filzbelag, den man sonst nur auf dem Fußboden vermuten würde, bedeckt. Schreibtischlampen in weiß oder gelb stehen auf den Tischen, daneben liegen Koffer mit verschiedenem Werkzeug, auch Messgeräte liegen herum. Ein Kaffeeautomat steht in Einzelteilen auf dem einen Tisch, der Wasserbehälter neben dem großen Gehäuse. „Die ist undicht“, sagt der Besitzer. Einer der ehrenamtlichen Reparateure schaut sich das Gerät näher an, versucht, einen Teil mit dem Schraubenzieher zu öffnen.

Die Stimmung ist gut im „RepairCafé“ des Mütterzentrums in Dorstfeld

„Oh, da fällt was raus, das sind Schrauben“, sagt ein anderer Besucher, der mit seiner Nähmaschine darauf wartet, dran zu kommen. „Nein, doch Kaffeebohnen. Da schau, so schlecht ist meine Brille.“ Er lacht. Ein weißhaariger Besucher hält eine rote Tasche in der Hand und freut sich: „Ganz fantastisch, das Wochenende ist gerettet!“

Einer der Ehrenamtlichen bei der Reparatur eines defekten Toasters

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Sein Filmprojektor wurde durch die Reparatur wieder funktionsfähig. Am Tisch nebenan sucht ein Radiobesitzer geduldig nach der Ursache, weshalb überhaupt nichts mehr geht an seinem 55 Jahre alten Radiogerät von Telefunken. Auch wenn es hier zunächst um Probleme, in diesem Raum um defekte Elektrogeräte geht, ist die Stimmung gut beim „RepairCafé“ in Dorstfeld.

Meist zu zweit sitzen die Menschen in diesem Raum an einem Tisch, alle haben ein defektes Gerät mitgebracht, oft sind es nur Kleinigkeiten, die eine weitere Nutzung verhindern. Eine Dame hat einen Toaster dabei. „Erst mal die Krümel raus machen“, sagt sie. „Ach, das macht nichts“, sagt der ehrenamtliche Helfer Heinz Eberhard Schröter.

„Mehl, Zucker, ich hatte heute schon alles auf dem Tisch“ sagt er lachend. Und dann will er wissen, für wen hier geschrieben wird. „Ich bin gar nicht neugierig, ich will nur alles wissen“, ergänzt er grinsend. Bei diesem Toaster rastet der Schalter nicht mehr ein, sonst funktioniert alles. Schröter ist zuversichtlich, dass er das auch noch hinbekommt.

Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, manchmal ist es richtige „Fummelarbeit“

„Ich hatte heute schon einiges, auch einen Kaffeekocher, eine elektrische Kaffeemühle, eine Lampe und eine Kabeltrommel – und einen Filmprojektor.

Staubsauger defekt: eine Besucherin wartet geduldig bei der Reparatur.

Auffällig ist, dass im Raum für die Elektrogeräte-Reparatur nur Männer arbeiten, die AuftraggeberInnen sind aber zum Teil auch Frauen. Eine weitere Dame hat ihren Staubsauger mitgebracht. „Der Ein-/Ausschalter geht nicht.“

Der ehrenamtliche Helfer hat die grüne Verschalung des Staubsaugers abgenommen und arbeitet nun mit einem Gerät, das an ein Zahnarztinstrument erinnert, an der defekten Stelle. Etwas Rostlöser kommt auch noch darauf, während die Staubsauger-Besitzerin geduldig das defekte Teil festhält. Diese Reparatur wird noch länger dauern.

Beim Radio von Telefunken, Modell „Bajazzo“, das schon 55 Jahre alt ist, sind zwei andere Herren dazugekommen, einer sucht mit einer kleineren, hellen Lampe im Inneren des Radios, das aus meist Platinen mit silbernen Linien und Punkten besteht, nach der Ursache. „Da ist die Platine hinter dem Lautsprecher gebrochen. Kann man machen, dauert aber mindestens zwei Stunden und es ist eine Fummelarbeit.“ Bei dem starken Andrang werden aber nicht zwei Stunden für den Radiobesitzer bleiben.

Neben Elektrogeräten werden auch Kleidungsstücke oder Fahrräder repariert

Viele denken beim „RepairCafé“ an Elektrogeräte. Doch auch andere Dinge können repariert werden: Kleidung oder Fahrräder zum Beispiel.

Eine Näherin steckt den Saum einer Jacke fest, damit dieser genäht werden kann.

Mütterzentrum-Mitarbeiterin Jacqueline Wildrich hat zwei ihrer Jacken mitgebracht. „Ich finde das super, sonst hätte ich die alten Jacken aussortiert. So kann ich sie wieder tragen.“

Während in einem Raum des Dachgeschosses eine Näherin die aufgerissene Kante des Innenfutters an der Jacke mit Stecknadeln feststeckt, sitzt Wildrich wie im Wartezimmer auf einem Stuhl neben der Nähmaschine.

„Das sind vier Lagen, die zusammengenäht werden müssen.“ Im zweiten Schritt braucht die Jacke einen neuen Reißverschluss. „Die eigentliche Arbeit ist das Feststecken und das Bügeln“, sagt die Näherin. Das Nähen selbst geht dann schnell.“ Sie steckt die Jackenkante unter den Fuß der Nähmaschine. „Ganz schön dick der Stoff. Es sollte aber klappen.“ Die Nähmaschine rattert an der Kante entlang. Jacqueline Wildrich freut sich, dass ihr geliebtes Kleidungsstück nun bald wieder benutzt werden kann.

Wenn nichts mehr zu machen ist, müssen die Geräte ordnungsgemäß entsorgt werden

Ein defekter Filmprojektor im Repaircafé Dorstfeld

Das „RepairCafé“ in Dorstfeld wird vom Mütterzentrum Dortmund e.V. und dem Seniorenbüro Innenstadt-West veranstaltet.

Nach vorheriger telefonischer Anmeldung reparieren Ehrenamtliche, so gut es geht, defekte Elektrogeräte oder zerrissene Kleidung. Tanja Tenholt vom Seniorenbüro weist aber auch darauf hin, dass nicht alle alles können.

„Wir versuchen, das mitgebrachte Teil zu reparieren. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht. Wenn die Reparatur nicht gelingt, müssen die BesucherInnen das Teil dann auch ordnungsgemäß entsorgen.“ So steht es auch auf dem Laufzettel, den alle, die einen defekten Gegenstand mitbringen, bei Ankunft im Mütterzentrum ausfüllen muss. Man erklärt sich ebenfalls mit dem Haftungsausschluss einverstanden.

Es wird auch Hilfe im Umgang mit Smartphones und Tablets angeboten

Da geht noch was: ein 55 Jahre altes Radio wird dem Grab entrissen.

Ähnlich einer Arztpraxis haben dann alle ihren  Termin bei einem der ehrenamtlichen HelferInnen, die die mitgebrachten Gegenstände reparieren. Außerdem gibt es Hilfe beim Umgang mit Smartphones und Tablets.

Die Reparaturen sind kostenlos, es wird aber um Spenden gebeten. Wenn man mal länger auf den Reparaturtermin warten muss, weil trotz vorheriger Terminvereinbarung die vorherige Reparatur länger dauert, kann man sich im hauseigenen Café stärken.

„Aber dann immer auf die Uhr schauen, damit man auch seinen Termin nicht verpasst“, macht Anke Piepenstock vom Mütterzentrum klar. Wer sich nicht vorher angemeldet hat und spontan vorbei kommt, muss sich ‚hinten anstellen‘, bis die anderen Sachen bearbeitet wurden. 30 Minuten vor Schließung des RepairCafés werden keine Anträge mehr angenommen.

Weitere Informationen:

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